Korruption oder Verleumdung?

Studierendenvertretung oder kleptomaner Sumpf? - AStA Universität Duisburg
Studierendenvertretung oder kleptomaner Sumpf? - AStA Universität Duisburg
An der Universität Duisburg-Essen stehen sich AStA und Opposition konfrontativer gegenüber als anderswo.

Es begab sich Mitte des Jahres 2011, dass ein anonymes Schreiben, publiziert von einem gewissen „Sumpfgeist“, über verschiedene Verteiler ging. Das Schreiben richtete sich an verschiedene Studierendenvertreter, Polizei und Staatsanwaltschaft sowie auch die Presse. Mitte des Jahres erregte dieses Schreiben noch wenig Aufsehen, doch inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen acht Personen, die noch im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) aktiv sind, oder es waren. Der AStA selbst streitet die Anschuldigungen naturgemäß ab.

Mehr als nur politisches Klein-Klein

Doch die Anschuldigungen wiegen schwer und sind sicher auch nicht so aus der Luft gegriffen, wie man seitens des AStA behauptet. Denn ohne genügenden Anfangsverdacht nimmt die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gar nicht erst auf. Die Vorwürfe wirken jedoch auch zu unfassbar, als das man ihnen unmittelbar glauben schenken möchte. Die Rede ist von Korruption, Untreue und Betrug. So wird dem aktuellen Referenten für Finanzen, Borislav Schön, vorgeworfen, er hinterziehe über die AStA Duisburg-Essen Service GmbH, welcher er als Geschäftsführer vorsteht, massiv Gelder der Studierendenschaft. Der Referent für Öffentlichkeit, Jan Bauer, soll ebenfalls über Veranstaltungen im KKC, welches durch die AStA Duisburg-Essen GmbH bewirtschaftet wird, in größerem Rahmen Gelder der Studierendenschaft in die eigene Tasche umverteilt haben. Primär ist von der Rock University die Rede, die regen Zulauf hat, jedoch keine Gewinne abwirft.

Tappen und Schlagen im Dunkeln

Sowohl das Verhalten der Opposition als auch das des AStA gleicht einer Schlacht im dichten Nebel. Man schlägt und haut wild aufeinander ein, in der Hoffnung, einen Treffer zu landen. Der gegenseitige grobe Umgang miteinander hat so in den vergangenen Jahren zu einer sukzessiven Entpolitisierung der Studierendenschaft geführt – Schuld daran sind sicher beide.

Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen haben also auch eine reinigende Wirkung. Zum ersten Mal könnten Zahlen auf den Tisch kommen, die der AStA seit Jahren verschweigt, etwa die Daten der AStA-Service GmbH, die dem Haushaltsausschuss eigentlich halbjährlich vorgelegt werden müssten, was jedoch bisher immer unterlassen wurde. So könnte zumindest eine höhere Transparenz hergestellt werden, denn die Studierendenschaft ist immerhin hundertprozentiger Anteilseigner der GmbH.

Nach der Schlammschlacht ist vor dem Prozess

Bevor ein Gerichtsverfahren, wenn es denn eröffnet wird, beginnen kann, wird es jedoch zuerst eine mediale Schlammschlacht geben. Die Argumente werden sich, wie auch in der Vergangenheit, dabei wiederholen. Die Vorwürfe sind so alt, wie die Antwort, sie seien nur aus der Luft gegriffen. Viel Neues haben beide Seiten nicht beizutragen gewusst. Eine Erhellung des Sachverhalts wird wahrscheinlich nur durch eine strafrechtliche Untersuchung zu erreichen sein. Allein deswegen ist sie notwendig – für beide Seiten.

Der Wille zur Aufklärung scheint jedoch nicht auf beiden Seiten gleich stark ausgeprägt zu sein, wie das Verhalten des AStA in der Wahlwoche zeigte. Mutmaßliche Sabotage- und Manipulationsversuche bestimmten über die Woche hinweg das Gespräch auf dem Campus, am Freitag Abend wurde dann noch eine Urne entwendet.

Daniel , D.L.

Daniel Lucas - Daniel Lucas ist Student der Germanistik und Philosophie an der Universität Duisburg-Essen. Seine publizistische Tätigkeit umfasst im ...

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