
- Arbeitslosigkeit - Stefan Dassler
Generell werden bei schlechter wirtschaftlicher Lage weniger Arbeitskräfte gebraucht (konjunkturelle Arbeitslosigkeit). Wenn sich jemand auf eine Stellenanzeige hin bewirbt, kann es sein, dass es Unterschiede zwischen den Merkmalen des Bewerbers (etwa ausgebildete Bäckereifachverkäuferin) und den Anforderungen der Stellenanzeige (etwa Verkäufer in einem Elektronikmarkt mit Branchenerfahrung) gibt. Hier spricht man von merkmalsstruktureller Arbeitslosigkeit.
Arbeitsblatt Konjunkturelle Arbeitslosigkeit
Nachfolgende Übersicht lässt vermuten, dass die Zahl der Arbeitsplätze in Deutschland von der jeweiligen wirtschaftlichen Lage (Konjunktur) abhängt:
1993: Wirtschaftswachstum -0,5 Prozent; Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze -504.000
1994: Wirtschaftswachstum +2,7 Prozent; Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze -39.000
1996: Wirtschaftswachstum +1,0 Prozent; Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze -103.000
1998: Wirtschaftswachstum +2,0 Prozent; Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze +448.000
2000: Wirtschaftswachstum +3,2 Prozent; Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze +720.000
2003: Wirtschaftswachstum -0,2 Prozent; Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze -374.000
2005: Wirtschaftswachstum +1,6 Prozent; Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze +146.000
2006: Wirtschaftswachstum +1,7 Prozent; Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze +216.000
(Quelle: Statistisches Bundesamt)
Tipps
Wenn es Unternehmen schlecht geht, entlassen sie in der Regel zuerst die Jüngeren. Was kann man als Einzelner gegen konjunkturelle Arbeitslosigkeit tun? Letztlich müssen in diesem Fall die Politiker handeln. Aber damit die Politiker etwas tun, ist es sinnvoll, sich an Unterschriftensammlungen für staatliche Konjunkturprogramme zu beteiligen oder einen entsprechenden Brief an den zuständigen Bundestagsabgeordneten zu schreiben. Auch kann man Leserbriefe für die jeweilige Regionalzeitung verfassen.
Aufgaben zur konjunkturellen Arbeitslosigkeit
1. Sammle Zeitungsartikel von verschiedenen Zeitungen zu dem Zusammenhang von Konjunktur und Arbeitskräften und vergleiche die Artikel miteinander.
2. Verfasst in Kleingruppenarbeit einen Brief an euren Bundestagsabgeordneten. Schlagt Maßnahmen vor, die die Regierung ergreifen könnte, um der konjunkturellen Arbeitslosigkeit zu begegnen. Überlegt euch eine gute Argumentation.
Arbeitsblatt Merkmalsstrukturelle Arbeitslosigkeit
Zu merkmalstruktureller Arbeitslosigkeit kommt es, wenn die Merkmale/Anforderungen einer Stellenanzeige und die Merkmale eines Bewerberprofils unterschiedlich sind. Das ist der Fall, wenn ein Schulabgänger nicht die Voraussetzungen für ein bestimmtes Ausbildungsplatzangebot erfüllt.
Stellenanzeige
Wir sind:
Ein Unternehmen der Informationstechnologiebranche. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Firmenhomepage www.brueckner-koeln.de
Wir suchen:
Zwei Auszubildende zum Bürokaufmann/-frau zum 1. September 2011
Ihre Aufgaben:
Vornahme von Bestellungen, Büromaterialmanagement, Rechnungsprüfung, Terminmanagement, allgemeine Sachbearbeitungsaufgaben, Mitarbeit am Empfang und in der Telefonzentrale.
Ihr Profil:
Sie sollten Abitur besitzen und einen guten Notendurchschnitt in den Fächern Deutsch und Englisch haben. Zudem bringen Sie Spaß am Umgang mit Menschen, Eigeninitiative und Teamgeist mit.
