Konzert mit max.bab: Meister des improvisatorischen Jazz

max.bab in der Kulturbühne Hinterhalt, Januar 2011 - Andrea Weber
max.bab in der Kulturbühne Hinterhalt, Januar 2011 - Andrea Weber
Doppelt ausverkauft war der Auftritt der Jazzformation max.bab in der Kulturbühne Hinterhalt. Es ist das musikalische Wohnzimmer der jungen Erfolgsband.

Wohnzimmer nennen Musiker für gewöhnlich Bühnen, auf denen sie zum ersten Mal aufgetreten sind und immer wieder gerne zurückkehren. So kommen auch die vier Musiker von max.bab aus aller Welt einmal im Jahr im Hinterhalt zusammen. Hier im Münchner Oberland sind Max von Mosch am Saxofon, Benedikt Jahnel am Klavier, Benny Schäfer am Kontrabass und Andi Haberl am Schlagzeug augewachsen, hier haben sie ihre Band gegründet und standen vor elf Jahren das erste Mal gemeinsam auf der Bühne.

max.bab live in der Kulturbühne Hinterhalt

Doch heimelig war es auf dem Konzert Mitte Januar 2011 gerade nicht, sogar der Kreis von Freunden und Verwandten der Musiker musste kurzerhand samt Tisch und Stuhl auf der Bühne Platz nehmen, so ausverkauft war der Rest des Kulturkellers und Veranstalter Christoph Bühring-Uhle von BSC Music bestätigte, dass er „noch mal so viele“ vertrösten musste. Das hohe Besucherinteresse hat einen triftigen Grund. Max.bab wird in der deutschen Jazzszene hoch gehandelt, ihre Musik ist preisgekrönt, oder wie Bühring-Uhle sie ankündigte: „Der Start mit Euch ins neue Musikjahr unter der Musikreihe ‚BSC im Hinterhalt‘ ist sensationell.“

Jazzimprovisation aus Klangbildern mit Tempo und Intensität

Sensationell gut war dann auch das, was die Zuhörer geboten bekamen. Es ist keine Musik, wie der Reggae, bei dem der Rhythmus in den Zehenspitzen kitzelt und man dem eigenen Bewegungsdrang nicht mehr entkommt – das auch, aber anders. Bei dieser kunstvollen Jazzmusik ist man verpflichtet zuzuhören, wird mitgetragen auf eine musikalische Bilderreise, bei der die vier Künstler mit ihren instrumentalen Pinseln Klangbilder malen, Kunstwerke aus Tempo und Intensität.

Dabei mischt jeder im Solo die Farbprägnanz auf seine eigene Weise, dominiert zeitweise das Tonbild, während die anderen dezent für den fließenden Hintergrund sorgen. Im Titel „152nd Street“ – der Name der New Yorker Straße, in der Benedikt Jahnel und Max von Mosch während ihres Studiums in einer WG zusammen lebten – wird die Musik so minimalistisch, dass Jahnel am Klavier nur noch einen Ton anschlägt und den immer und immer wieder. Diese Monotonie zieht den Zuhörer hypnotisch hinein ins Klangbild und nur noch Schlagzeuger Andi Haberl kann mit seinem filigranen Rhythmus dagegen wirken. Er ist ein Akrobat mit den Drumsticks, so flink lässt er die Stäbchen zwischen den Fingern tanzen, nimmt mal den hellklingenden Stil, mal den dumpfen Puschel oder den weichen Besen.

Moderner Jazz, aber keine abstrakte Kunst

In samtweiche und warme Töne bettet Max von Mosch die Zuhörer am Saxofon. Aus seiner Feder ist ein großer Teil dieser Musikstücke. Und Bassist Benny Schäfer ist der Musiker, der die Kunst der Zurückhaltung beherrscht und nicht vorpreschen muss, um sich zu beweisen. Allerdings kann er durchaus anders, wenn er zwischen Zupfen und Streichen im Solo das Klangbild in die dunkelsten Töne färbt.

Max.bab macht in der Tat modernen Jazz, aber auf keinen Fall abstrakte Kunst. Sie sind Künstler der improvisatorischen Musik. Ihre Kompositionen wie „Boston Sky“, „Human Intent“ oder der spannende Space-Spaziergang aus ihrem Album „Inner Orbit“ werden bei jedem Live-Konzert zu einem neuen Kunstwerk. Die Zuhörer in der Kulturbühne Hinterhalt honorierten das mit johlendem Beifall.

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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