"Man sieht nur mit dem Herzen gut." Dieser Satz von Saint-Exupéry steht in französischer Sprache auf einer kleinen Marmortafel auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise. Es ist der wohl berühmteste Satz aus dem "Kleinen Prinzen" und es ist in jeder Lebenssituation gut, zumindest ein wenig auch mit dem Herzen zu sehen. Um wieviel mehr gilt das für den Tod. Der Tod macht sprachlos. Nicht nur am Totensonntag oder Volkstrauertag. Und so fällt es den meisten Menschen extrem schwer, die richtigen Worte zu finden, wenn ein anderer Mensch gestorben ist. Sei es mit einer Karte, einem Brief oder gar einer Rede.

Trauersprüche oft ein Ausdruck von Hilflosigkeit - Trauerkarten mit Rosen und Engelfiguren

Oft ist der Griff zur vorgedruckten Karte mit abgedroschen wirkenden Trauersprüchen ein Ausdruck von Hilflosigkeit. Man greift zu einem in Grau-Schwarz-Silber gehaltenen Pappding, auf dem so sinnige Worte wie "Ein letzter Gruß" oder "In stillem Gedenken" zu lesen sind. Wer jetzt auf der Innenseite nur noch Manfred Mustermann oder Familie Fälltmirnixein dazu setzt, stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus. Wenn Sie schon vorgedruckte Karten nehmen wollen, geben Sie etwas mehr Geld aus. Inzwischen gibt es fotografisch sehr ansprechende Karten, die Engelfiguren zeigen oder welkende Rosen. Natürlich ist der Übergang zum Kitsch fließend. Suchen Sie eine Karte aus, die Sie selbst berührt, die Ihnen gefällt.

Kurzbrief statt Mail, mit Tinte stilvoll und mit Wertschätzung auf Leinen und Büttenpapier geschrieben

Briefe sind im Mailzeitalter aus der Mode gekommen. Aber gerade Worte, die einem Menschen im wahrsten Sinne des Wortes nachgesagt werden, findet oft einen dauerhaften Ort in den Schubladen der Angehörigen. Wenn sie gut sind. Schon die äußere Form ist ein Zeichen der Wertschätzung. Schreiben Sie ausnahmsweise nicht mit dem PC und verzichten Sie auf das dünne Kopierpapier, auf dem Sie vielleicht normalerweise Ihre Post ausdrucken.

Ein Leinen- oder Büttenbogen, mit Tinte beschriftet, kann wie ein letztes Geschenk sein. Nutzen Sie Gestaltungsmöglichkeiten - es gibt viele schöne Ideen. Schreiben Sie ruhig großzügig, mit großer Schrift, so dass der Bogen sich füllt. Es braucht kein Roman zu werden. So wie im Aquarell weiße Flächen das Bild atmen lassen, so lassen sie auch im Trauerbrief Raum für die Gedanken des Angehörigen.

Lassen Sie den Umschlag auf keinen Fall in der Hauspost ihrer Firma durch die Frankiermaschine laufen. Suchen Sie eine schöne Sondermarke aus.

Zitate und Gedichte - im Internet nach Trauersprüchen suchen oder eigene Gedichte schreiben

Ein Zitat darf sein, ein Gedicht ebenso. Aber nicht irgendeines, das so abgegriffen ist, dass es nicht länger anrühren kann. Vielleicht finden Sie im Internet gute und eben nicht abgedroschene Sprüche für den Todesfall, die Ihnen passend erscheinen - manchmal genügt sogar ein Auszug daraus. Setzen Sie den Verfasser in kleiner Schrift oder in Klammern darunter. Das gibt dem Zitat mehr Gewicht.

Zumutung? Beileidsbekundung mit selbst geschriebenem Gedicht mit Vorsicht verwenden

Wenn Sie selbst gern dichten, seien sie vorsichtig. Ein kurzes Gedicht, ergänzt um Worte in Prosa, kann wirkungs- und stimmungsvoll sein. Je länger es wird, desto leichter wird es schwülstig und damit eine Zumutung für den Empfänger. Gerade bei Trauerbriefen ist weniger oft mehr. Das Wenige jedoch sollte echt sein.

Trauer und Mitgefühl - Empfindungen und Gefühle formulieren beim Tod eines nahe stehenden Menschen

Was bewegte Sie, als Sie vom Tod gerade dieses Menschen erfuhren? Welche Erinnerungen verbinden Sie mit ihm? In welcher Beziehung standen Sie? Vielleicht haben Sie ein schönes Foto, das Sie mit dem Verstorbenen zeigt und das Sie beifügen können. Seien Sie ehrlich. Wenn Sie kaum wissen, was Sie sagen sollen, beschreiben Sie ruhig, was in Ihnen vorgeht. Ist es die Angst vor dem eigenen Tod? Wie menschlich! Ist es das Gefühl, dem Toten etwas schuldig geblieben zu sein? Sprechen Sie es aus. Schreiben Sie mit Anstand und Respekt, persönlich und natürlich und versuchen Sie, nicht zu viele Worte zu machen.

Wichtig ist, dass der Angehörige das Gefühl hat, Sie erledigen mit Ihrer Trauerpost keine lästige Pflicht, sondern Sie trauern ein wenig mit und verstehen, was der Verlust eines geliebten Menschen für den bedeutet, der zurück geblieben ist. Ganz besonders schwierig ist das im Fall von Selbstmord oder Suizid. Wenn ein Mensch freiwillig aus dem Leben scheidet, ist das für die Angehörigen oft viel schlimmer als bei einem natürlichen Tod. Und doch kann auch dieser Schritt seine Berechtigung haben.

In Trauer allein zurück geblieben - sensibles Gedicht von Mascha Kaleko

Mascha Kaleko hat ein Gedicht geschrieben, das wunderbar sensibel beschreibt, was in denen vorgehen mag, die zurück bleiben. Hier ein Auszug:

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;

Und die es trugen, mögen mir vergeben.

Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,

doch mit dem Tod der andern muss man leben.