Kraftwerk Moorburg bringt Energie für Hamburg

Baustelle Kraftwerk Moorburg - Daniel Kant
Baustelle Kraftwerk Moorburg - Daniel Kant
Anhaltende Proteste konnten das Projekt „Kraftwerk Moorburg" nicht aufhalten - das Dampfkraftwerk des Energiekonzerns Vattenfall geht ab 2012 in Betrieb.

Nach langem Hin und Her begann der Bau des neuen Dampfkraftwerkes in Moorburg im Jahre 2007, heute hat das gigantische Projekt bereits deutlich Form angenommen. Die über einhundert Meter hohen Dampferzeuger ragen hoch über das Gelände an der Elbe empor und die riesigen Kohlebunker warten am über sechshundert Meter langen Kai auf das Eintreffen der Steinkohle aus aller Welt. Überall auf dem Gelände umgeben noch hohe Kräne und angelieferte Baumaterialien das entstehende Kraftwerk, doch die enormen Ausmaße erschließen sich sofort jedem Betrachter. In der Hochphase des Unterfangens werden hier rund 2800 Arbeiter beschäftigt sein.

Ein Kraftprotz im Süden Hamburgs

Bei dem neuen Kraftwerk handelt es sich um ein kohlebefeuertes Dampfkraftwerk, mit zwei Blöcken, die jeweils im Teillastbetrieb eine elektrische Leistung von 827 MW erzeugen werden. Weiterhin wird es einen Anschluss an das Fernwärmenetz geben, die maximal erzeugbare thermische Leistung beträgt 225 MW pro Block und soll geplant rund 180.000 Haushalte erreichen. Je nach Bedarf kann dann Fernwärme und elektrische Leistung in das hamburger Energienetz eingespeist werden. Ohne Fernwärmeauskopplung kann der Kraftprotz die gesamte Stromversorgung Hamburgs übernehmen. Die voraussichtliche Betriebsdauer soll dabei mindestens 40 Jahre betragen.

Kraftwerk nach Stand der Technik

Das moderne Dampfkraftwerk zeichnet sich durch seinen vergleichbar hohen Wirkungsgrad von etwa 46,5% aus. Durch den Betrieb eines zunächst nicht geplanten Kühlturmes, verringert sich dieser jedoch auf 45%. Die für die Dampferzeugung notwendige Energie wird über die Verbrennung von feinem Kohlenstaub gewonnen. Die angelieferte Steinkohle wird zunächst in die beiden Kohlebunkern befördert, wo Brennstoff für 30 Tage Volllastbetrieb eingelagert werden kann. Von dort aus gelangt es über Förderbänder in die acht Kohlespeicher in Kesselhäusern, unter denen jeweils große Mühlen angeordnet sind. Diese zermahlen die Kohle zu feinem Staub, der energetisch günstiger verbrannt werden kann als die rohe Steinkohle.

Strom hat seinen Preis

Für die Befeuerung der Brenner werden täglich etwa 11.600 Tonnen Kohle benötigt, die aus verschiedenen Teilen der Erde, wie Russland und Südafrika importiert wird. Riesige Frachtschiffe mit Ladungen von bis zu 60.000 Tonnen Steinkohle werden dafür am Kai des Geländes rund um die Uhr entladen. Der Bau der Anlage verschlang aufgrund einiger Komplikationen und sich ändernder Genehmigungen bereits ca. 2,6 Milliarden Euro, anstelle der geplanten 1,8 Milliarden.

Auswirkungen auf die Umwelt

Das benötigte Kühlwasser für den Kraftwerksprozess (durchschnittlich 230 Kubikmeter pro Sekunde) wird der Elbe entnommen und nach der nötigen Aufbereitung dieser wieder zugeführt. Dabei darf das zurückgeführte Wasser aus umweltschutztechnischen Gründen nicht mehr als 3°C wärmer sein, als das entnommene Flusswasser. Aufgrund dieser Regelung musste ein Kühlturm errichtet werden, der an warmen Tagen für die Kühlung von mindestens einem der Kraftwerksblöcke verantwortlich sein wird. Um Anwohner nicht durch aufsteigenden Wasserdampf zu belästigen, erfolgt eine Heißlufteindüsung, die den weißen Dampf für das menschliche Auge unsichtbar macht. Um den Fischbestand zu schonen, werden an der Absaugung elektromagnetische Wellen ausgesandt, um Fische von ihr fern zu halten. Weiterhin wurde am Wehr in Geesthacht eine so genannte Fischtreppe errichtet (Kostenpunkt: rund 20 Millionen Euro), die dort den Fischen eine Umgehung der Barriere ermöglicht und den Zugang zu ihren Laichplätzen gestattet. So werden die trotz Vorkehrungsmaßnahmen entstehenden Verluste an anderer Stelle wieder ausgeglichen.

Die Abgasbehandlung durch Entschwefelung, Elektrofilter und Stickoxid-Abscheidung ist zeitgerecht und unterschreitet sogar an vielen Stellen den geforderten Grenzwert. Die Umweltbelastung durch den Ausstoß von Kohlendioxid liegt mit 750 Gramm CO2 pro im Netz abgegebener Kilowattstunde, etwa 200 Gramm niedriger als ältere Steinkohlekraftwerke. So werden bei voller Leistung jährlich etwa 2,3 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Bis 2020 soll das Kraftwerk Moorburg darüber hinaus noch durch ergänzende Maßnahmen zur CO2 – Abscheidung ergänzt werden, um den Prozess noch klimafreundlicher zu gestalten.

Die Hamburger können sich in Zukunft auf eine gesicherte Energieversorgung nach neuestem Stand der Technik freuen, die auch in Zukunft noch stetig nach umweltfreundlicheren Maßstäben verbessert wird.