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Konventionen in der Stummfilm-Ära

Filmstrips - Salvatore Vuono
Filmstrips - Salvatore Vuono
Als die ersten Filme überhaupt, folgten Stummfilme - und ihre Vorführung - noch eigenen Regeln.

Das internationale Projekt "Film", das am Ende des 19. Jahrhunderts durch die ersten erfolgreichen Vorführungen von Edison, den Brüdern Lumière, Friese-Greene und Skladanowsky Einzug in der Geschichte der Menschheit fand, etablierte sich über die nächsten Jahre hinweg als populäres Unterhaltungsmedium.

Der Stil der Stummfilme

Von 1895 bis ca. 1903 wurden Filme meist nur in einer einzigen Einstellung gedreht. Zwischen 1903 und 1907 begann man langsam damit verschiedene Einstellungen aneinander zu reihen und so Handlungsstränge zu entwickeln. Die einzelne Einstellung davor war jedoch durchaus sehr ansehnlich für das Publikum der damaligen Zeit. Schließlich wollte man sich einzig und allein auf das Wunder der Bewegung auf der Leinwand konzentrieren. Eine Handlung war nebensächlich, hätte womöglich noch abgelenkt. Im heutigen Sinne würden wir die ersten Filme als dokumentarisch klassifizieren. Sie waren dazu gedacht, Aktualitäten festzuhalten und – in Bewegung – wiederzugeben. Die Filmforschung bezeichnet daher das frühe Kino auch als "Kino der Attraktionen". Einer der ersten Filme, der den Versuch machte eine Art Handlung zu integrieren, war L'arroseur arrosé (Der begossene Gärtner) der Lumière-Brüder, bei dem einem nichts ahnenden Gärtner ein Lausbub zum Verhängnis wird.

Film war schon immer ein internationales Medium

Da Film nicht die Erfindung eines Einzelnen war, sondern mehr oder weniger gleichzeitig in vier verschiedenen Ländern als neue Errungenschaft präsentiert wurde, gab es sowohl einen gesunden Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Nationen, als auch einen regen Austausch auf dem Filmmarkt. Man vermutet, dass in den Jahren des Stummfilms ca. 500.000 Produktionen entstanden, von denen heute allerdings nur noch um die 20.000 erhalten sind. Schwierig wird es jedoch, wenn man feststellen möchte, ob die erhaltenen Werke wirklich allesamt einzelnen Produktionen zugrunde liegen, oder ob es sich unter Umständen um mehrere Kopien von ein und demselben Film handelt. Es war damals üblich, zwecks internationalem Austausch, mehrere Kopien und so auch verschiedene Fassungen eines Filmes anzufertigen. Die Zwischentitel mussten auf die jeweilige Landessprache abgestimmt werden, oder man nahm sie gleich ganz weg und überließ es den Leuten vor Ort sie in der richtigen Sprache hinzu zu fügen. Ging die Produktion in ein östliches Land so gab es einen tragischen, einen sogenannten "russischen" Schluss für den Film. Für die USA hingegen mussten eigene "Happy-End"-Sequenzen gedreht werden, um dem Geschmack des Publikums zu entsprechen. Sollte der Film luxuriös gestaltet werden, wurde er von Hand nachkoloriert. Die billige schwarz-weiß Kopie wurde im Lichtspielhaus, die veredelte, teurere gegen mehr Geld in einem Filmpalast gezeigt.

Die Vorführungshäuser und das frühe Kino

Da der Stummfilm zu Beginn kein Zuhause hatte, wurden die ersten Vorführungen in Kaffeehäusern, in Vergnügungsparks gemieteten Zelten, Theatern, Opernhäusern und sogar Kirchen vorgenommen. Die breite Palette an Schauhäusern diskriminierte nicht zwischen den einzelnen Klassen, jeder konnte in ein Varieté-Theater oder ein Zelt gehen. Erst ab 1905 entstanden, zuerst in den Vereinigten Staaten, eigene Vorführhäuser für Filme. Ab dann gab es Klassen-, weil Kostenunterschiede bei den Filmvorführungen. Den Eintritt in ein Lichtspielhaus konnte man sich als Normalverdiener leisten, aber für einen Besuch in einem der großen Filmpaläste musste man schon tiefer in die Tasche greifen.

Projektion von Stummfilmen

Wie heute wurde der Projektor im hinteren Teil des Vorführraumes untergebracht. Es wurde auch mit der Möglichkeit der "Rück-Projektion" experimentiert, bei der das Bild von Hinten auf die Leinwand projiziert wurde. Dies war aber aus Platzgründen suboptimal für die meisten Vorführhäuser. Die Projektoren, egal ob von Hand oder elektrisch betrieben, konnten in unterschiedlicher Geschwindigkeit abspielen. Anfänglich gab es nur karge 14-18 Bilder pro Sekunde zu sehen. Erst mit dem Tonfilm etablierten sich glatte 24 Bilder pro Sekunde als Standard. Bei Projektoren die noch auf kein elektrisches Licht zurückgreifen konnten, diente ein brennender Kalkstein, im Englischen lime-light, als helle Lichtquelle.

Die Vorführung eines Stummfilms

Kinobesitzer hatten einstmals genauso viel Einfluss auf das Gezeigte wie die Produzenten. Es war ihnen überlassen das Programm nach ihrem Dafürhalten zu gestalten. Die Produzenten verkauften die einzelnen Streifen, die Kinobesitzer fügten die nur um die 50 Sekunden langen Streifen aneinander, manchmal sogar die Zwischentitel ein. Dass Filme dadurch eine völlig andere Deutung erhalten konnten, wurde durch den Ton verstärkt. Der Stummfilm, der in diesem Sinne nie wirklich "stumm" war, wurde mindestes von einem Klavier, manchmal sogar von einem Orchester begleitet. Reisende Vorführer machten es sich zur Gewohnheit, Vorträge zum Film zu halten. Oft wurden noch Geräuscheffekte, zum Beispiel Hufgeklapper, Schüsse, oder Regen, vor Ort beigemengt. Auch kam es vor, dass Schauspieler hinter der Leinwand saßen und den stummen Projektionen eine Stimme verliehen. Es waren durchaus lebhafte Vorführungen, alles andere als stumm.

Quellen:

Cherchi Usai, Paolo. Ursprünge und Überlieferung. In: Geschichte des internationalen Films. Geoffrey Nowell-Smith (Hsg.) Stuttgart, Weimar (1998/2006). S.6-13.?

Paerson, Roberta. Das frühe Kino. In: Geschichte des internationalen Films. Geoffrey Nowell-Smith (Hsg.) Stuttgart, Weimar (1998/2006). S. 13-25.

L'arroseur arrosé auf YouTube

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