Das Kraftwerk im Norden von Plessa ist eines der ältesten Braunkohlekraftwerke Europas. Glückliche Umstände führten dazu, dass es in seiner ursprünglichen Bausubstanz und Technik erhalten ist. Dieser authentische Ort der Arbeits-, Industrie- und Sozialgeschichte wird nun gesichert und soll erhalten werden. Das Werk soll als ein Symbol für den Strukturwandel in der Lausitz wirken und nachhaltig genutzt werden.

Das Werk

Vor der Entdeckung der Braunkohlevorräte war Plessa ein Dorf mit 400 Bauern und Fischern. In der Mitte des 19. Jahrhunderts begann der Abbau der Braunkohle. Das erfolgte zunächst im Tiefbau, erst später wurde der Tagebau aufgeschlossen. 1924 schrieb man im Tagebau „Agnes“ bei Plessa Bergbaugeschichte. Hier wurde die erste selbst verfahrbare Förderbrücke im Lausitzer Revier eingesetzt. Mit der Ausweitung des Tagebaus und des effizienteren Abbaus begann 1926 der Bau des Kraftwerks Plessa durch die Siemens-Schuckert-Werke. Bis 1942 wurde das Kraftwerk in drei Bauabschnitten bis auf seine heutige Größe erweitert

Das Ende

1992 wurde das Kraftwerk stillgelegt. Der Abriss der Bauten war vorgesehen. Aber 1998 wurde das Kraftwerk Plessa in die Projektliste der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land aufgenommen. Gleichzeitig gründete sich der Förderverein Kraftwerk Plessa e.V. Mit vereinten Kräften gelang es, den Abriss zu verhindern.

Nachnutzung

Einst war das Kraftwerk mit seinen beiden über 120 m hohen Kaminen Symbol für die Industrialisierung der Lausitz. Nun soll das Kraftwerk wieder ein Zukunftszeichen für die Region setzen. Viele Ideen sind entwickelt worden, um wieder Leben in das Denkmal zu bringen.

Im ersten Schritt wurde die Bausubstanz gesichert. Die noch vorhandenen technischen Anlagen wurden hergerichtet und bieten dem Besucher einen Blick in die Technik der Stromerzeugung und –verteilung in den späten 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts. Ein Besucherrundgang führt durch die wesentlichen Bereiche des Kraftwerks.

Der Rundgang

Ein geführter Rundgang beginnt am Kühlturm. Das interessante hölzerne Innenleben kann leider nur bei besonders gutem Wetter betrachtet werden, denn die Hülle der Kühltürme hat in den Jahrzehnten des Betriebs und den Stillstandszeiten arg gelitten und muss dringend saniert werden. Danach geht es zu Anlieferung der Kohle, die per Schmalspurbahn aus Tagebauen in der Nachbarschaft kam. Aus den Bunkern wurde sie zum Brecherwerk, einer Angst einflössenden Konstruktion, gebracht und dort zerkleinert. Per Eimerkettenförderer wurde sie zu den Hochbunkern über den Kesseln gebracht.

Dann ging es zu dem Verwaltungsgebäude, dass weitgehend wieder in den Originalzustand von 1928 versetzt wurde. Die Architektur dieser Zeit kann hier studiert werden. Ausstellungen informieren über Werk und Umfeld. Im Werksleiterbüro erstaunt eine Messgerätetafel. Der Werksleiter hatte die wichtigsten Betriebsdaten stets direkt im Blick. Im Büro des Ingenieurs lassen Rollenschrank, Lichtpausanlage und ein Original Zeichenbrett das Leben des Technikers vor der Zeit der Computer lebendig werden.

Dann geht es ins Kesselhaus. Zwei Kessel sind noch erhalten und beeindrucken durch ihre Maße. In der benachbarten Maschinenhalle steht noch die erste 10 MW Turbine von 1927 mit Generator und Erregermaschine. Die ursprünglichen Mess- und Steuereinrichtungen sind noch vorhanden. Die Anlage wurde aber später aus einem neuen Leitstand heraus geführt.

Dann folgen die Schaltwarte und die diversen Schalteinrichtungen. Marmor als Trägermaterial für die funkelnden Messgeräte und die formschönen Schalter lassen das Herz technikbegeisterter Menschen höher schlagen. Das Innenleben dieser Anlagen kann auch besichtigt werden, denn sie sind ja heute nicht unter Spannung.

Zukunftsmusik

Im zweiten Schritt ist geplant, einen Teil des Kraftwerks wieder gewerblich zu nutzen und regionale Wirtschaftskreisläufe zu initiieren. Durch kulturelle und gewerbliche Nachnutzung entsteht ein neuer „Ort der Arbeit“. Dieses Wechselspiel ist die Grundlage einer nachhaltigen Entwicklung des Standortes in einer schrumpfenden Region wie der Lausitz.

Weitere Denkmale an der Route Lausitzer Industriekultur sind unter anderem das Besucherbergwerk F60 in Lichterfeld, und Brikettfabrik „Louise“ in Domsdorf.

Anschrift

Kraftwerk Plessa, Nordstraße 1-3, 04928 Plessa, Fon 03533 / 60 72 0

Anfahrt mit dem Auto

A 13 bis Anschlussstelle Ruhland, weiter auf der B 169 in Richtung Lauchammer bzw. Elsterwerda bis Plessa. In Plessa Abfahrt Richtung Döllingen / Hohenleipisch. Hinter der Bahnunterführung rechts in die Nordstraße.