
- Gesprächsführung will gelernt sein - Gerd Altmann / pixelio.de
Ein wesentlicher Teil des menschlichen Umgangs und Zusammenlebens besteht in wechselseitigen Interaktionen und Informationsaustausch. Als wesentliches Kommunikationsmerkmal gilt die Sprache, obwohl die nonverbalen Signale, also Gesten, Mimik und Körperhaltung, ebenfalls einen höheren Stellenwert besitzen, als allgemein angenommen. Ohne austauschende Gespräche und ohne verbale oder nonverbale Rückmeldung über das eigene Verhalten würde der Mensch in kurzer Zeit verkümmern. Kommunikation ist ein äußerst zentraler Bestandteil des täglichen Lebens. Gespräche können je nach Situation, Umgebung und den beteiligten Personen großen Einfluss auf das psychische und emotionale Befinden des Einzelnen haben. So kann eine klärende Diskussion zweier streitenden Parteien im positiven Fall zu einer Entlastung und einem Abbau des Stresslevels bei den Beteiligten führen.
Nimmt die eine Seite jedoch eine verachtende, ablehnende Haltung ein und ist nicht bereit, sich konstruktiv zu unterhalten, führt das bei der Gegenseite entweder ebenfalls trotzendem Verhalten oder zur Resignation, oftmals in Verbindung mit einer Selbstabwertung. In allen Fällen wirkt sich Kommunikation dementsprechend unmittelbar auf die Stimmung der Beteiligten aus. Zu wissen, wie ein Gespräch auch in einer Konfliktsituation gelingen kann und wie eine effiziente, gerechte Gesprächsführung funktioniert, ist somit von Vorteil.
Was ist wichtig für eine gute Gesprächsführung?
Als Grundlage einer fruchtbaren Diskussion, die von Achtung und Respekt dem Anderen gegenüber geprägt sein sollte, ist das Schaffen von Vertrauen nötig. Was bei eher belanglosem Small Talk kaum eine Rolle spielt, gewinnt bei konfliktbehafteten Gesprächen umso mehr an Bedeutung. Vertrauen lässt sich einerseits durch die Nähe und das Beziehungsverhältnis der Beteiligten untereinander definieren. Es kann aber auch in Unterhaltungen zwischen sich weniger nahe stehenden Personen eine vertrauensvolle Atmosphäre geschaffen werden. Indem die sprachlichen Formulierungen möglichst dem Gesprächspartner angepasst werden, baut sich auf natürliche Weise ein gewisses Vertrauensverhältnis auf.
In einem Gespräch, das von Meinungsverschiedenheiten dominiert wird, ist es zunächst wichtig, dass jeder Beteiligte seine eigene Sichtweise oder Interpretation der Situation präzise schildern kann, ohne unterbrochen zu werden. Ausreichend Zeit muss eingeplant werden, um dem Sprechenden Wertschätzung zu signalisieren und ihm ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Das Beschreiben des persönlichen Blickwinkels lässt sich mithilfe von Beispielen in anschaulicher Sprache unterstützen. Zusätzlich können Vergleiche und Zusammenhänge erwähnt werden, die dem Erzählenden als bedeutsam erscheinen. Die Verwendung kurzer Sätze mit großem Wortschatz erleichtert die Präzisierung. Bezüglich der Sprechdauer gilt der Merksatz: So wenig wie möglich und so viel wie nötig. Denn bereits nach 30 Sekunden lässt bei den Zuhörenden die Aufmerksamkeit allmählich nach.
