Konzentration verhilft zum Glücklichsein

Jagt nach dem Glück - ©Rupert Illek/Pixelio.de
Jagt nach dem Glück - ©Rupert Illek/Pixelio.de
Eine neue Studie stellt fest, dass abschweifende Gedanken, egal ob zu angenehmen Ereignissen oder nicht, unserem Glück im Wege steht.

Glücklichsein hängt davon ab, inwieweit man in der Lage ist, seine Gedanken unter Kontrolle zu halten. Dies zumindest ist das Resultat einer neuen Studie, veröffentlicht in 'Sience' vom 12. November 2010. Zwei Psychologen der amerikanischen Harvard University, Daniel Gilbert und Matthew Killingsworth, unternahmen eine empirische Studie mittels einer iPhone Anwendung und kamen zu dem Schluss, dass unsere Gedanken fast in 47 Prozent der Zeit abschweifen, anstatt sich auf die augenblickliche Tätigkeit zu konzentrieren. Dies hat anscheinend schwerwiegende Folgen für unser emotionales Befinden.

Killingsworth öffnete eine Webseite auf der Interessierte sich als Freiwillige an der Studie beteiligen konnten. Die Untersuchung wurde mittels einer Web-Anwendung für iPhone durchgeführt. Entwickelt von Killingsworth für diesen Zweck, wurden am Ende die Daten von 2250 Freiwilligen im Alter von achtzehn bis achtundachtzig gesammelt und ausgewertet.

Sammeln empirischer Daten per E-mail

Die Teilnehmer der Studie wurden per E-mail wiederholt nach ihrem Befinden gefragt, was sie gerade tun, wie sie sich fühlen, ob sie sich auf ihre Tätigkeit konzentrieren oder mit den Gedanken woanders sind und die wichtigste Frage - fühlen sie sich momentan glücklich. Die Ergebnisse waren überraschend. Es zeigte sich, dass in der realen Welt die Gedanken noch mehr abschweifen als unter Laborkonditionen. Obwohl die Gedanken im Generellen zu angenehmen Aktivitäten oder Ereignissen schweiften, bedeutete dies nicht, dass die Probanten daraus irgendwelche zusätzlichen Glücksgefühle gewonnen hätten.

Abschweifen der Gedanken ist eher Ursache als Folge des Unglücklichseins

In der späteren Auswertung fanden die beiden Psychologen, dass das Abschweifen der Gedanken eher die Ursache des Unglücklichseins anstatt die Folge war. Anscheinend ist es wichtig, die Gedanken zusammen zuhalten und zu fokussieren, um ein Glücksgefühl zu entwickeln. Mit anderen Worten, in dem Hier und Jetzt zu leben, anstatt sich zu sehr mit "Was wäre wenn...." zu beschäftigen. Der Mittelpunkt vieler spiritueller Lehren ist – lebe im Hier und Jetzt. Die Intension der Meditation beispielsweise ist, die Gedanken zur Ruhe zu bringen und leichter zu fokussieren, was sich später auch in Effizienz, Produktivität, Kreativität und Ähnlichem niederschlägt. Insofern scheinen die Ergebnisse dieser Studie mit den Inhalten vieler spiritueller Lehren konform zu gehen. Die Studie zeigte ebenfalls, dass Menschen am glücklichsten sind, wenn sie Sex haben, in Fitness Aktivitäten involviert sind oder eine nette Unterhaltung führen.

Wir wissen nicht genau, was uns glücklich macht

Unglücklicherweise ist Glück sehr viel schwerer zu finden als gemeinhin angenommen. Gilbert, seines Zeichens Professor für Psychologie an der Harward University, beschreibt in seinem Buch "Stumbling on Happiness" (Deutscher Titel: "Ins Glück stolpern", Goldmann Verlag 2008) die Tendenz des Menschen, nicht genau zu wissen, was ihn glücklich macht. Infolge dessen strebt er nach Dingen, die eher den gegenteiligen Effekt haben können und ihn unerfüllt lassen. Erkenne dich selbst – ein einfach scheinendes Prinzip, aber leider schwierig in der Realität umzusetzen. Unsere eigenen Wünsche und Ambitionen werden mit der Zeit von allen möglichen Einflüssen überlagert, verändert und teilweise begraben. Basierend auf diesen Einflüssen fabrizieren wir möglicherweise ein Zukunftsbild, das entweder zu optimistisch – die Geburtstagsparty ist nie so gut, wie man es sich selbst ausgemalt hat - oder zu pessimistisch – es klappt sowieso nicht - sein kann.

Das Psychologische Immunsystem – nicht immer von Vorteil

Auch unsere Fähigkeit mit dem täglichen Auf und Ab des Lebens fertig zu werden, kann sich als Hindernis herausstellen. Der Mensch hat die Fähigkeit, gefährliche oder extrem peinliche Ereignisse zu verarbeiten, indem er im Nachhinein die Situation absolut rational betrachtet und so die Möglichkeit hat, diese Erfahrung zu verarbeiten und hinter sich zu lassen. Gilbert nennt dies das "Psychologische Immunsystem". Allerdings wird dieses System erst ab einer bestimmten "Leidensschwelle" aktiv. Als Folge tendieren viele dazu, erlebte schwierige oder peinliche Situationen überzubewerten und zu dramatisieren, um so dieses Immunsystem zum Einsatz zu bringen, das Ereignis damit schneller zu verarbeiten, um wieder in einen glücklicheren Gemütszustand zurück zu finden und nicht in der Phase des "Mein Gott war das peinlich" zu verharren.

Die Studie zeigt weiterhin, dass es direkte Konsequenzen für unser Glücksgefühl hat, wie oft und wohin unsere Gedanken schweifen, und zwar nachhaltiger als die Aktivitäten, die gerade ausgeübt werden. Die Fähigkeit der Reflektion über Vergangenes und Zukünftiges ist bis zu einem gewissen Grad notwendig für Planung und Organisation und war teilweise sogar überlebenswichtig. Anscheinend ist aber unter Umständen ein hoher spiritueller Preis dafür zu zahlen und wie so oft stehen wir uns selbst im Weg in der Jagd nach dem Glück.

Andrea Heitger, Andrea Heitger

Andrea Heitger - Geboren und aufgewachsen in Deutschland, einer Ausbildung in BWL und Tiermedizin mit anschließender Promotion, arbeitete sie mehrere ...

rss