Bitte senden Sie Ihre Bewerbung per Post oder per E-Mail an: Brückner GmbH, Ostpark 123, 50670 Köln; Tel. 0221- 123456; E-Mail: personal@brueckner.com.
Bewerbungsschreiben – Bewerberprofil
Matthias Will Köln, 12. Juni 2011
Kirchgasse 123
50670 Köln
Tel. 0221-987654
E-Mail: m.will@web.de
Brückner GmbH
Ostpark 123
50670 Köln
Tel. 0221-123456
E-Mail: personal@brueckner.com
Ihr Ausbildungsplatzangebot im Kölner Anzeiger vom 10. Juni 2011
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige im Kölner Anzeiger für einen Ausbildungsplatz zum Bürokaufmann zum 1. September 2011 gelesen.
Im Juni dieses Jahres werde ich die Realschule in Köln mit dem Mittleren Schulabschluss verlassen. Die weniger guten Noten in Deutsch und Englisch gleiche ich mit guten Bewertungen in Mathematik und Physik aus.
Bisher habe ich Praktika in einem Fotogeschäft, im Kindergarten und bei Gericht absolviert und konnte in diesen Bereichen erste Arbeitserfahrungen sammeln. Meine Hobbys sind Tennis (im Verein), alleine Spazierengehen und Lesen.
Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch würde ich mich freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Matthias Will
Wie unterscheiden sich die Merkmale der Stellenanzeige und die Merkmale des Bewerberprofils?
Zunächst ist in der Stellenanzeige als Voraussetzung Abitur und ein guter Notendurchschnitt in Deutsch und Englisch genannt. Der Bewerber hat Realschulabschluss und weniger gute Noten in Deutsch und Englisch. Bei den Aufgaben als Bürokaufmann dominieren Einkauf/Bestellungen, Buchhaltung/Rechnungen und Sekretariat/Terminverwaltung. Der Bewerber hat keine Praktikumserfahrungen in diesen Bereichen. Das Ausbildungsunternehmen wünscht sich Teamgeist und Freude am Umgang mit
Menschen. Die Hobbys des Bewerbers könnten eher auf einen „Einzelkämpfer“ hindeuten – Einzelsportart Tennis und alleine Spazierengehen.
Tipps
Es gibt verschiedene Ursachen für merkmalsstrukturelle Arbeitslosigkeit, etwa wenn Schulabgänger nicht den vom Ausbildungsbetrieb gewünschten Schulabschluss vorweisen können. Informiere dich bei der Berufsberatung deiner Agentur für Arbeit über das Nachholen von Schulabschlüssen (Hauptschulabschluss, Mittlere Reife, Abitur). Eine weitere Ursache nach Abschluss der Berufsausbildung kann sein: Der Bewerber hat nicht den vom neuen Arbeitgeber gewünschten Beruf erlernt. Hier bietet sich eine von der Agentur für Arbeit geförderte Umschulung zu dem gewünschten Beruf oder eine Weiterbildungsmaßnahme an.
Aufgaben zur merkmalsstrukturellen Arbeitslosigkeit
1. Bildet Kleingruppen. Sucht euch jeweils eine Stellenanzeige in einer Zeitung aus. Schreibt nun zum einen eine Bewerbung, deren Merkmale sich mit den Merkmalen der Stellenanzeige decken. Entwerft zum anderen ein Bewerbungsschreiben, in dem die Merkmale nicht ganz zur Stellenanzeige passen und es dementsprechend zu merkmalsstruktureller Arbeitslosigkeit kommen kann.
2. Wie kann merkmalstrukturelle Arbeitslosigkeit verhindert werden?
Literaturtipp:
Stefan Dassler: Kein Job in Sicht? Informationen, Strategien, Perspektiven. Materialien für Jugendliche. Verlag an der Ruhr 2010. 123 Seiten. Euro 20,90.
