Konstanzer Stadtgeschichte

Das Schnetztor und die „Imperia“

Die Liste der Sehenswürdigkeiten von Konstanz ist lang. Besonders stechen aber das alte Schnetztor und die im Jahre 1993 erbaute „Imperia" hervor.

Die ersten Schriftstücke die von der Existenz der Stadt Konstanz berichten, stammen aus dem Jahre 500 nach Christi. Seit der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts ist die Existenz von Konstanz auch schriftlich belegt. Zu dieser Zeit war Konstanz Bischofssitz und aus den Lebensberichten des heiligen Gallus geht hervor, wie groß Konstanz war und das ist ein Beleg für die Existenz dieser Stadt.

Konstanz hat sehr viele Sehenswürdigkeiten. In diesem Text geht es um zwei Wahrzeichen Konstanz, die das Stadtbild prägen und ganz unterschiedliche. Eine sehr lange Geschichte hat auch das Schnetztor, welches der frühere Südeingang in die Stadt war.

Das Schnetztor – der südliche Haupteingang in die Stadt

Konstanz war im späten Mittelalter von einer Stadtmauer umgeben, die erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1255 erwähnt wird. 27 Türme und Tore soll diese Mauer gehabt haben, von der heute fast nichts mehr zu sehen ist. Doch einer der wichtigsten Türme, erbaut im 14. Jahrhundert, auf der Südseite der Stadt, ist erhalten geblieben. Dieser Turm mit Tor ist heute bekannt als das Schnetztor. Es markiert den alten Weg der Hauptstraße, die es seit der Römerzeit gegeben hat.

Heute ist das Schnetztor der Eingang in die Fußgängerzone von Konstanz.

Die Geschichte des Schnetztores

1437 wird erstmals ein Turmwächter erwähnt, der für das Schnetztor zuständig war. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde auf dem Schnetztor ein Dachreiter mit zwei Glocken erbaut: eine Zeit- oder Stundenglocke und eine zweite, die „Armsünder-„ oder „Diebesglocke“, die vom Turmwächter geläutet wurde, wenn Verurteilte ihren letzten Weg durch die Stadt gingen. 1459 wurde dann ein weiteres, mit Stadtwappen geschmücktes Tor vor das Schnetztor gebaut, so dass eine Art Zwinger entstand, der bis heute erhalten ist.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts erkannten die Räte der Stadt den Wert der noch erhaltenen mittelalterlichen Bauten der Stadt und bemühten sich, die historische Front des Schnetztors zu erhalten.

Um die Einmaligkeit des Schnetztors nicht zu gefährden, gab es die Bestimmung, dass das benachbarte neu erbaute Gebäude nicht höher sein durfte als das Schnetztor und zu dem den Stil des Schnetztors übernehmen sollte. Noch heute kann man auf der rechten Seite des Schnetztors 100 Meter der ursprünglichen Stadtmauer sehen, die seit 1982 wieder freigelegt worden ist.

Die Imperia – eine umstrittene Hafenstatue

Die Imperia prägt das Stadtbild von Konstanz ebenso wie das Schnetztor. Am 24. April 1993 wurde sie mit einem Volksfest begrüßt und an der Hafeneinfahrt aufgestellt. Sie ist neun Meter hoch und wiegt 18 Tonnen und steht auf einem Drehkranz, der sie im Dreieinhalb-Minuten-Takt rotieren lässt. Ihre Arme sind weit ausgebreitet und auf ihren Händen trägt sie zwei zwergenhafte fast nackte Gaukler-Figuren mit strengen Gesichtern, sie sollen die Insignien der weltlichen und geistigen Macht darstellen.

Die Geschichte der Imperia

Die Imperia wurde von dem berühmten Bildhauer Peter Lenk erbaut und hat schon vor ihrer Entstehung für Schlagzeilen gesorgt. Bereits im Jahre 1991 erhielt Peter Lenk den Auftrag, die Imperia zu erschaffen. Die Kunstwerke des Künstlers treffen oft auf Empörung, da er gerne mit der Ironie arbeitet. 1993 wurde die Imperia zum Stadtgespräch, der Künstler wollte, dass die Figur vor der Enthüllung eine Überraschung bleibe und so wurde das Aussehen der Figur geheim gehalten. was für viele Spekulationen sorgte. Der Gemeinderat zweifelte an der Aufstellung der Figur, weil sie vielleicht das Stadtbild negativ beeinflussen könnte. Ablehnung und Zustimmung für diese Figur hielten sich die Waage. Spekulationen über aussehen und Standort der Figur entbrannten. Schließlich sollte sie trotz einiger Bedenken des Landesdenkmalamtes, welches befürchtete, dass die moderne Kunst sich negativ auf die Denkmäler der Stadt auswirken könnte, an der Hafenmole aufgestellt werden.

Auch der Gemeinderat war anfangs gegen die Aufstellung von Lenks Figur und erklärte die Imperia zur „unerwünschten Person“, heute hat sich die Aufregung um die Statue beruhigt.

Wie die Imperia zu ihrem Namen kam

Peter Lenk hat seiner Figur den Namen Imperia gegeben. Damit hat er einen sehr langen historischen Bogen zum Konstanzer Konzil von 1414-1418 geschlagen. Bereits der Dichter Honoré de Balzac machte die Imperia zu einer literarischen Figur. Er ließ die Imperia als Kurtisane während der turbulenten Konstanzer Konziltage, den geistlichen Würdenträgern den Kopf verdrehen. Aber nicht nur das, es gab sie wirklich, sie war eine dichtenden römische Kurtisane, die angeblich von 1455 bis 1511 lebte. Andere Quellen berichten, dass sie nur 26 Jahre alt geworden sei. Sie soll ein Sinnbild der Weiblichkeit sein.

Quellenangaben:

Berthold Schlegel: Imperia – Hafen Konstanz. Verlag Stadler, Konstanz (1994)

Daniel Groß: Erinnerungen an Konstanz - wie es einmal war. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen (2001)

Ralf Seuffert: Konstanz – 2000 Jahre Geschichte. UVK Verlagsgesellschaft mbh, Konstanz (2003)

Sara Straub, Sara Straub

Sara Straub - Ich habe Sprachwissenschaften, Kunst & Medienwissenschaften und Literaturwissenschaften an der Universität Konstanz studiert und habe ...

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