
- Cluster- und Netzwerkbildung - Software-Cluster Rhein Main Neckar
In den Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) gilt die Kooperation von Unternehmen, Verbänden und Hochschulen als notwendig, um langfristig erfolgreich zu sein. In Deutschland haben sich mit dem Software-Cluster Rhein-Main-Neckar und dem sogenannten „Silicon Saxony“ in der Region in und um Dresden mindestens zwei bedeutende regionale IKT-Zentren entwickelt, die im Konzert der internationalen Hightech-Regionen wie das US-amerikanische Silicon Valley, Oulu in Finnland oder Bangalore in Indien ein Wort mitreden wollen.
Regionale Verdichtung von Unternehmen entlang ihrer Wertschöpfungskette
„Wir verstehen unter ‚Cluster‘ eine zunächst regionale Verdichtung von Unternehmen einer Branche entlang ihrer Wertschöpfungskette, die sich in Netzwerken zusammenfinden“, definiert Jürgen Ackermann, Cluster-Mananger bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt, den in der Praxis nach wie vor schillernden Begriff. Darüber hinaus würden auch Bildungseinrichtungen wie Hochschulen, Universitäten und Forschungsinstitute sowie Verbände und Kammern in die Netzwerkbildung einbezogen. Ackermann: „Wir wollen, dass bewusst heterogene Einrichtungen ihre unterschiedlichen Kompetenzen in das Cluster einbringen.“
Ein Hightech-Verbund dieser Art könne allerdings nicht von außen erzwungen werden, er entstehe mehr oder weniger von selbst. Ackermann präzisiert: Dass im Großraum Rhein-Main-Neckar ein Cluster mit etwa 8.000 IKT-Unternehmen, 80.000 Beschäftigten, einen Umsatz von 42 Milliarden Euro erwirtschaftet, ist auch ein Ergebnis einer mehr als 15-jährigen Entwicklung regionaler Netzwerke.“
Zwei anerkannte regionale IT-Cluster in Deutschland
Während in der südhessisch-badischen Grenzregion der Schwerpunkt eindeutig auf der Seite der Unternehmenssoftware und der Geschäftsprozesse liegt, dominiert im zweiten anerkannten regionalen IT-Cluster, dem Silicon Saxony in und um Dresden, die Halbleitertechnik. Neben den von den jeweiligen Landesregierungen mit Fördermitteln ausgestatteten regionalen Clustern wurde Anfang 2010 auch ein überregionales, primär forschungszentriertes IKT-Spitzencluster vom Bundesministeriums für Bidung und Forschung (BMBF) ins Leben gerufen. Ackermann: „Hierbei werden auch weitere südwestdeutsche Regionen einbezogen.“
Cluster- und Netzwerkbildung auch für Mittelständler und KMUs wichtig
IKT-Clusterbildung in Deutschland ist aber nicht nur ein zentrales Thema der treibenden Softwaregrößen wie der Software AG und der SAP AG, um sich im derzeitigen Konsolidierungsprozess der Softwarebranche zu behaupten. „Kooperationen, Wissenstransfer und Netzwerkbildung wird auch für viele mittelständische und kleine Unternehmen immer wichtiger“, betont der IHK-Cluster-Manager. Sowohl die IHKs als auch die Hochschulen und Universitäten legten dort, wo sie Cluster-Partner sind, einen großen Wert auf die Einbeziehung der sogenannten KMUs.
„Wir haben über den Software-Cluster Rhein-Main-Neckar weitere Unternehmen kennen gelernt, mit denen wir Personal und Erfahrungen ausgetauscht haben“, berichtet beispielsweise Matthias Siegel, Geschäftsführer des noch jungen Informationslogistik-Unternehmens Verimatic GmbH. Als Ausgründung aus der Technischen Universität in Darmstadt ist das Start-up-Unternehmen aktuell dabei, sein hardware- und softwareseitig selbst entwickeltes Telematiksystem im Umfeld Baumaschinennutzfahrzeuge auf den Markt zu bringen.
Netzwerkbildung und Informationsaustausch im Fokus des Cluster-Gedankens
„Wir sehen beim Cluster-Gedanken primär die Netzwerkbildung und den Informationsaustausch im Mittelpunkt“, so Siegel weiter. Allerdings müsse man von Unternehmensseite auch die Zeit aufwenden, um die gegebenen Chancen des Clusters nutzen zu können. Darüber hinaus bestehe auch für kleinere Unternehmen die Möglichkeit, bei gemeinsamen Projekten Förderungsmittel über die IHK-Darmstadt zu beantragen. Schlussendlich hänge es von der konkreten Situation ab, ob sich aus den geführten Gesprächen und gewonnen Kontakten im Cluster am Ende auch ein messbarer Nutzen für die Unternehmen einstelle.
