Kopfschmerzen weit verbreitet, aber kaum behandelt

WHO-Atlas zu Kopfschmerzen -  Grafik: WHO
WHO-Atlas zu Kopfschmerzen - Grafik: WHO
Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation sind Kopfschmerzen die häufigsten Beschwerden weltweit, werden aber vom Gesundheitswesen kaum beachtet.

Das Volksleiden Kopfschmerz gilt als die am weitesten verbreitete Erkrankung auf der Welt, bleibt jedoch oft unbeachtet und wird nur selten behandelt. Das geht aus einer am 3. Mai 2011 von der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) vorgestellten Studie hervor, die sich für höhere Investitionen im Gesundheitswesen einsetzt, um diesen Beschwerden mehr Aufmerksamkeit zu widmen und sie effektiver zu behandeln.

In ihrem Kopfschmerz-Atlas 2011 zeigt die WHO, dass im Jahr 2010 bis zu Dreiviertel aller Erwachsenen zwischen 18 und 65 Jahren von Kopfschmerzen, einschließlich Migräne und Spannungskopfschmerzen, betroffen waren. Nur ein Bruchteil der weltweit an Kopfschmerzen leidenden Menschen wurde jedoch professionell untersucht und entsprechend therapiert.

Fast zwei Drittel aller Migräne-Patienten bleiben unbehandelt

Bei Migräne und Spannungskopfschmerzen bleiben 60 Prozent der Fälle unbehandelt. Bei Kopfschmerzen, die durch eine zu hohe Einnahme von Medikamenten verursacht werden, wird nur in 10 Prozent der Fälle eine Diagnose ermittelt und danach eine Behandlung eingeleitet.

Die Spezialisten jener Länder, die sich an der Studie beteiligten, nutzten nach eigenen Angaben die Diagnose-Kriterien der Internationalen Kopfschmerz-Gesellschaft nur zu 56 Prozent. Relativ niedrig ist deren Anwendung in Afrika, im östlichen Mittelmeerraum und in Südost-Asien, wobei generell in den ärmeren Staaten sehr selten nach diesen wissenschaftlich fundierten Kriterien gearbeitet wird.

Selbstmedikation gegen die Hälfte aller Kopfschmerz-Erkrankungen

Der Bericht verweist auch darauf, dass Instrumente zur Bewertung der wirtschaftlichen Auswirkungen von Kopfschmerzen nur regelmäßig in 24 Prozent der befragten Länder eingesetzt werden und nur ganz selten in den Regionen mit niedrigem Einkommen. Im Weltmaßstab behandeln geschätzte 50 Prozent der Betroffenen ihre Kopfschmerzen selbst, ohne einen Arzt für die Diagnose und Erstbehandlung aufzusuchen. Nur 10 Prozent konsultieren einen Neurologen, während in Afrika und Südost-Asien dieser Anteil noch geringer ausfällt.

Unter den speziellen Standard-Medikamenten gegen Migräne ist Ergotamin weiter verbreitet als Triptan, obwohl letzteres laut WHO-Studie als wirksamer und weniger toxisch gilt. Allerdings kostet es auch mehr. Länder aller Einkommensgruppen erklärten die Nicht-Verfügbarkeit geeigneter Präparate als Hindernis für ein effektives Vorgehen gegen Kopfschmerzen. Das kann möglicherweise auch mit der eingeschränkten Erstattung der Kosten durch die Krankenversicherungen zusammenhängen.

Volkswirtschaftliche Verluste durch Kopfschmerz höher als Behandlungskosten

Die Studie macht aber auch auf die enormen finanziellen Verluste aufmerksam, die der Gesellschaft durch kopfschmerzbedingte Arbeitsausfälle entstehen. Diese fallen weit höher aus als die Ausgaben für eine professionelle Kopfschmerzbehandlung in jedem einzelnen Land.

„Die gesundheitliche Fürsorge für Kopfschmerz-Erkrankungen muss verbessert werden und Bildungsaufwand ist erforderlich, um dies zu erreichen”, heißt es daher in dem Bericht der WHO. Vor allem brauchen die Mitarbeiter im Gesundheitswesen bessere Kenntnisse der Diagnose und Therapie jener überschaubaren Gruppe von Kopfschmerzarten, die besonders zum schlechten Gesundheitszustand der Bevölkerung beiträgt.

Unter dem Aspekt der sehr hohen indirekten Kosten, die durch Kopfschmerzen verursacht werden, sind laut WHO-Kopfschmerz-Atlas Investitionen in eine bessere Behandlung durch gut organisierte gesundheitliche Betreuung und wirksame Aufklärungskampagnen sehr wohl insgesamt eine Kostensparmaßnahme.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Der Autor an der UNO-Mission in Sierra Leone, Foto: UNIOSIL

Christian Holger Strohmann - Mehr als 20 Jahre lang habe ich für die Vereinten Nationen (United Nations Organisation - UNO) auf allen Kontinenten als Journalist, ...

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