Gegen 19:30 Uhr bilden sich vor der Arena in Berlin bereits lange Menschenschlangen. Letztendlich befinden sich über 7.000 Besucher in der Halle und das Konzert der Black Keys ist ausverkauft.
Support: Portugal.The Man leiden unter schlechtem Sound
Als Vorband spielen Portugal.The Man. Die Band aus Alaska machte spätestens mit ihrem zweiten Album „Church Mouth“ (2007) auf sich aufmerksam. Verspielter Prog- und Postrock, der wirkte wie eine gezähmte Form von The Mars Volta.
Es folgten relativ zügig jedes Jahr ein weiteres Album, empfehlenswert sind „Censored Colors“ (2008) und „The satanic Satanist“ (2009). Mit der vorletzten Veröffentlichung „American Ghetto“ (2010) schien Ihnen etwas die Luft auszugehen. Mit „In the Mountain In the Cloud“ (2011) melden sie sich zurück und vermischen jetzt gekonnt Referenzen an die Beatles, David Bowie und 60`s Pop.
In der Arena präsentiert sich Sänger John Gourley mit einer Kapuzenjacke. Die Lieder sind gut, nur leider lässt der Sound sehr zu wünschen übrig. Bassdrum und Bass sind weit nach vorne gemischt, genauso wie die hohe Stimme von Gourley. Die Gitarren und das Keyboard lassen etwas an Durchsetzungsfähigkeit vermissen.
Die Setlist von Portugal.The Man:
- People say
- Floating
- All your light
- So american
- Got it all
- Head is a flame
- Work all day
- The pushers party
- The woods
Ohne das ausgesteuerte Klangbild einer Studioaufnahme wissen Portugal.The Man nicht so recht zu überzeugen, das gute Songmaterial leidet unter dem Sound, sei es nun dem Tonmann oder der Arena geschuldet. Man hätte ihrem Songmaterial bessere Aufführungsbedingungen gewünscht.
The Black Keys spielen ein überzeugendes Konzert
Das Licht geht aus. Zwei Spots auf die Bühne und unter Jubel und Applaus treten Sänger und Gitarrist Dan Auerbach und Schlagzeuger Patrick Carney auf die Bretter. Begleitet durch einen Bassisten und einen Keyboarder bzw. Gitarristen, die nur mit Vornamen vorgestellt werden, lassen The Black Keys ihre Lieder erklingen. Das Schlagzeug steht links auf der Bühne auf einem Podest und ist somit besser sichtbar als üblicherweise.
Das Bluesrock Duo aus Ohio (USA), dass mittlerweile auf sieben Alben zurückblicken kann, hat sich in der Fangemeinde spätestens ab „Rubber Factory“ (2004) etabliert. Der breiteren Masse fiel die Band durch ihre Zusammenarbeit mit Produzent Danger Mouse (Gnarls Barkley) auf ihrem Album „Attack and Release“ (2008) oder spätestens durch das mit drei Grammys nominierte „Brothers“ (2010) auf und konnte die Erwartungen mit „El Camino“ (2011) bravourös erfüllen. Die interessanten Videos zu „Tighten up“, „Howlin´ for you“ und „Lonely Boy“ taten sicher ihr übriges.
Nach dem Erfolg von „Brothers“ hatten The Black Keys ihre Konzerte für Deutschland abgesagt, angeblich wegen Erschöpfung, und tourten stattdessen durch die USA. Ihre Popularität wuchs und so konnten sie nun in der Berliner Arena gastieren und höhere Eintrittspreise verlangen. Das Publikum war gut durchmischt, vom Teenager bis zum Altrocker versammelte sich die Gemeinde und sicherlich folgten auch einige Hipster dem Trend.
Während sich Auerbach und Carney auf ihren älteren Platten am Blues und Bluesrock abarbeiteten, erweiterten sie ihr Spektrum ab „Brothers“ um Soul, Funk, Balladen und Glamrock. Dies tun sie so geschickt, dass einen die Riffs stets bekannt vorkommen ohne reine Coverversionen zu sein. Dabei haben sie ein Händchen für interessante Arrangements und Gesangsideen. Mittlerweile gesellen sich auch ein paar kleine Hits in die Setlist. Diese werden vom Publikum mit Jubel und Freudengeschrei begrüßt. Auch Szenenapplaus gibt es an verschiedenen Stellen.
Der Fokus des Sets liegt ganz bei den letzten beiden Alben. Acht Songs werden von „El Camino“ dargeboten, dazu sechs Songs von „Brothers“, drei Songs von „Attack & Release“ und ein paar ältere Nummern.
Setlist The Black Keys:
- Howlin´ for you
- Next girl
- Run right back
- Strange times
- Dead and gone
- Gold on the ceiling
- Thickfreakness
- Girl is on my mind
- I´ll be your man
- Your touch
- Little black submarines
- Money maker
- Sister
- Nova Baby
- Ten cent pistol
- Samme old thing
- Tighten up
- Lonely boy
Zugabe:
- Everlasting light
- She´s long gone
- I got mine
Sound, Licht und Songs lassen den alten Blues in neuem Licht erstrahlen
Im Gegensatz zur Vorband ist der Sound jetzt gut abgemischt und transparent. Die Bühnenshow ist nicht spektakulär, wir sehen Auerbach und Carney ihre Instrumente mit Inbrunst bearbeiten. Was hier zählt sind die Songs und die werden ohne Qualitätsverlust von Platte auf die Bühne transferiert.
Ein weiteres Highlight ist die überaus gelungene Lichtshow. Diese ergänzt die Songs und setzt Spots, Discokugel, Strahler, Lichterketten und Leuchtschrift gekonnt zum Aufbau atmosphärischer Stimmung ein.
Definitiv ein früher Konzerthöhepunkt dieses Jahres.
