
- Dr. Walter Fiala - privat
Es begann 1969: Im Jahr der ersten bemannten Mondlandung wurde im Spätherbst von der Steirischen Akademie für Allgemeinmedizin zum ersten Kongress für Allgemeinmedizin in der Grazer Stadthalle geladen. 2009 feiert die Fortbildungsveranstaltung, die alljährlich von ca. 1.000 Teilnehmern – Ärzten und Mitarbeitern - besucht wird, ihr 40jähriges Jubiläum. Kongressleiter ist seit 21 Jahren Dr. Walter Fiala. Der engagierte Allgemeinmediziner mit Praxis in Graz-Geidorf bezeichnet die 40jährige Tradition der Tagung in unserer heutigen schnelllebigen Zeit als „durchaus bemerkenswert“.
Erfolg des Kongresses für Allgemeinmedizin in Graz
Für Dr. Wolfgang Routil, Präsident der Steirischen Ärztekammer, ist das Besondere am Grazer Kongress für Allgemeinmedizin das Format der Fortbildung, welches wie kein anderes in Österreich auf die spezifische Funktion des Allgemeinmediziners zugeschnitten ist und daher den ganzheitlichen Aspekt des kranken Menschen und die Salutogenese in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt. „Das erklärt auch den Erfolg des Kongresses!“, betont der ärztliche Standesvertreter: „Die Teilnehmer fühlen sich in ihrer ureigensten Aufgabe als Allgemeinmediziner angesprochen.“
Auch Dr. Erwin Rebhandl, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM), weiß um den hohen Stellenwert des größten Kongresses für Allgemeinmedizin in Österreich für die regelmäßige Fortbildung der Kollegenschaft. „Ich bin selbst seit ich in der Praxis bin regelmäßiger Teilnehmer und seit vielen Jahren auch immer wieder als Vortragender und Vorsitzender eingeladen“, hält er fest.
Veränderungen im Arztberuf
Der Jubiläumskongress 2009 wollte nicht nur einen Rückblick auf die eigene Geschichte ermöglichen, sondern vor allem auch auf 40 Jahre Allgemeinmedizin: Was hat sich in den letzten vier Jahrzehnten auf den für die Kollegenschaft und ihre Patienten so wichtigen Gebieten der Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Orthopädie, Onkologie und der Behandlung psychischer Krankheitsbilder getan?. Wie hat sich das Berufsbild des Allgemeinmediziners verändert? Wird dem Tempo der Veränderungen Tribut gehalten? Auch ein Blick auf die Zukunft soll geboten werden.
Die Veränderungen im Arztberuf waren in den vergangenen 40 Jahren enorm. „Die praktischen Ärzte hatten Ende der 1960er Jahre sehr wenig technische Ausstattung, ihre Tätigkeit war stark auf die persönliche Beziehung, die rein klinische Untersuchung ausgerichtet“, bringt Rebhandl ein Beispiel. „Das ist durchaus positiv zu sehen, was jedoch fehlte waren Untersuchungsmöglichkeiten wie EKG, Spirometrie, u.ä.m., die heute in einer gut geführten Allgemeinpraxis selbstverständlich sind...“
Imagewandel bei Allgemeinmedizinern
Auch der Imagewandel war in den vergangenen vier Jahrzehnten gewaltig: „Vor 40 Jahren war der Allgemeinmediziner in den Augen der ,anderen Medizin’, manchmal auch in den Augen der Öffentlichkeit, einer der von überall ein bisschen können sollte, und dann weiter zuweisen muss an den, der es besser kann, den Facharzt“, resümiert Fiala. „Inzwischen wissen wir, dass wir Allgemeinärzte eine ganz eigenständige Medizin betreiben, die sich am Längsschnitt eines Patienten orientiert, an seinem Lebensverlauf. Es ist eine begleitende, eine steuernde, eine Gesundheitsbildende, eine vorsorgende Medizin.“
Sowohl Fiala als auch Routil betonen, dass die Zukunft – wie in vielen Ländern Europas – in daher für Österreich endlich den Facharzt für Allgemeinmedizin bringen muss. „Für unsere gesamte Berufsgruppe ist der Grazer Kongress für Allgemeinmedizin in diesem Sinne ein unverzichtbarer Fachkongress!“, sagt Routil.
Fortbildung Arzthelferinnen
Gewandelt hat sich seit Ende der 1960er Jahre nicht nur das Berufsbild der Ärzte, sondern auch jenes der Arzthelferinnen. „Früher waren es hauptsächlich die Arztfrauen, die in der Praxis mitgeholfen haben. Zum Teil hatten sie eine Ausbildung z.B. im Pflegebereich, zum Teil hatten sie keine“, schildert Rebhandl, der beim heurigen Jubiläumskongress einen Vortrag zum Thema „Beruf der Arzthelferin im Wandel der Zeit“ hielt. Seit 1961 gebe es zwar eine Ausbildung zur Ordinationsgehilfin. An dieser habe sich jedoch bis heute leider nichts verändert. „Das ist ein Problem insofern, als eine Arzthelferin heute wesentlich höherwertige Aufgaben zu erfüllen hat, als vor 40 Jahren“, gibt Rebhandl zu bedenken. „Sie muss heute im administrativen Bereich mit EDV umgehen und die Praxis managen können; und sie braucht Fertigkeiten als medizinische Assistentin für den Arzt, um ihm zum Beispiel eine Spirometrie, ein EKG, ein physikalische Therapie abnehmen zu können.“ Umso mehr weiß Rebhandl das umfangreiche Fortbildungsangebot für Mitarbeiter am Grazer Kongress für Allgemeinmedizin zu schätzen, das in Österreich einzigartig ist.
Zukunftsvisionen Kongress für Allgemeinmedizin in Graz
Der ÖGAM-Präsident ist sich sicher, dass der Kongress in den nächsten Jahren in gewohnter Form und gewohnt erfolgreich weiterlaufen wird, zumal die Kollegen von der Steirischen Akademie für Allgemeinmedizin ständig bemüht sind, die Fortbildungsveranstaltung weiter zu entwickeln und zu verbessern: „Damit ist sie immer den Bedürfnissen der Zeit angepasst!“ lobt Rebhandl. Kongressleiter Fiala möchte sich im Namen des Kongresskomitees auch bei allen Sponsoren, Inserenten und Ausstellern und nicht zuletzt den Teilnehmern bedanken, die ermöglicht haben, dass das Kind „Kongress für Allgemeinmedizin“ 40 Jahre alt werden durfte.
