Die Fäden der im Jahr 2006 neu gegründeten GmbH hält Geschäftsführer Jens Lipsdorf in der Hand. Inzwischen hat sich das kleine Unternehmen in Deutschland und Europa etabliert. Das Sortiment umfast Quasten, Borten, Kordeln, Fransen und viele andere Dinge, die aus unterschiedlichsten Materialien wie beispielsweise Seide, Kunstseide, Baumwolle oder Wolle hergestellt werden. Abnehmer sind Schlösser, Theater, Bühnenausstatter und sogar die Babelsberger Filmstudios.
Königlicher Hoflieferant
Die Ursprünge der Posamenten-Manufaktur gehen bis ins Jahr 1884 zurück, als Theodor Wagler das Posamentierhandwerk erlernte und am 17. Juni in Berlin seine Firma gründete. 1910 erhielt das Unternehmen vom preußischen Staat das Prädikat "Königlicher Hoflieferant" verliehen. Günter Wagler hatte sich seit 1962 in dritter Generation um das Unternehmen gekümmert. Im September 2006 ging der Firmenbesitz in die neue Posamenten-Manufaktur Forst GmbH über.
Lange Textiltradition in Forst
Das kleine Städtchen Forst blickt auf eine lange Textiltradition zurück und war vor allem zu DDR-Zeiten ein wichtiger Produktionsstandort. Hier fanden sich schnell interessierte Menschen. Der Posamentiermeister wurde in Forst mit offenen Armen empfangen. Unternehmer und ehemalige Textilarbeiter schlossen sich zusammen, auch die Wirtschaftsförderung der Stadt unterstützte die Gründung der GmbH.
Bis zur fertigen Kordel oder Quaste sind viele kleine Arbeitsschritte nötig. Gelernte Tuchweber fertigen die verschiedenen Web- und Knüpfstücke an. Vor allem mit dem Angebot individueller Sonderanfertigungen haben die Forster eine Nische gefunden.
Auszeichnung für Denkmalpflege in Europa
Die Posamenten-Manufaktur Forst GmbH wurde im November 2010 für die Bewahrung und Fortführung der Tradition eines vom Aussterben bedrohten Handwerks mit der Goldmedaille für herausragende Leistungen in der Denkmalpflege in Europa ausgezeichnet.
In Deutschland gibt es nur noch wenige Posamentierer, die handgemachte Stoffverzierungen für Lampen, Vorhänge oder Möbel anfertigten. Potenzielle Kunden für die Quasten, Borten, Fransen oder Kordeln sind unter anderem Polsterer, Raumausstatter, Bühnenbildner sowie Theater- und Filmleute. Die Posamenten-Manufaktur Forst kann auf zahlreiche Stammkunden zurückgreifen. Zudem wurden über das Internet moderne Vertriebsstrukturen aufgebaut.
Die ersten Tuchmacher siedelten sich bereits 1418 in Forst an. 1746 wurde im Stadtschloss die erste Tuch- und Leinenmanufaktur errichtet. Der Ort erhielt Anfang des 19. Jahrhunderts den Beinamen „Deutsches Manchester", denn bereits 1906 gab es in der Stadt 200 Fabriken, die die englische Herstellungstechnik Buckskins anwendeten. 11.000 Menschen arbeiteten zu dieser Zeit in der Textilindustrie. 1844 wurde die erste Dampfmaschine in Betrieb gesetzt. In den 30er-Jahren hatte statistisch gesehen jeder Fünfte Deutsche einen Anzug aus Forst. Auf den 4500 Webstühlen wurden jährlich rund 20 Millionen Tuch hergestellt. Damals zählte die Stadt fast 45.000 Einwohner. Heute ist die Zahl nur halb so groß. Nach dem Krieg waren 1966 wieder 30 Tuchfabriken in Betrieb. In den 70er und Anfang der 80er-Jahre arbeiteten rund 3000 Menschen in der Textilbranche.
