Konjunkturelle Arbeitslosigkeit - Definition und Gegenmaßnahmen

Arbeitsagenturen können Arbeitslosigkeit verkürzen - Arbeitsagentur
Arbeitsagenturen können Arbeitslosigkeit verkürzen - Arbeitsagentur
Müssen Unternehmen ihre Mitarbeiter aufgrund eines Wirtschaftsabschwungs entlassen, spricht man von konjunktureller Arbeitslosigkeit.

Die konjunkturelle Arbeitslosigkeit ist auf die Differenz von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zurückzuführen. Der Personalbedarf der Unternehmen steigt während eines Wirtschaftsaufschwungs, damit die Produktion mit der steigenden Nachfrage Schritt halten kann. Sobald die Konjunktur nachlässt, nimmt er wieder ab. Dann können die Unternehmen keine neuen Stellen schaffen und müssen sich, aus Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten, sogar von Mitarbeitern trennen und die Produktion herunterfahren. Die betroffenen Arbeitnehmer finden aber in der Regel wieder eine Stelle, sobald die Konjunktur erneut anzieht. Geschieht dies nicht, weil zum Beispiel das Vorkrisenniveau nicht erreicht werden kann, wird es problematisch. Dann kann sich die konjunkturelle Arbeitslosigkeit von einem kurz- oder mittelfristigen, zu einem langfristigen Problem auswachsen. Sie ist neben der strukturellen und technologischen Arbeitslosigkeit eine der am weitesten verbreiteten Arten der Arbeitslosigkeit in Deutschland.

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen gegen konjunkturelle Arbeitslosigkeit

Zur Bekämpfung konjunktureller Arbeitslosigkeit können zum Beispiel folgende Maßnahmen eingesetzt werden, die meist aber nur kurzfristig wirken:

  • Konjunkturpolitik des Staates – Maßnahmen, um eine hohe Produktionsauslastung, ein stabiles Preisniveau sowie eine stetige Nachfrage zu erreichen und zu erhalten. Hierzu zählen zum Beispiel die Konjunkturpakete des Staates und die Abwrackprämie während der Finanzkrise ab 2007.
  • antizyklische Finanzpolitik nach Keynes – Steuer- und Abgabensenkungen während der Rezession helfen, die Binnennachfrage zu steigern. Während des Booms steigen Steuern und Abgaben wieder, um die Defizite aus der Rezession auszugleichen und Rücklagen zu bilden. Der Staat verhält sich also entgegengesetzt zur Wirtschaft. Er investiert während der Rezession und lässt während eines Booms den Markt sich selbst regeln.
  • geldpolitische Instrumente der Europäischen Zentralbank (EZB) – durch die Senkung der Zinssätze während der Rezession können Unternehmen weiter investieren. Die Änderung der Geldmenge (Inflation / Deflation) wirkt sich auf das Konsumverhalten der Bevölkerung aus und kann die Konkurrenzfähigkeit inländischer Produkte auf dem internationalen Markt steigern.
  • Kurzarbeitergeld – müssen Unternehmen die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter aufgrund konjunktureller Probleme reduzieren, zahlt der Staat einen Zuschuss, um Arbeitsplätze und Nachfrage zu erhalten.
  • Staatsaufträge – um die Wirtschaft zu stärken, vergibt der Staat zum Beispiel Bauaufträge an Unternehmen.
  • Lohnverzicht der Arbeitnehmer – durch sinkende Lohnkosten werden inländische Unternehmen gegenüber ausländischen Produzenten wieder konkurrenzfähiger.

Im Gegensatz zu den Keynesianisten sehen die Neoklassiker, zu denen etwa die Monetaristen gehören, das Problem der konjunkturellen Arbeitslosigkeit eher im hohen Lohnniveau und der fehlenden Flexibilität des Arbeitsmarktes, als auch in ungünstigen Investitionsbedingungen, die es zu verbessern gilt.

Unterteilung konjunktureller Arbeitslosigkeit

Konjunkturelle Arbeitslosigkeit lässt sich in hausgemachte und nicht hausgemachte Arbeitslosigkeit unterteilen. Unter hausgemachter Arbeitslosigkeit versteht man das Nachlassen der Binnennachfrage. Dies geschieht zum Beispiel aufgrund steigender Steuersätze und Energiekosten, welche die Reallöhne drücken. Nicht hausgemachte Arbeitslosigkeit entsteht, wenn im Ausland weniger inländische Produkte nachgefragt werden. Aber auch, wenn Inländer mehr Produkte aus dem Ausland nachfragen und die inländischen Produkte dadurch ersetzen.

Weitere Informationen zum Thema:

Arten der Arbeitslosigkeit - Definition und Überblick

Quellen:

Katrin Alisch, Eggert Winter, Ute Arentzen: Gabler Wirtschaftslexikon. Gabler Verlag, 2004. Taschenbuch, 3478 Seiten. Euro 179.

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Sebastian Haberland - Ich wurde 1986 in Mannheim geboren und bin gelernter Industriekaufmann. Bereits in der Grundschule galt meine Leidenschaft dem Lesen ...

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