
- Fresko in der koptisch-orthodoxen Kirche in Assuan - Katharina Wieland Müller/pixelio.de
Die koptisch-orthodoxe Kirche hat ihren Ursprung in der historischen ägyptischen Hafenstadt Alexandria. Auch in Deutschland und Österreich gibt es Anhänger dieser christlichen Glaubensrichtung - die genauen weltweiten Mitgliedszahlen können jedoch nur geschätzt werden.
Geschichte der koptischen Kirche
Als Gründer der koptischen Kirche gilt, der Überlieferung nach, Markus (Verfasser des Markusevangeliums). Er lebte im ersten Jahrhundert in Ägypten und war der erste Bischof von Alexandria. Im Jahr 68 nach Christus starb er als Märtyrer. Bis ins siebente Jahrhundert traten große Teile der ägyptischen Bevölkerung dieser Kirche bei. Jedoch wurde, durch die islamische Eroberung Ägyptens, eine größere Entfaltung des Christentums verhindert. Seit dem zweiten Jahrhundert werden die griechische und koptische Sprache bei Bibellesungen, Gebeten und Predigten verwendet. Wobei das Koptische heute nur noch selten genutzt wird. Der Ursprung des christlichen Mönchtums liegt in der koptischen Kirche, es wurde durch den Heiligen Antonius (etwa 251-356) und durch Pachomios (circa 292-346) begründet. Im Jahr 451 spaltete die Frage „Ist Jesus Christus menschlich oder göttlich?“ die Kirchen in einen altorientalischen (syrische, koptische, äthiopische Kirche) und in einen chalzedonischen (katholische Kirche und orthodoxe Kirche) Zweig. Im Konzil von Florenz, 1442, wurde eine Allianz zwischen der koptischen und der römisch-katholischen Kirche geschlossen – diese und weitere Unionsversuche blieben jedoch erfolglos.
Oberhaupt der Kirche und vertretene Glaubenslehre
Das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche ist ein Papst - Papst von Alexandria und Patriarch von ganz Afrika – mit offiziellem Sitz in Kairo und Alexandria. Derzeit ist Shenouda III. seit 1971 Oberhaupt und gilt als 117. Nachfolger des Heiligen Markus. Das Patriarchat wurde 1047 nach Kairo verlegt. Im Stadtteil Abbassia befindet sich die 1968 geweihte Markuskathedrale und der päpstliche Palast. Die koptische Kirche orientiert sich einstimmig an den Festlegungen aus den Konzilen von Nicäa, Konstantinopel und Ephesos. Das Glaubensbekenntnis wurde komplett aus den Konzil von Nicäa übernommen: „Wir glauben an den einen Herrn, Jesus Christus, Gottes einzigen Sohn, geboren aus dem Vater vor aller Zeit, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott.“ Dieses Glaubensbekenntnis findet sich in vielen östlichen sowie westlichen Kirchen wieder. Die koptische Kirche vertritt ein göttlich-menschliches Bild von Jesus Christus und lehnt eine Trennung der beinen Naturen Christi ab. Wichtige koptische Feiertage sind unter anderem:
- Weihnachten (7. Jänner 2011)
- Taufe Christi (19. Jänner 2011)
- Palmsonntag (17. März 2011)
- Ostern (24. April 2011)
- Verkündigungsfest (7. April 2011)
- Christi Himmelfahrt (2. Juni 2011)
- Pfingsten (12. Juni 2011)
Koptische Kirche in Ägypten
Etwa acht Millionen Menschen, rund zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung, sind Anhänger des Christentums. Der Großteil davon gehört der koptischen Glaubensrichtung an. Die koptische Weihnacht wurde 2002 zum Feiertag in Ägypten erklärt. Dennoch beklagen viele Kopten gesellschaftliche und politische Benachteiligungen und sehen sich, vor allem in Oberägypten, häufig mit Gewalttaten konfrontiert. 2001 kamen 21 Kopten und ein Muslim bei einem Massaker in El Kosheh ums Leben. Im Jahr 2002 kam es zu Unruhen bei einer Einweihung einer koptischen Kirche und 2006 wurden 17 Gläubige, bei Anschlägen auf Kirchen in Alexandria, verletzt und einer getötet. Menschenrechtsorganisationen zählen zwischen 2008 und 2010 etwa 60 ähnliche Gewalttaten. Beim Jahreswechsel, von 2010 auf 2011, kamen bei einem Bombenanschlag, auf eine koptische Kirche in Alexandria, mindestens 21 Menschen ums Leben.
Koptische Kirche in Österreich und Deutschland
Die koptische Kirche unterhält in Österreich ein Kloster in Obersiebenbrunn (in der Nähe von Wien) und Kirchen in Wien, Graz, Linz, Bruck an der Mur und Klagenfurt. In Deutschland verfügt die koptische Kirche über 10 Gemeinden (unter anderem in München, Frankfurt und Berlin) und zwei Klöster (Kloster mit Bischofssitz Brenkhausen und ein Kloster Waldsolms-Kröffelbach). Neben den koptischen Gemeinden in Ägypten, Österreich und Deutschland finden sich noch 41 Kirchen in den USA, 13 in Australien und sieben koptische Kirchen in Kanada.
