Kompromissbereitschaft ist gefragt, um Klimawandel zu stoppen

UNO-Klimachefin Figueres verhalten optimistisch - UN Photo/Eskinder Debebe
UNO-Klimachefin Figueres verhalten optimistisch - UN Photo/Eskinder Debebe
Nach dem Desaster in Kopenhagen braucht es beim bevorstehenden Treffen der Unterzeichnerstaaten der UNO-Klimakonvention in Cancun Willensstärke und Toleranz

Nur wenige Tage, bevor im mexikanischen Cancun erneut eine wichtige Konferenz zum Klimawandel beginnt, appelierte die oberste Klimawächterin der Vereinten Nationen an die Kompromissbereitschaft der Regierungen, um bei der Lösung des Klimakonflikts weiter zu kommen.

„Cancun kann ein Erfolg werden, wenn die Unterzeichnerstaaten der UNO-Klimakonvention Kompromisse eingehen“, sagte die Chefin des Sekretariats des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen zu Klimaänderungen (UNFCCC), Christiana Figueres, am 15. November 2010 auf einer Pressekonferenz in Bonn, dem Hauptquartier der UNO-Klimaschützer. Figueres empfiehlt den Delegierten, ihre Erwartungen auszubalancieren, damit jeder etwas mit nach Hause nehmen kann und den anderen erlaubt, das Gleiche zu tun. So würden multilaterale Abkommen anderswo getroffen und so müsste es auch in Sachen Klimawandel vorangehen.

Lücken schließen für einen neuen Klimapakt

Die bevorstehende 16. Zusammenkunft der Unterzeichner-Parteien zur UNFCCC, die zugleich die 6. Sitzung der Signaturstaaten des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls ist, findet vom 29. November bis zum 10. Dezember 2010 statt. Die Klimakonvention fasst die möglichen Maßnahmen zur Einschränkung der globalen Erwärmung zusammen und erwägt Möglichkeiten, mit einem unausweichlichen Temperaturanstieg zu leben. Einige Länder haben das 1995 in Kyoto beschlossene Zusatzprotokoll unterschrieben, das stärkere und rechtlich verbindliche Schritte vorsieht, um den Klimawandel aufzuhalten.

Christiana Figueres räumt “politische Lücken” ein, die zwischen den Teilnehmern der Konferenz überbrückt werden müssten. Diese konzentrieren sich auf die Frage verringerter Treibhausgas-Emmissionen, die Entscheidung über die Zeit nach Ablauf des Kyoto-Protokolls, die Verankerung der vielen nationalen Ziele und Aktivitäten und besonders die Verpflichtungen der Industrieländer.

Kein fertiges Abkommen, aber ausgewogenes Maßnahmepaket ist derzeit drin

Während sie in Cancun keine Wunderdinge in Form eines kompletten Abkommens erwarte, warnte die UNO-Klimachefin jedoch davor, dass zu viel auf dem Spiel stünde, wenn die Welt nicht unter einer Temperatursteigerung von maximal zwei Grad Celsius bliebe.

Das UNO-Klimasekretariat hofft, in Mexiko ein ausgewogenes Paket von Entscheidungen zu schnüren, das die Abstimmung und Anpassung der Maßnahmen, die Belange der Forstwirtschaft sowie die technologischen Zusammenarbeit umfasst. Um das zu erreichen, müsste jegliches Abkommen sowohl auf die Treibhausgasreduzierung in den Industrieländern als auch in jenen Entwicklungsländern eingehen, die bereits derartige Absichten auf den Tisch gelegt haben. Weiterhin müssten Lösungsvorschläge zur Zukunft des Kyoto-Protokolls hinzugepackt und die nächsten Schritte zur langfristigen Finanzierung eines ausgebremsten Klimawandels festgelegt werden.

In Cancun wird kein Vertrag zur Bekämpfung des Klimawandels herauskommen, der das gesamte Problem lösen kann, vermutet Christiana Figueres realistisch. „Aber es kann ein neues Verhandlungstempo angeschlagen werden, bei dem die Regierungen Jahr für Jahr bessere Abkommen treffen, die neue Möglichkeiten nicht ausschließen und bestehende Notwendigkeiten für die Zukunft nicht ignorieren“, sagte sie.

Politisches Klima in den USA könnte Klima-Verhandlungen in Cancun erschweren

Wenn der Klimawechsel die größte Langzeit-Herausforderung der Menschheit ist, so ist er laut Figueres auch ihre größte Chance. „Es ist die nachhaltige und zunehmend ambitionierte langfristige Reaktion auf den Klimawandel, die ein erfolgreiches Reagieren auf andere große politische, ökonomische und soziale Veränderungen ermöglicht, denen alle Nationen gegenüber stehen“.

Angesichts der jüngsten Wahlergebnisse in den USA werden die Resultate – so denn überhaupt welche in Cancun erzielt werden – eher bescheiden ausfallen. Die Vision weltweit reduzierter Treibhausgase brachte US-Präsident Obama vor Kopenhagen 2009 noch viel internationale Anerkennung als klimapolitischer Hoffnungsträger ein. Doch das Ziel rückt ferner denn je: Amerikas Senat will selbst einem moderaten Folgeabkommen zum Kyoto-Protokoll nicht zustimmen, um der schwächelnden Wirtschaft nicht noch weiteren Dampf abzudrehen. Nun fürchtet der Rest der Welt um Obamas Kurs, der vielleicht in Cancun ein wenig klarer wird.

Der Autor an der UNO-Mission in Sierra Leone, Foto: UNIOSIL

Christian Holger Strohmann - Mehr als 20 Jahre lang habe ich für die Vereinten Nationen (United Nations Organisation - UNO) auf allen Kontinenten als Journalist, ...

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