
- Tee aus Kräutern: Beliebt und meistens gesund - Apothekergarten Ulm
Kräuter- und Früchtetees gelten den Einen als Krankenhausgesöff, bei den Anderen sind sie sehr beliebt und die Auswahl ist beträchtlich. Man kann zu altbekannten Kräutertees wie Pfefferminz- oder Kamillentee greifen oder auch einen exotischen Rooibos wählen und wer Früchtetee liebt, muss sich nicht zwischen Hagebutte und Apfel entscheiden, denn mittlerweile gibt es die tollsten Mischungen, in denen sogar Gummibärchen mit enthalten sein können. Doch wer gerne Kräuter- oder Früchtetee trinkt, sollte auch ein paar Dinge bedenken.
Teeähnliche Erzeugnisse
Genau genommen, ist der Kräuter und Früchtetee gar kein Tee, sondern dem Deutschen Lebensmittelbuch zufolge ein teeähnliches Erzeugnis. Richtiger Tee dagegen, wird aus der Teepflanze Camellia sinensis hergestellt, die in Ostasien angepflanzt wird und aus der man durch unterschiedliche Verarbeitung Grünen Tee, Schwarztee und auch ein paar weniger bekannte Sorten, wie Weißer Tee gewinnt. Die aus Früchten und Kräutern gewonnenen Aufgüsse werden erst seit dem frühen 18. Jahrhundert in einigen Sprachen, darunter der deutschen, ebenfalls als Tee bezeichnet, bekannt sind sie jedoch schon weit länger. Um die heilende Wirkung mancher Kräuter wusste man schon vor Jahrtausenden und so ist es nicht erstaunlich, dass die Menschen irgendwann begannen, sie mit Wasser aufzugießen, um bestimmte Leiden zu lindern.
Heute trinkt man Kamillentee, bei Magen-Darmproblemen, Baldriantee bei Einschlafstörungen oder Ginsengtee bei Müdigkeit und Kreislaufproblemen, um nur wenige Beispiele zu nennen und natürlich kann man Tee nicht nur als Heilmittel, sondern auch einfach nur als Lebensmittel zu sich nehmen. So gilt Früchtetee vielen als idealer Durstlöscher, da er lediglich einen geringen Anteil an Fruchtzucker enthält. Meist ist er aus mehreren Früchten zusammengemischt, häufig sind Hibiskus, der sehr viel Vitamin C enthält, und Hagebuttenschalen als Grundbestandteil enthalten. Manche Menschen reagieren auf den Genuss von Früchtetee jedoch mit erhöhter Magensäure. Das kann zum einen an Hagebutte und Hibiskus, aber auch daran liegen, dass Aroma- und eventuell auch Farbstoffe enthalten sind, deshalb sollten empfindliche Menschen beim Kauf nach säurearmen Früchtetees fragen und wer grundsätzlich gerne natürlichen Tee möchte, sollte darauf achten, dass er frei von Aroma- und Farbstoffen ist.
Temperatur und Ziehzeiten einhalten
Ebenso bedenken sollte man, dass, da die Zutaten aus der Natur kommen, in seltenen Fällen Keime und Bakterien in den Teemischungen enthalten sein können, so beispielsweise Salmonellen oder Schimmelpilze. Abgetötet werden sie nur durch heißes Wasser von genügend hoher Temperatur und durch eine entsprechende Ziehdauer. Deshalb, so das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), ist es wichtig, dass man die Zubereitungsangaben beachtet, das heißt man sollte Früchte- und Kräutertees mit sprudelndheißem Wasser aufgießen und auch die angegebene Ziehdauer einhalten. Hält man sich nicht daran und gießt den Tee etwa nur mit warmem Wasser auf, kann das besonders für Säuglinge und Kleinkinder aber auch für krankheitsgeschwächte Menschen gesundheitliche Folgen haben.
