Kräuterbrühe und Kräuterauszug, spezialisierte Helfer im Garten

Rainfarn für Brühe, Jauche und Tee - © knipseline / pixelio.de
Rainfarn für Brühe, Jauche und Tee - © knipseline / pixelio.de
Die Wirkstoffe der Kräuter lassen sich auf verschiedene Weise aus dem Gewebe herauszulösen. Brühen und Auszüge sind erprobte Alternativen zu Jauche und Tee.

Um die verschiedenen Inhaltsstoffe der Kräuter zugänglich zu machen, sind unterschiedliche Zubereitungarten geeignet, die unterschiedliche Vor- oder Nachteile haben. In den vielfältigen Herstellungsverfahren werden bestimmte Wirkstoffe der Kräuter besonders gut gelöst, die dann spezielle Probleme effektiv in den Griff bekommen. Jauche hat beispielsweise ein breites Wirkspektrum mit meist durchschlagendem Erfolg und ist lange haltbar. Kräutertee ist dafür problemlos in der Herstellung und stinkt nicht. Auszüge und Brühen liegen irgendwo dazwischen und sind meist für ganz bestimmte Anwendungsbereiche geeignet.

Die Herstellung von Kräuterauszug und Kräuterbrühe

Für einen Auszug werden frische oder getrocknete Kräuter gut zerkleinert, in kaltem Wasser eingeweicht und mindestens einen Tag, höchstens jedoch 3 Tage stehen gelassen. Danach müssen die Pflanzenreste abgesiebt werden. Stehen die Auszüge länger als drei Tage, fangen sie zu gären an und es entsteht eine Jauche.

Eine Brühe entsteht durch Abkochen. Auch hier werden die Kräuter gut zerkleinert, in Wasser gegeben und je nach Rezept eine Zeit lang eingeweicht. Anschließend wird der Ansatz 20 – 30 Minuten gekocht. Nun lässt man die Brühe im abgedeckten Topf erkalten. Nach dem Durchsieben kommen die Kräuterreste auf den Kompost. Eine Brühe sollte schnell verbraucht werden. Geht sie in Gärung über, eignet sie sich noch zum Düngen.

Kräuterauszüge für spezielle Zwecke

  • Baldrianauszug wird hergestellt, indem die frische Blüte gut zerrieben, mit wenig Wasser durch den Fleischwolf gedreht oder zu Saft gepresst wird. Ein Tropfen kommt auf einen Liter Wasser. Es wird fünf Minuten gerührt. Dieser Auszug wird unverdünnt auf die Pflanze gebracht. Vor der Blüte und während der Fruchtbildung eingesetzt, begünstigt er diese. Er kann auch als Frostschutz bei Obstbäumen und Beerensträuchern ausgebracht werden, wenn Frost vorhergesagt ist. Er fördert gesundes Tomatenwachstum und kann als Saatbeize verwendet werden.
  • Brennnesselauszug wird unverdünnt gegen Blattläuse an Rosen und gegen die Lauchmotte eingesetzt. 1kg frisches oder 150g getrocknetes Kraut werden in 10 Liter Wasser angesetzt und 24 Stunden eingeweicht.
  • Farnkrautauszug wird leicht verdünnt. Auf ½ Liter Wasser kommen 5g getrocknetes Kraut. Bei Befall mit Schildläusen wird die abgebürstete Rinde von Obstbäumen damit bepinselt.
  • Holunderblätterauszug wird fünffach verdünnt auf die Pflanzen gegossen. Er hilft vorbeugend und bei Befall gegen Kohlweißling und Erdraupen. 1kg frische Blätter werden in10 Liter Wasser angesetzt.
  • Kamillenauszug wird fünffach verdünnt. Eine Handvoll getrockneter Kamillenblüten werden mit 1 Liter Wasser angesetzt. Der Auszug ist fäulnishemmend, fördert gesundes Wachstum und dient als Saatbeize.
  • Rhabarberauszug hilft unverdünnt gegen schwarze Bohnenläuse. 500g frische Blätter werden in 3 Liter Wasser angesetzt.
  • Schafgarbenauszug wird an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Abstand von 14 Tagen mehrmals ausgebracht. Er hilft gegen Blattflecken- und Kräuselkrankheit, Echten Mehltau und Monilia. Dafür müssen 1kg frische oder 100g getrocknete Pflanze mit 5 Liter Wasser angesetzt werden.
  • Tomatenauszug hilft gegen Erbsenwickler, Erdraupen und Kohlweißling. Der Geruch iritiert die Falter. Die zweifache Verdünnung wird kurz vor und während der Flugzeit täglich gespritzt. 30g Tomatengeize werden dafür mit 2 Liter Wasser angesetzt.

