
- Die Isaac Synagoge in Krakau - François Maher Presley
Die Polen nennen sie liebevoll die heimliche Hauptstadt, und tatsächlich war die in Südpolen an der Weichsel gelegene, baulich wunderschöne Metropole mit ca. 750.000 Einwohnern einmal die Hauptstadt des Landes, nämlich im 11. Jh. bis 1594 ein Großbrand sie zerstörte und König Zygmunt III. Waza, seines Schlosses beraubt, Warschau zur neuen Hauptstadt erkor. Die erste Teilung Polens machte die Stadt zur russischen Grenzstadt (1772), 1795, die dritte Teilung des Landes schlug sie Österreich zu. Nach 30jähriger Unabhängigkeit wurden die Stadt und die Republik Krakau den Habsburgern zugeschlagen, und zuletzt wurde sie 1939 durch die deutschen Besatzer zur Hauptstadt des Generalgouvernements Polen ernannt. Von hier aus betrieb Statthalter Hans Frank seine unvorstellbare Ausrottung der jüdischen Bevölkerung.
Die Altstadt Krakaus als Weltkulturerbe
Die Altstadt Krakaus ist heute Weltkulturerbe und zum größten Teil sehr gut und liebevoll restauriert worden. Hier auf den Bildern sind der Schlossberg am Ufer der Weichsel, das Schloss, die Kathedrale der heiligen Wenzel und Stanislaus, in der zwischen dem 14. und 17. Jh. fast alle polnischen Könige gekrönt und auch später ihre letzte Ruhestätte neben verschiedenen Nationalhelden, Kirchenfürsten und Heiligen fanden und Wirtschaftsgebäude zu sehen.
1335 wurde der heute östlich des Wawel liegende Stadtteil Kazimierz als eigene Stadt gegründet. 1495 mussten dann alle Juden aus Krakau in diese ummauerte Stadt umsiedeln. Von den 70.000 dort lebenden Juden 1939 überlebten nur etwa 12.000 das so genannte "Dritte Reich". Hier auf den Bildern ist eine typische Einkaufsstraße zu sehen, wenige Kilometer weiter in Auschwitz liest man dieselben Namen unter Fotos zum Gedenken an ihre Ermordung. Die Stadt Kazimiers sollte in eine Museumsstadt verwandelt werden, um den Untergang einer Rasse zu dokumentieren, so wollten es die Deutschen.
Sakralbauten, Schlösser, Bildung und Wissenschaft
Neben der im 16. Jh. errichteten Stara Synagoga findet sich das angeschlossene Muzeum Judaistyczne, in dem die Geschichte und Kultur der Krakauer Juden erläutert werden. Die noch als Museum genutzte Isaac Synagoge zeugt von der großen jüdischen Geschichte der Stadt.
Krakau war immer auch die Metropole der Kunst und Kultur, der Bildung und der Wissenschaft. Auch heute findet man wieder in den Straßen und Gassen Musiker, Maler und Schausteller. Die sehr prächtige Ausschmückung der Koscioi Bogzo Ciala zum Beispiel zeugt von der Bedeutung der Stadt, wirkt allerdings auch bedrückend, ein Symbol der katholischen Staatsmacht.
Die Universität der Stadt
Das Collegium Malus entstand Ende des 15. Jahrhunderts, indem verschiedene Bürgerhäuser zusammengelegt wurden. Das sich darin befindliche Universitätsmuseum dokumentiert die Geschichte der Einrichtung. Hier studierten u.a. Nikolaus Kopernikus, dessen alte Instrumente hier ausgestellt werden, und Papst Johannes Paul II.
Um 11 und um 13 Uhr öffnen sich auf dem Balkon unter der Uhr zwei Pforten, aus denen, zu Fanfarenklängen, eine Prozession von Gelehrten und Studenten aus Holz wandelt.