Das BfR rät deshalb auch davon ab, Früchte- und Kräutertee mit Wasser aus Heißwasserspendern aufzugießen, da dieses nur Temperaturen von 80 bis 85 Grad Celsius erreicht. Bei einer Ziehzeit von fünf bis zehn Minuten kühlt es zu stark ab, um über die ganze Zeit eine Temperatur von 70 Grad Celsius zu gewährleisten. Diese ist dem BfR zufolge jedoch nötig, um auch sehr hitzebeständige Keime abzutöten. Ebenso sollte man die Tees nicht stundenlang stehenlassen, denn im Tee vorhandene Sporen werden auch durch das heiße Wasser nicht abgetötet und könnten, so das BfR, auskeimen.
Thujon im Salbei, Estragol im Fenchel
Grundsätzlich ist es so, dass auch Heilpflanzen Stoffe enthalten können, die in bestimmten Dosen gefährlich werden können, denn was aus der Natur kommt, ist nicht in jedem Fall gesund. So enthält etwa Salbei, ebenso wie beispielsweise auch Wermut oder Rosmarin, ein ätherisches Öl, zu dessen Bestandteilen Thujon gehört, ein Stoff der in höheren Dosierungen zu Durchfall, Erbrechen, Benommenheit, Nierenschäden, Herzrasen, sowie Krämpfen führen kann. Fenchelfrüchte wiederum enthalten, wie auch Basilikum oder Anis, Estragol, von dem man mittlerweile annimmt, dass es krebserregend sein könnte. Deshalb gibt es über diese und manch andere Tees immer wieder Diskussionen, ob man sie unbegrenzt zu sich nehmen sollte. Eine eindeutige Antwort darauf gibt es wohl nicht, dies zeigt auch die Auskunft der Firma Teva ratiopharm, die zusammen mit der Universität Ulm den Ulmer Apothekergarten betreibt, auf Anfrage an den Apothekergarten.
Eine Frage der Dosierung
So bestehen diverse Unsicherheitsfaktoren, beispielsweise darüber, inwiefern Daten aus Tierexperimenten − die Annahme, Estragol könnne krebserregend sein, beruht auf Experimenten mit Ratten und Mäusen – auf den Menschen übertragbar sind, ob man noch andere Lebensmittel konsumiert, in denen der gefährliche Stoff enthalten ist oder wie viel davon letztlich in den Tee übergeht. So kann man Teva ratiopharm zufolge davon ausgehen, dass bei der Zubereitung von Salbeitee nur geringe Mengen Thujon in den Tee übergehen. Während Auszüge mit hochprozentigem Alkohol viel Thujon anreicherten, enthielten Tees und wässrig alkoholische Auszüge sehr viel weniger Thujon und könnten als unbedenklich gelten. Prinzipiell verweist das Pharmaunternehmen jedoch darauf, dass alles eine Frage der Dosierung ist. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch ein Expertenteam der AOK, das auf die Anfrage einer Versicherten mitteilt, eine Trinkpause bei Salbeitee sei nicht nötig, wenn man nicht mehr als zwei bis drei Tassen pro Tag trinke.
In Sachen Fencheltee verweist Teva ratiopharm auf einen Artikel in der Zeitschrift Pharmaceutical Tribune aus dem Jahr 2010. Dieser zitiert den Züricher Professor Reinhard Saller. Saller zufolge nimmt der Mensch über Nahrungsmittel täglich die zehn- bis zwanzigfache Dosis Estragol auf, als in 100 Milliliter Fencheltee aus sechs Gramm Früchten enthalten sind. Dazu kommt, so heißt es im Artikel, dass die Früchte auch Inhaltsstoffe enthalten, denen eine krebsvorbeugende Wirkung nachgesagt wird. Saller entkräftet deshalb frühere Studien, die vor allem vor der Gabe von Fencheltee bei Säuglingen und Kleinkindern warnten und kommt zu dem Ergebnis, dass dieser weiterhin empfohlen werden kann. Jedoch erwähnt auch dieser Artikel gesundheitliche Folgen bei zu hoher Dosierung oder zu langer Anwendungsdauer. Die Dosierung ist es also wohl, die den Ausschlag gibt. Bei ratiopharm zitiert man Paracelsus: „Alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist."
Quellen: teagschwendner.com, apothekergarten-ulm.de, Deutsches Lebensmittelbuch,Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), aok.de, pharmaceutical tribune.at, eigene Recherche.