Die Intelligent Views GmbH, ein innovativer Mittelständler im Umfeld Wissensmanagement, konnte über den Software-Cluster Rhein-Main-Neckar sowohl Partnerschaften als auch Geschäft generieren. „Insbesondere im Marketing ist uns jede Hilfe willkommen“, sagt Marketing Communication Managerin Claudia Baumer. Die erfolgreiche Ausgründung aus der Fraunhofergesellschaft betreibt zwar mittlerweile ein erfolgreiches Projektgeschäft u.a. im Fertigungsbereich von Großkunden wie Thyssenkrupp oder Daimler, ist aber mit 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern selbst ein typisches KMU mit begrenztem Budget für diesen Bereich.
Softwareinnovationen für das digitale Unternehmen – Software-Cluster-Forum in Darmstadt
Beim regionalen Cluster schätzt Baumer ebenfalls die Kontakte und den Austausch zu anderen Firmen und zur öffentlichen Hand. Sehr hilfreich und ein vorzüglicher Erstkontakt sei das jährlich im Kongresszentrum Darmstadtium stattfindende „Software-Cluster-Forum", die Fortführung des schon traditionellen IT-Forums Rhein-Main-Neckar, mit dem Fokus 2010 auf „Softwareinnovationen für das digitale Unternehmen." Baumer: „Dort und bei der IHK-Darmstadt gibt es z.B. Hilfe für Firmen, die nicht wissen, wie sie etwa in Kontakt zu Forschungsinstitutionen kommen oder wie sie Fördermittel für gemeinsame Projekte beantragen können.“ Alle verschiedenen deutschen Clusterinitiativen haben die gemeinsame Zielsetzung, Unternehmen einer Branche zu vernetzen, ihre nationale und internationale Präsenz zu fördern, Fragen der Aus- und Weiterbildung zu entwickeln sowie die Vermarktung von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen zu unterstützen.
Software-Cluster Rhein-Main-Neckar mit fester Managementstruktur
Der Software-Cluster Rhein-Main-Neckar ist ein seit Juli 2009 auch offiziell bestehendes Cluster mit fester Management-Struktur und durch das hessische Wirtschaftsministerium gesicherter Finanzierungsbasis. In dem Projektantrag der IHK-Darmstadt sind mehrere Teilprojekte beschrieben, die gemeinsam mit Industrieunternehmen und Hochschulen umgesetzt werden müssen. Insgesamt 700.0000 Euro stehen für gemeinsame Projekte und Initiativen zur Verfügung. Die Historie des Software-Clusters Rhein-Main-Neckar geht auf die frühen 1990er Jahre zurück. Mit dem Netzwerk Software Südwest der TU Darmstadt und dem Branchennetzwerk IT4Work, das von der IHK-Darmstadt betreut wurde, haben sich 2008 zwei unabhängige Investitions-Clubs zusammengeschlossen. Erst dadurch wurde es möglich, einen Antrag auf Förderung beim hessischen Wirtschaftsministerium zu stellen.
Überregionales IKT-Spitzenforschungs-Cluster ins Leben gerufen
Anfang 2010 wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) u.a. ein sogenanntes IKT-Spitzencluster ins Leben gerufen. Der neue Hightech-Forschungsverbund erstreckt sich von Frankfurt am Main über Darmstadt bis nach Walldorf und Karlsruhe. Neben der Region Rhein-Main-Neckar sind darüber hinaus auch der Großraum Saarbrücken und Kaiserslautern einbezogen. Allen fünf Siegern eines nationalen Spitzen-Cluster-Wettbewerbs stehen jeweils ein Betrag von 40 Mio. EUR über fünf Jahre zur Verfügung. Die in den Projektanträgen beschriebenen Aktivitäten und Maßnahmen werden bis zu 50 Prozent gefördert, weitere 50 Prozent müssen durch die beteiligten Partner wie Unternehmen oder Hochschulen erbracht werden. Im Unterschied zu den regionalen IKT-Clustern Rhein-Main-Neckar und dem Silicon Saxony, deren Schwerpunkt auf der regionalen Wirtschaftsförderung liegt, fokussiert sich das neu geschaffene Spitzencluster primär auf Software-Forschung.
