KPV NF – Forderung nach mehr "Einmischung" in Schule und Bildung

Reges Interesse bei
Reges Interesse bei "Schule und Bildung" - Wiebke Hilgers-Weber
Auf dem 1. Kongress "Demografischer Wandel - Schule und Bildung" der KPV NF wurde mehr "Einmischung" der BürgerInnen in Schul- und Bildungsfragen gefordert.

Zum Kongress der Kommunalpolitischen Vereinigung in der CDU Nordfriesland (KPV NF) waren alle interessierten Bürger sowie alle Mandats- und Entscheidungsträger des Kreises ins NCC nach Husum eingeladen worden. Referate von Landrat Dieter Harrsen und der Erziehungswissenschaftlerin und Husumer Leiterin des Fachbereichs Jugend, Soziales, Arbeit und Senioren sowie des Fachbereichs Kreisentwicklung, Bau und Umwelt , Gabriele Lamers, bildeten die Basis der Diskussion. Durch die Veranstaltung führte CDU-Kreisgeschäftsführer und KPV NF-Vorsitzender Christian Schmidt.

Ein Masterplan zeigt die Folgen des demografischen Wandels in Nordfriesland klar auf

Zu den zentralen Themen der aktuellen Bildungsproblematik zählen nach Ansicht von Lamers vor allem eine einheitliche Ganztagsbetreuung auch für Kleinstkinder bis zu ihrem dritten Lebensjahr, die Verhinderung von ausbildungsunfähigen Schulabbrechern und eine zu große Konkurrenz unter den einzelnen Lehranstalten. Um die unter Zwanzigjährigen noch besser zu fördern, solle es in Zukunft mehr Kooperationsbereitschaft statt Konkurrenzdenken bei den Schulen geben, mehr Netzwerkarbeit bei Kommunen, Elternschaft, Lehrern und Mandatsträgern, sowie mehr Basis- und ehrenamtliches Tun generell in den Städten wie in den Dörfern gleichermaßen.

"Motivieren Sie die Bürgern zur ehrenamtlichen Mitarbeit in der Bildung!"

"Gehen Sie in Ihre Gemeinden und versuchen Sie, flächendeckende Einrichtungen zu schaffen und mehr Bürger dafür zu motivieren", forderte Lamers die Anwesenden auf. Gerade das soziale Gefüge, früher in den Dorfgemeinschaften gemeinhin eine Selbstverständlichkeit, würde heutzutage auseinanderfallen und mehr Separatismus mit sich bringen.

Eine wohlgemeinte, liebevolle und partnerschaftliche Unterstützung aber, wie wir sie noch von unseren Großeltern kennen, ist heute eher die Ausnahme. Die Betreuung von Kleinkindern bleibt vielfach den KiTas überlassen, und wenn es an Plätzen fehlt, bleiben die Mütter heutzutage häufig zu Hause, anstatt ihrem Wunsch nach einer geregelten Berufstätigkeit nachzukommen.

In Nordfriesland werden überproportional viele neue Arbeitsplätze geschaffen

Die Folgen wiegen schwer: In Nordfriesland, das weist der Masterplan deutlich aus, werden überproportional zum übrigen Teil des Bundeslandes Schleswig-Holstein, viele Arbeitsplätze geschaffen und das Einkommen pro Kopf gesteigert. Hier nicht in Bildung und Kinderbetreuung zu investieren, schadet der Wirtschaft enorm. Zudem profitieren alle Generationen von einem gemeinsamen Miteinander, auch die Senioren, die wieder eine für sie sehr befriedigende neue Lebensphase erleben ohne Einsamkeit und Langeweile und mit Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, dem Gefühl, gebraucht zu werden.

Besonders problematisch ist die hohe Zahl an Schulabbrechern

Besonders die immense Anzahl an Schulabbrechern bereitet Kopfzerbrechen. Jeder fünfte Jugendliche bricht die Schule ab, verlässt diese also vorzeitig und ohne Abschluss. Ein langer Weg, der häufig in die Dauerarbeitslosigkeit führt, bahnt sich damit an. Hier muss dringend etwas geschehen, um den Jugendlichen doch noch eine Chance zu geben – und auf der anderen Seite der Gesellschaft hohe Kosten zu ersparen.

Trotz eines Abschlusses ist das erlernte Wissen häufig nur minimal vorhanden! Was nun?

Nicht nur diese Gruppe braucht besondere Beachtung, sondern auch jene, die zwar einen Abschluss in der Tasche hat, deren erlerntes Wissen aber so minimal ist, dass sie unfähig zu einer Ausbildung ist. Vielfach ist kaum einer, der neun oder zehn Jahre Unterricht hinter sich hat, des Lesens und Schreibens mächtig, Mathematik ist für viele ein Fremdwort, von den Inhalten der Nebenfächer ganz zu schweigen. Dieses erschreckende Manko sehen längst nicht nur Pädagogen, sondern alle Beteiligten. Sie erkennen: Das Einüben und Erlernen von ausbildungsnotwendigen Kenntnissen wird häufig nahezu unmöglich. Doch weil gemeinsam nun einmal alles besser geht, sind für viel Geld mit der Handwerkerschaft bereits Maßnahmen in Gang gesetzt worden, die ein bisschen Bildung vermitteln sollen.

Werden Handwerksmeister demnächst Unterricht in den Schulklassen geben?

Weil die Kongressleitung es nicht alleine bei einer Kennzeichnung von Missständen belassen, sondern Vorschläge von TeilnehmerInnen hören wollte, die zu einer Verbesserung führen können, gab es viele interessante Ideen. Eine dieser Gedankengänge: Man solle künftig doch Handwerksmeister in die Schulen schicken, die dann über das in der Ausbildung notwendige Wissen referieren. Ob diese gestandenen Männer und Frauen allerdings dazu noch dieses Quantum an Zeit aufbringen, bleibt dahingestellt.

Der Schülersprecher benannte konkrete Probleme aus der Sicht der Jugendlichen

Mit dem Willen zur Verzahnung von Schule und Beruf lagen die erwachsenen Kongressteilnehmer keinesfalls daneben. Auch der Schülersprecher der Husumer Gelehrtenschule (Hermann-Tast-Schule), Arne, äußerte sich dazu. Er bemängelte, dass erst in der Oberstufe seines Gymnasiums ein "richtiges" Wirtschaftspraktikum absolviert würde und das in der neunten Klasse hingegen keinen hohen Stellenwert habe.

Und, ergänzte der Siebzehnjährige: "Wenn ein Schüler aber nach der zehnten Klasse geht, hat er noch kein Bewerbungstraining gehabt und steht ohne Lebenslauf und ohne das Training da." Sein Wunsch daher: "Es wäre wichtig, wenn die Vorbereitung auf die Arbeitswelt schon in der Mittelstufe beginnen würde. Dann könnte man darauf aufbauen." Stimmt. Und man könnte vielleicht dadurch schulmüde Jugendliche dazu bewegen, doch noch bis zum Schluss zu bleiben. Ein Gedanke, den man verfolgen sollte.

Wiebke Hilgers-Weber, Wiebke Hilgers-Weber

Wiebke Hilgers-Weber - Ja, ich liebe meinen Beruf als Journalistin und Autorin sehr. Alles, was mit Menschen zu tun, interessiert mich: Wer sie sind, was sie ...

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