
- Prachtstück - Kontaktil
Kontaktil: ein Wort, das noch mit einem Fragezeichen versehen ist? Kontaktil, was ist das? Ein Tiroler Label, eine kleine, feine textile Künstlerwerkstatt in Innsbruck, die es wagt, in einer Zeit des Mainstreams mit originellem kreativem Design dagegen zu halten. Das Team von Kontaktil stand für ein Interview zur Verfügung.
Die Bedeutung des Namens Kontaktil
Der Name besteht aus zwei Worten: "Kontakt" und "taktil". Wer schon ein Kontaktil-Produkt besitzt, wird ahnen, wohin das zielt. Ein Beispiel: Sieht man die Zeichnung und die Worte "Tiroler Prachtstück" am T-Shirt seines Gegenübers, ziehen sich beim Betrachter unweigerlich die Mundwinkel hoch. So kommen Träger und Betrachter locker miteinander ins Gespräch – in Kontakt. Viele der Aufdrucke, wie Steinbockhörner oder Libellenflügel, laden zusätzlich zum Betasten, zum "Begreifen" ein, so kommt das taktile Element (lateinisch: tangere = berühren) dazu. Ein gut gewählter Name für Produkte, bei denen das textile Untergrundmaterial quasi als Zeichenblatt dient.
Wer steht hinter der Tiroler Marke Kontaktil?
Viola Hofer, die schöpferische Seele des Ganzen, ihre Schwester Julia Hofer und der Partner für alle Lebenslagen, Thomas Wanner.
- Viola, ausgebildete Textildesignerin (Universität Mozarteum Salzburg und University of New South Wales Sydney/Australien) ergeht sich ihre Motive in den Tiroler Bergen, "ihrem Freiluftatelier". "Hier wachsen und gedeihen die Ideen", wie sie mit einem Augenzwinkern formuliert. Dann wird getüftelt, für welche Produkte sich das Motiv eignet oder welche neuen Produkte kreiert werden sollen. In Folge wird eine Kleinserie gedruckt, genäht, gefilzt, auf Tauglichkeit getestet.
- Julia Hofer leitet die Logistik und den Vertrieb sowie den Herstellungsprozess der Produkte. Seit 2011 betreut sie zudem die Website und Online-Anfragen.
- Thomas Wanner koordiniert die Entwicklung des Labels und ist an der Produktentwicklung beteiligt. An der Fertigung der Produkte wird in der eigenen Werkstatt gemeinsam gearbeitet.
Wie entstand die Idee für eine eigene Werkstatt von speziellen Textil-Produkten?
Mag. Viola Hofer absolvierte das Studium in Salzburg und ging anschließend nach Sydney (Australien). Bereits während dieser Zeit fertigte sie in kleiner Stückzahl "am Küchentisch" gefilzte und bedruckte textile Produkte, die sie, wie ihre australischen Kollegen, auf Märkten anbot. Ermutigt durch die Unbekümmertheit der anderen Studenten – es einfach zu wagen – setzte sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Sie gründete 2004 Kontaktil und entwirft und fertigt seither dafür Wohnraumtextilien, Stoffmuster und textile Feinheiten.
Was gibt es unter der Marke Kontaktil?
Am bekanntesten sind sicherlich die T-Shirts mit den originellen Zeichnungen und humorvoll passenden Texten. Der König des Waldes, der Hirsch als "Tiroler Prachtstück“, das geerdete Grauvieh "robust, langlebig, gutmütig“ oder das jedem Paten zu empfehlende Mitbringsel fürs Baby "der Tiroler Frischling“, all dies ist sowohl erdig tirolerisch, aber nicht angestaubt, sondern herzerfrischend frech ohne ins Modische abzugleiten. In ihrer außergewöhnlichen Formensprache finden sich die Motive auf ihren Stoffen wieder; übrigens auch ohne Tirol- Bezug erhältlich.
Viele nützliche oder witzige Kleinigkeiten: Schlüsselanhänger, Brillenetui, Buchschoner, Untersetzer, sogar Seife in Filz eingekleidet, wie ein Stein gestaltet, findet der Kunde. Immer ist den Produkten etwas ganz Spezielles eigen; so sind die Untersetzer nicht rund, sondern, den bergigen natürlichen Formen angepasst, steinförmig gestaltet. Kontaktil kann man auch "mit Füßen treten", ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu bekommen, denn die Filzpatschen aus Tiroler wärmender Steinschafwolle schmücken ebenfalls Kontaktil-Motive.
