KOPENHAGEN: Was kommt danach?

Streit um Emissionsrechte statt Innovations-Offensive beim Strom

Emissionsquelle: Holzkohle zur Nahrungszubereitung - carabito
Emissionsquelle: Holzkohle zur Nahrungszubereitung - carabito
Weniger schlechte oder mehr gute Energie? Auf diese Frage lässt sich der Konflikt um die Energiezukunft der Menschheit komprimieren. Solar könnte die Lösung sein.

Kopenhagen 2009 hat mehr halbherzige Klimaberkenntnisse als beherzte Zusagen und mehr Herausforderungen als Ergebnisse hervorgebracht. Was aber eigentlich auch nicht wirklich verwundert. Die Interessen sind ja schließlich unterschiedlich: Auf der einen Seite wollen zwar alle überleben und nicht irgendwann am Klimawandel zugrunde gehen. Andererseits ist aber die eigene Nation möglicherweise weniger negativ betroffen als andere Länder. Und wenn zuhause ernste wirtschaftliche Probleme auf der Tagesordnung stehen, tritt die Klimafrage vor diesen als dringlicher erlebten Problemen in den Hintergrund.

Deutschland auf Sparkurs

Für Deutschland typisch und auffällig während des Konferenzverlaufs: Die von Einschränkungen und Einspargeboten bestimmte Wahrnehmung der Klimafrage. In den Medien. Auf der Straße. Auf den Punkt gebracht in der bei Straßeninterviews beliebtesten Frage: "Und worauf würden Sie verzichten, um die CO² Emission zu reduzieren und das Klima zu retten?" Dabei hat uns das Sparen mit Styropor und Folienversiegelung dank Energiepass und Dämmstofflindustrie bereits den Verzicht auf durchlüftetes Mauerwerk und Ziegelfassaden sowie ein paar Reglementierungen mehr beschert. Dieses energetische Sparpotenzial dürfte aber irgendwann ausgeschöpft sein.

Es ist außerdem unwahrscheinlich, dass sich der deutsche Normalbürger, während die Weltbevölkerung völlig legitim nach Wohlstands- und Statusangleichung strebt, mit Wollsocken in die sprichwörtliche ökologische Höhle zurückziehen und den Strom für die Deckenleuchte mit dem Fahrrad-Dynamo erzeugen wird. Möglicherweise soll die Sparkampagne aber auch nur der konventionellen Energiebereitstellung Zeit verschaffen und Ihren Lebenszyklus verlängern. Das wäre nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch für die Innovationskultur und die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung im Lande. Denn die Umwelt- und Klimafrage lässt sich auch völlig anders stellen.

Solar statt fossil

Wie war das noch mit Desertec? Anfang 2009 wurde der Wüstenstrom für Europa mit Vehemenz aus dem Keller der wissenschaftlichen Expertenrunde auf das Podest der medialen Berichterstattung gehoben. Für einige Tage hatte das Thema mit Unterstützung der um Innovatoren-Image bemühten Politik große Öffentlichkeit. Jetzt, wo der Wüstenstrom einen Ausweg aus ergebnislosen Diskussionsrunden und Gefeilsche um Emissionsrechte aufzeigen könnte, ist es um die paneuropäische Solarvision seltsam still geworden.

Wer sich zu Desertec informieren will, kann bei der Desertec Foundation aus erster Hand direkte Quell-Informationen beziehen. Desertec macht im Prinzip - wenn man mal von den Umstellungs-Kosten für den energetischen Paradimenwechsel absieht - das allgegenwärtige Spar- und Verzichtsgemaule gegenstandlos. Bereits mit einem überschaubaren Sahara-Areal lässt sich der gesamteuropäische Energiebedarf auf hohem Niveau decken - und das ganz ohne Zumischen risikoreicher Kernenergie.

Solar kann mehr

Ortswechsel. Wie sieht es im subsaharischen Afrika aus? In den meisten Ländern dort ist der ehemals tropisch-artenreiche Wald schon weitgehend abgeholzt und elektrischer Strom trotz geringer Einkommen teurer oder gleich teuer wie hier. Wen wundert's: Schließlich wird trotz 365 Tagen, zwölf Stunden tägliche Sonneneinstrahlung Elektrizität mittels konventioneller Kraftwerke und eingeschiffter Kohle erzeugt. Wer diese Kraftwerke geliefert hat, darf geraten werden. Das bedeutet Emissionen und bremst wegen folglich hoher Energiepreise die Entwicklung von Industrie, Handwerk und Gewerbe. Für die Nahrungszubereitung weichen die Menschen auf die traditionelle Holzkohle aus. Was gerade bei wachsender Bevölkerung zusätzliche Emissionen und umweltschädliche Abholzung bedeutet.

Photovoltaik würde einerseits durch Substituion der Holzkohle die Abholzung klimarelevanter Wälder zurückdrängen und andererseits die Energiebremse in Afrika lösen sowie die Wirtschaft und deren Diversifizierung auf Touren kommen lassen. Ganz nebenbei würde Solar dank dezentraler Energiebereitstellung die ländliche Region und andere Querschnittziele wie Gender-Mainstreaming, Bildung und Beschäftigung fördern.

Zwischenfazit

Afrika steht auch für andere, für die Sonnenenergie prädestinierte Regionen, zum Beispiel die äquatornahen Regionen Asiens. Und das afrikanische Beispiel macht deutlich, dass die Klimaproblematik - wenn wir es richtig angehen - weniger eine Bedrohung als eine Chance darstellt. Eine Chance auf mehr Weltgemeinschaft, eine Chance auf Gleichziehen an Möglichkeiten und eine Chance auf eine neue Ära technologischer Entwicklung. Das ist verlockend und kann zum Versprechen auf die Zukunft der Menschheit werden. Leider gibt es aber noch viel zu wenig Projekte, die sich diesem Thema nicht nur in der Theorie, sondern auch operativ in der Praxis verschrieben haben.

Die Solar- und Technologieinitiative afrisolair hat ein beispielhaftes Konzept dazu allgemein zugänglich in's Web gestellt. Aber es gibt auch andere Förderinitiativen, wie z.B. das namentlich verwandte afrisolar oder solarunterstützte Projekte der großen Hilforganisationen wie Brot für die Welt. Beim solaren Klimaversprechen sind natürlich die zitatenhaften Eisbären und die Menschen in der Arktis mit eingeschlossen. Die arktische Hemisphäre soll über den südlichen Exkurs nicht in Vergessenheit geraten. Wird sie auch nicht.

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Matthias Hoelkeskamp - Unter dem Markenzeichen "carabito" bin ich als freier Text/Bild Autor tätig. Mein Werdegang über Medizinstudium, eigenes ...

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