Kontakt mit benutzten Spritzen - Infektionsgefahr?

Infektionsgefahr durch herumliegende Spritzen? - Muenchener Rundschau
Infektionsgefahr durch herumliegende Spritzen? - Muenchener Rundschau
Herumliegende Spritzen in Parks und auf Spielplätzen sind keine Seltenheit. Bergen diese ein Infektionsrisiko für HIV und Hepatitis? Was tun im Notfall?

Spritzen und Spritzbesteck von intravenös konsumierenden Drogennutzern liegen leider häufig in der Öffentlichkeit herum. An Parkbänken, auf öffentlichen Blumenbeeten und sogar auf Kinderspielplätzen. Das Risiko, dass sich Kinder, Gärtner oder Passanten an diesen Nadeln verletzen können, ist sehr hoch – doch wie hoch ist die Gefahr, sich dadurch mit Hepatitis oder HIV zu infizieren?

Unterschied in den Risiken für eine Übertragung von HIV und Hepatitis

Bei Drogenkonsumenten ist die Prävalenz (Häufigkeit einer Erkrankung) von Hepatitis B und C höher als für HIV. Das resultiert daraus, dass Hepatitis C circa zehnmal leichter und Hepatitis B etwa hundertmal leichter übertragbar ist als HIV. Das HI-Virus ist außerhalb des Körpers in getrocknetem Zustand, wie etwa an der Spitze einer Kanüle relativ kurz infektionsfähig. In der Trockenheit sinkt das Risiko innerhalb weniger Stunden um 90 bis 99 Prozent, sich an dem HI-Virus anzustecken, auch wenn einzelne infektiöse Partikel an der Kanüle noch einige Tage später nachweisbar sind. Hepatitis C ist im getrockneten Zustand noch einige Tage infektiös. Besonders stabil ist Hepatitis B, welches noch Wochen, sogar Monate infektiös sein kann.

In der Allgemeinbevölkerung und unter Drogenkonsumenten sind Hepatitis-Infektionen häufiger vorhanden als eine HIV-Infektion. Auch sind die Hepatitis-Viren leichter über Nadeln übertragbar und in der Umwelt auch bei Austrocknung länger infektiös als die HI-Viren. Besonders gefährlich ist Hepatitis B, wobei hier Vorsorge geleistet werden kann, in dem man sich impfen lässt.

Zu beachten ist hierbei, dass es sich um Infektionsrisiken über Nadelstichverletzungen handelt. Bei sexuellen Handlungen wird das HIV leichter übertragen als das Virus des Hepatitis C, welches sexuell kaum übertragen wird. Hepatitis B-Viren werden sowohl über Nadelstichverletzungen als auch über Geschlechts- beziehungsweise Oralverkehr mit Abstand am leichtesten übertragen.

Was im Notfall zu beachten ist

Hat sich ein Kind oder ein Passant an einer herumliegenden Spritze verletzt, so sollte die Verletzung zunächst überprüft werden. Wenn kein Blut aus der Wunde austritt, so ist die Verletzung relativ oberflächlich. Ist die Wunde tiefer und blutet, so sollte man es bluten lassen, damit die Erreger ausschwemmen. Die Wunde sollte jedoch nicht gequetscht werden, da sonst die Erreger ins Gewebe gedrückt werden könnten. Höchstens leichten Druck umliegend der Wunde ausüben, damit Blut herauskommt. Sobald möglich muss die Wunde mit Wasser und Seife ausgewaschen werden. Noch besser ist, dafür Desinfektionsmittel oder desinfizierende Salbe zu verwenden. Vorsichtig sollte die Spritze aufgehoben werden, um nachzusehen, ob an der Spitze oder an der Kanüle Blut feststellbar ist. In einem gesicherten Behälter sollte die Spritze beziehungsweise das Spritzbesteck zum Arzt mitgenommen werden. Der Arzt sollte unbedingt noch am selben Tag aufgesucht werden, möglichst innerhalb von zwei Stunden nach der Verletzung. Fall der Impfpass in der Nähe ist, sollte er mitgenommen werden.

Zusammenfassung und Ziele in der Aufklärung

Das Risiko, sich an herumliegenden Nadeln mit Krankheiten zu infizieren, ist relativ gering. Jedoch, wie in vielen anderen Bereichen des Lebens auch, besteht hier keine 100-prozentige Garantie. Eine wirksame Prophylaxe – eine Impfung – gibt es gegen die am leichtesten übertragbare Infektion Hepatitis B. Die Gefahr, sich mit HIV zu infizieren, ist laut heutigem Wissensstand über die Eigenschaften der Viren sehr gering, zudem ist eine HIV-Infektion aufgrund solch eines Übertragungsweges nicht bekannt. Verletzte Personen respektive Eltern von verletzten Kindern können somit guten Gewissens beruhigt werden. Eine Hepatitis-C-Infektion durch einen Nadelstich kann nur ein Arzt mit Kontrolluntersuchungen ausschließen oder erkennen.

Um den Menschen, besonders den Eltern, die Angst zu nehmen, muss weiterhin über die riskanten und risikolosen Übertragungswege von HIV und anderen Infektionen aufgeklärt werden. Ferner ist auch die Notwendigkeit von Nachuntersuchungen und Impfungen zu betonen.

Dieser Artikel ersetzt keinen fachlichen Rat durch einen Arzt oder eine Ärztin!

Quellen:

Ärzteblatt.de

Deutsche Aidshilfe

Der HIV-Report

Jana Vogel, Jana Vogel

Jana Vogel - 1985 wurde ich in Berlin-Marzahn geboren, bin jedoch in Sachsen-Anhalt, Oschersleben (Bode), aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach ...

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