Wo erhält man die T-Shirts, Filzprodukte und weitere textile Produkte von Kontaktil?
Neben der Werkstatt von Kontaktil gibt es in Innsbruck, Gumppstraße 55, den kleinen Laden, der freitags von 15 - 18 Uhr geöffnet ist. Kontaktil-Produkte gibt es aber in ganz Tirol in den Partnergeschäften, etwa den Tirol-Shops. Nachdem Tirol zwar hoch oben am Berg, aber nicht hinter dem Mond liegt, gibt es Kontaktil-Produkte auch online zu bestellen.
Alljährlich zu Weihnachten im Rahmen der Christkindlmärkte von Innsbruck steht die Belegschaft von Kontaktil in den Rathausgalerien mitten im Weihnachtstrubel. Bei der Verkaufsausstellung "Tiroler Handwerk und Design" findet sich so manches schöne Stück. Bei diesem direkten Kontakt werden auch wieder neue Ideen aus den Wünschen und Reaktionen der Käufer geboren.
Wie arbeitet die Innsbrucker Werkstatt Kontaktil?
Alles ist klein, fein, überschaubar und besonders. Viola Hofer zeichnet und macht Entwürfe. Dabei wird experimentiert und getüftelt. Am Drucktisch werden spezielle Farben ausprobiert, die beispielsweise durch Erwärmen expandieren und so eine haptische Qualität erlangen (Wülste der Steinbock-Hörner). Auf der Nähmaschine werden spezielle Garne ausprobiert, welche die Flügel der Prachtlibelle schillern lassen. Am Computer wird das Design druckfähig gemacht und dann vorerst in einer kleinen Serie in der eigenen Werkstatt hergestellt. Wird die Werkstatt von Kontaktil zu klein, werden manche Arbeitsschritte in Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben umgesetzt.
Die T-Shirt-Rohlinge werden dort erzeugt, wo die Baumwolle wächst. Damit die Wertschöpfung aus dem Anbau auch wirklich der ansässigen Bevölkerung zu Gute kommt, soll das Produkt auch dort versponnen, gewebt, gefärbt und genäht werden. So fair, wie möglich, ist der Ansatz.
Die fertig genähten T-Shirts werden nach Innsbruck geliefert. Dann geschieht die Metamorphose – von der Raupe zum Schmetterling. Aus dem einfachen "T-Shirt" wird durch den exquisiten Aufdruck (Siebdruck) in liebevoller Kleinserie das besondere "Tiroler Prachtstück".
Eine feine Auswahl der tirolerischen Motive auf Kontaktil-Shirts und Produkten
Das Tiroler Grauvieh mit dem sanften Blick und der Stirnlocke hat es Viola Hofer besonders angetan. "Österreichisches Kuhdesign aus Innsbruck" nannte es mal die Badische Zeitung.
Die Tiroler Bauern forderten natürlich auch Porträts für ihr Braunvieh, Hochlandrind, Bergschecke und Fleckvieh, deshalb gibt es nun bereits eine erkleckliche Serie an "Rindviechern". Auch die Schafe sind bestens vertreten. Die Tiroler Naturparks haben die kreativen Entwürfe von Viola Hofer ebenfalls für sich entdeckt, so findet nun jeder der fünf Tiroler Naturparks sich mit seinem Motto-Tier (Libelle, Steinbock, Bergschaf, Gletscherfloh und Steinadler) abgebildet. Die Naturfreunde wiederum haben sich in einer emsigen Bergziege gut vertreten gefühlt. Seit Neuestem ist auch die emsige Ameise bildhaft humorvoll vertreten.
Überspitzt formuliert: Was der Alpenzoo in Innsbruck real für die Artenvielfalt der Bergwelt tut, das setzt Viola Hofer mit Konatktil auf der textilen Ebene ideell fort.
Das Gespräch mit Viola Hofer und Thomas Wanner führte für suite101 Adele Sansone.
Fotonachweis: © Kontaktil
Quelle: Kontaktil
Ein weiteres Tiroler Label, ebenfalls klein, aber fein: Chillaz