Bei Bedarf kann der Zuhörer offene Fragen stellen oder Rückmeldungen geben. Mit "Warum"-Fragen lässt sich der Gesprächsverlauf in eine neue Richtung lenken, falls der Erzähler dazu neigt, seine eigenen Aussagen stets als allgemeingültig hinzustellen. Ein Feedback dient dem wechselseitigen Abstimmen aufeinander und der Erzählende spürt, dass der Zuhörende auch wirklich an seinen Aussagen interessiert ist. Eine Rückmeldung gibt in der Ich-Form das wider, was der Zuhörer verstanden hat, ohne dabei wertend zu urteilen. Dadurch wird weiteren Missverständnissen vorgebeugt. Es findet eine Abstimmung dessen, was der Erzähler gemeint hat und dem, was der Zuhörer wahrgenommen hat, statt. Das Ziel besteht demnach für alle Gesprächsteilnehmer darin, ihre Gedanken, Ansichten oder Einstellungen zu kommunizieren und gleichzeitig zu versuchen, die Sichtweisen des Gegenübers zu verstehen. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass die Meinung des Gesprächspartners stets geteilt werden muss, sondern auszuprobieren, die Problemsituation auch einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Das Gesprächsziel im Auge behalten
Falls noch eine gewisse Vorbereitungszeit anfällt, sollte diese Zeit genutzt werden, um die eigenen Ziele zu definieren. Was möchte man für sich persönlich in der folgenden Diskussion bewirken? Könnte das Gespräch als Gelegenheit und Chance dienen, sich weiterzuentwickeln oder um seine Kompetenzen zu erweitern? Oder möchte man etwas Bestimmtes herausfinden? Die wichtigsten Fakten über den zu diskutierenden Konflikt sollten im Vorfeld zusammengetragen werden, sodass ohne heftige emotionale Beteiligung eine sachliche Beurteilung vorgenommen werden kann. Im Gespräch selbst ist mit aufwühlenden Momenten zu rechnen, was eine nüchterne Betrachtung unmöglich machen wird. Der eigene Bezugsrahmen muss ebenfalls geklärt werden. Insbesondere bei bevorstehenden Verhandlungsgesprächen sollte sich jeder Teilnehmer folgende Gedanken gemacht haben: Was wäre das bestmögliche Resultat? Was unterscheidet ein gutes Resultat von einem ungenügenden? Ist ein Kompromiss denkbar und zu welchem wäre ich bereit, zuzustimmen? Was wäre das schlechteste Resultat?
Aktives Zuhören
Im folgenden Gespräch muss von jeder Seite her versucht werden, die andere/-n Person-/en wertschätzend und positiv zu betrachten. Zuhören ist kein passives Aufnehmen, sondern bedingt eine authentische Haltung dem Sprechenden gegenüber sowie Empathiefähigkeit und eigene Beteiligung. Mit aktivem Zuhören wird dem Gegenüber sein Interesse ausgedrückt. Durch Beobachtung der eigenen Körperhaltung und auftauchenden Gefühlen lassen sich manchmal Rückschlüsse auf unausgesprochene Differenzen ziehen, die noch verbalisiert werden sollten. Wiederholter Blickkontakt, zustimmende Gesten und knappe, bestätigende Worte geben dem Sprecher zu spüren, dass ihm aufrichtig zugehört wird. Solange eine Person am Reden ist, wird die eigene Meinung möglichst zurückgehalten. Aktives Mitdenken ist jedoch erlaubt, indem begonnene Gedankengänge des Gegenübers weitergeführt werden und in einem passenden Moment geäußert werden dürfen.
Erscheint eine Äußerung des Gegenübers als unklar, muss nachgefragt werden. Nur so gelangt man zu wahrem Verständnis des Partners und zeigt ihm damit, aufmerksam bei der Sache zu sein. Als Alternative zum simplen Nachfragen kann die Aussage des Gesprächspartners in eigenen Worten wiederholt werden, was aktive Beteiligung signalisiert. Insbesondere bei sensiblen Gesprächsthemen ist eine Menge empathisches Geschick gefragt. Um dem Sprechenden gegenüber sein Verständnis auszudrücken und ihn in seiner offenen Schilderung zu ermutigen, können bewusst dessen Gefühle und Körperhaltung gespiegelt werden.
Literatur und Quellen
- Rogers, Carl R. (1985, 1.Aufl.): Die nicht-direktive Beratung: Counseling and Psychotherapy. Fischer, Frankfurt.
- Schulz von Thun, F. (2002): Miteinander Reden. Rowohlt, Reinbek.
- Watzlawick, P., Jahst, B., Jackson, J. D. (2003): Menschliche Kommunikation. Huber, Bern.
