
- Sprachen lernen - Gerd Altmann
Eine Fremdsprache zu sprechen ist in vielen Lebensbereichen vorteilhaft. Außerdem bringt es viel Freude, wenn man mit Menschen aus anderen Ländern in ihrer Muttersprache sprechen kann. Doch nicht alle hatten das Glück, in der Schule genau die Sprache zu lernen, die sie später für einen Job oder Auslandsaufenthalt brauchen. Die meisten traditionellen Möglichkeiten, eine Sprache nach der Schulzeit zu lernen, sind sehr kostenintensiv und bringen doch oft nicht den gewünschten Effekt. Im Web 2.0 bieten sich neue Arten des Sprachenlernens an, die mit den richtigen Tricks auch kostenlos bleiben.
Erste Vokabeln in Sprachportalen
Die ersten Schritte geht man am besten in einem Sprachportal wie busuu.com oder livemocha.com. Das sind Online-Plattformen auf denen kostenlose Kurse angeboten werden, um spielerisch erste Vokabeln zu lernen und sich mit der Aussprache vertraut zu machen. Hierbei hat busuu.com das interessantere Konzept. Im Vergleich zu livemocha.com hat es noch immer relativ wenige Sprachen. Schritt für Schritt werden weitere Sprachen hinzugefügt und von 2008 bis 2011 ist die Anzahl auf zehn Sprachen gewachsen. Livemocha.com dagegen hat Kurse in über 30 Sprachen, hier findet also fast jeder genau die Sprache, die er braucht. Ein gutes kostenloses Angebot hatte früher auch babbel.de, doch jetzt ist es vollständig auf bezahlte Inhalte umgestiegen
Mit interessanten Themen Hör- und Leseverstehen vertiefen
Wenn man schon ein paar Grundkenntnisse der Sprache erworben hat, hat es nicht mehr so viel Sinn, neue Wörter ohne Kontext zu lernen. Sowieso merkt man sich Vokabeln in Satzkombinationen viel besser als einzeln. Also sollte man anfangen, Texte zu lesen, und zwar vor allem über die Themen, die einen interessieren. Eine einfache und effektive Quelle ist Wikipedia. Es gibt Texte zu allen möglichen und unmöglichen Themen in allen Sprachen der Welt. Mit einem kostenlosen Online-Wörterbuch (etwa Pauker.at) kann man die Wörter erschließen, die man noch nicht kennt. Diesen Effekt kann man mit ein wenig Zeitaufwand noch verstärken, indem man die Wörter in einen kostenlosen Vokabeltrainer einträgt (lingoversity oder, für Linux-Nutzer, Parley). Bei einigen Online-Wörterbüchern kann man sich auch kostenlos anmelden und dann eine Vokabeltrainer-Funktion nutzen.
Texte nicht nur lesen, sondern auch hören kann man bei lingQ.com. Dieses Sprachprogramm verfolgt einen ganz anderen Ansatz als die meisten anderen: Der Lernende sucht sich die Texte aus, die ihn interessieren, hört und liest sie immer wieder, um ein Gefühl für die Sprache zu bekommen. Neue Vokabeln werden markiert, und das Programm zählt alle Wörter, die man schon kann. Für neue Texte wird der Prozentsatz noch unbekannter Wörter angezeigt, sodass man sich einen sinnvollen Text aussuchen kann, der einen weder über- noch unterfordert. Leider kann man innerhalb von lingQ.com kostenlos nur 100 Vokabeln speichern. Doch mit einem eigenen Vokabeltrainer kann man hier doch vor allem das Hör- und Leseverstehen sehr gut trainieren und viele neue Wörter lernen.
Sprechen und Schreiben der neuen Sprache trainieren
Um die neue Sprache dann auch Sprechen und Schreiben zu lernen, helfen wieder die Sprachportale weiter. Denn hier kann man über ein Chatprogramm mit Muttersprachlern kommunizieren – schriftlich, aber auch mündlich. Busuu.com bietet hier auch Gesprächsthemen als Aufhänger. Das hilft, sinnvolle Gespräche über den normalen Smalltalk hinaus zu führen. Schreibübungen sind in die Kurse integriert. Man schreibt in der neuen Sprache einen Text, der von Muttersprachlern korrigiert wird. Die kostenlosen Inhalte der Sprachportale leben hier von der Mithilfe aller Lernenden. Wer also eine Schreibübung korrigiert bekommen hat, sollte dann auch die eines Anderen in seiner Muttersprache korrigieren.
Die Grammatik verstehen
Die Sprachportale bieten auch Grammatikübungen und -erklärungen an, jedoch sind diese nicht mehr kostenfrei. Das ist aber nicht schlimm, denn um eine Sprache zu verstehen benötigt man vordergründig Vokabeln und Sprachgefühl. Aber oft versteht man doch erst mit guten Grammatikkenntnissen die Feinheiten der Sprache. Hier ist es etwas schwieriger, kostenlose Inhalte zu finden, die auch gut aufbereitet sind. Für Englisch, Französisch und Spanisch finden sich natürlich bei den Suchmaschinen zahlreiche Seiten, aber für weniger wichtige Sprachen wird es schwierig. Für einige Sprachen gibt es gute Lehrbücher auf Wikibooks.
Um eine Sprache zu lernen braucht man immer vor allem eines: Viel Engagement und Durchhaltevermögen. Die kostenlosen Tools im Internet können dabei helfen und sind oft kurzweiliger als ein Selbstlernkurs. Sie sind eine perfekte Vorbereitung für Aufenthalte im Ausland. Wer aber nur im Internet lernt, dem wird doch der persönliche, direkte Austausch mit einem Lehrer oder Muttersprachler fehlen.