Kräuterbrühe gegen Ungeziefer und Krankheiten

  • Ackerschachtelhalmbrühe wird fünffach verdünnt in einen Lehmbrei gemischt, in den man bei Kohlhernie die Setzlinge eintaucht. Dreifach verdünnt hilft sie gegen Rost, Grauschimmelfäule und Kohlhernie, wenn sie alle 3 Wochen an drei aufeinanderfolgenden Tagen in die befallenen Pflanzen gespritzt wird. Die Brühe wird mit 1kg frischem Kraut oder 150g getrocknetem Kraut auf 10 Liter Wasser angesetzt.
  • Brennnesselbrühe wird fünffach verdünnt gegen Rutenkrankheit und Kohlgallenrüssler gespritzt. Hier werden auf 10 Liter Wasser 1kg frisches oder 20g getrocknetes Kraut benötigt.
  • Kamillenbrühe hilft ebenfalls gegen die Himbeerrutenkrankheit, wenn sie fünffach verdünnt mehrere Male im Anstand von zwei Wochen an drei aufeinanderfolgenden Tagen ausgebracht wird. Es werden 100g getrocknetes Kraut für 10 Liter Wasser benötigt.
  • Meerrettichbrühe wird unverdünnt gegen Monilia-Fruchtfäule bei Kernobst und Spitzendürre bei Steinobst eingesetzt. Für die Herstellung werden 300g Blätter und Wurzeln klein geschnitten, in 10 Liter Wasser eingeweicht und 20 Minuten gekocht.
  • Rainfarnbrühe wird hergestellt, indem 30g getrocknete oder 300g frische Blütenköpfchen in 3 Liter Wasser aufgekocht werden. Unverdünnt wird sie gegen Ungeziefer aller Art, besonders Erdflöhe benutzt. Im Verhältnis 1:3 verdünnt hilft sie vorbeugend gegen die Gallmilbe sowie gegen Rost und Mehltau.
  • Rhabarberblätterbrühe wird unverdünnt gegen schwarze Läuse an Bohnen, Kirschen und Holunder sowie gegen die Lauchmotte verwendet. 500g frische Blätter werden in 3 Liter Wasser aufgekocht.
  • Wermutbrühe wird angesetzt, indem auf 10 Liter Wasser 300g frisches Kraut oder 30g getrocknetes Kraut gegeben werden. Dreifach verdünnt wird sie gegen Blattläuse, Apfelwickler, Brombeermilbe und Johannisbeersäulenrost eingesetzt.
  • Zwiebelschalenbrühe wird unverdünnt bei der Kraut- und Knollenfäule der Tomaten sowie gegen Milben benutzt. Dafür werden 500g Schalen auf 5 Liter Wasser angesetzt. Die Brühe sollte 5 Tage stehen bleiben.

Quellen: Ingrid Gabriel, Gesunde Pflanzen im Biogarten, Falken Verlag 1984

Christa Weinrich OSB Abtei Fulda, Mischkultur im Hobbygarten, Eugen Ulmer KG, Stuttgart 2008

Bildnachweis: © knipseline / pixelio.de

Heike Sebastian, Heike Sebastian

Heike Sebastian - Sozialarbeiterin, Heilpraktikerin mit Schwerpunkt "Klassische Homöopathie", Schulleitung von "Feloidea", Institut für ...

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