
- Frau/Kopfschmerz - DAK
Stress ist mittlerweile das zweithäufigste arbeitsbedingte Gesundheitsproblem. Laut einer Studie der Europäischen Beobachtungsstelle für berufsbedingte Risiken in Bilbao vom 04.02.2008 zufolge, leidet fast jeder vierte EU-Bürger unter arbeitsbedingtem Stress.
Ursachen
Arbeitnehmer, die sich nicht angemessen wertgeschätzt fühlen, leiden unter Dauerstress. Die Folge: Sie haben ein doppelt so hohes Risiko, an einem Herzinfarkt oder einer Depression zu erkranken. Wertschätzung meint in diesem Fall nicht nur eine angemessene Entlohnung, sondern auch Anerkennung und die Perspektive, sich in einem sicheren Arbeitsverhältnis weiterentwickeln zu können. Dieser Wunsch erfüllt sich, speziell im Dienstleistungsbereich oder in prekären Arbeitsverhältnissen, jedoch immer seltener. "Hurry-Sickness", so nennen Amerikaner das Phänomen der Hetzkrankheit. Hetze aufgrund von Arbeitsverdichtung. Während der Wirtschaftskrise haben Unternehmen, auch in Deutschland, Personal abgebaut. Als die Wirtschaft wieder anzog, wurden viele offene Stellen nicht mehr neu besetzt - nun müssen viele Arbeitnehmer für zwei arbeiten. 59 Prozent haben Angst um ihren Job oder ihre Position im Unternehmen, so die Studie.
Hinzu kommt der Stress durch ständige Erreichbarkeit mittels E-Mail und Handys. Wenn der Vorgesetzte Ziele nur diffus formuliert und gleichzeitig Druck macht, übt er Stress aus. Jedoch machen sich Arbeitnehmer oft den Stress selbst. Die Bereitschaft, sich für den Job zu verausgaben, ist bei fast allen Berufsgruppen sehr hoch, zeigte die Umfrage der Inititative Gesundheit und Arbeit von 2006
Auswirkungen.
Laut des Gesundheitsberichtes der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) steigt die Zahl der psychischen Erkrankungen weiter an. Mittlerweile geht jeder zehnte Fehltag auf ihr Konto. Für Frühverrentung ist Dauerstress die Hauptursache. Viele Menschen ignorieren die ersten Warnsignale des Körpers wie Kopfschmerzen, Schlafprobleme oder Erschöpfung. Sie nehmen die Überlastung erst wahr, wenn sie wegen eines Bandscheibenvorfalls oder einer Depression den Arzt aufsuchen müssen. Dazu Hans-Peter Unger, Psychiater und Psychotherapeut aus Hamburg: "Wer die ersten Anzeichen wie Schlafstörungen oder Schmerzen ignoriert, läuft Gefahr, in eine Erschöpfungsspirale zu geraten."
Als letzte Stufe des Stresses tritt das sogenannte Burnout auf. Dann hilft auch keine Medizin mehr, dann muss eine Auszeit unter professioneller Begleitung her.
Wie gegensteuern?
Für den einzelnen Arbeitnehmer ist es oft schwer, alleine gegen die Symptome zu kämpfen. Entweder, das richtige "Werkzeug", etwa Sport, autogenes Training et cetera, fehlt, oder aber der Druck ist bereits so gross, dass nichts mehr hilft. Experten kritisieren die Untätigkeit der deutschen Unternehmen. "In Deutschland ist die Annahme verbreitet, der Umgang mit Stress sei ein individuelles Problem", so ein Arbeitsforscher. Fast 80 Prozent der deutschen Firmen wissen nicht einmal, wo die Stress-Quellen sitzen, so eine Umfrage des Wirtschafs- und Sozialwissenschaftlichen Institus der Hans-Böckler-Stiftung unter 2.200 Betrieben im Jahr 2004. In Deutschland nimmt der Chemiekonzern BASF mit seinem Stress-Management die Rolle des Pioniers ein. Seit 2003 wird durch eine regelmäßige Mitarbeiterbefragung unter anderem das Stressempfinden der Mitarbeiter abgefragt. Zeigen sich Probleme, werden die Ursachen systematisch erforscht und die passenden Gegenmaßnahmen eingeleitet.
Gegensteuern lohnt sich
Abgesehen davon, dass das deutsche Arbeitsschutzgesetz seit 1996 den Arbeitgebern eine Verpflichtung auferlegt, die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu schützen, lohnt es sich auch finanziell. Menschen mit psychischen Erkrankungen fallen im Durchschnitt 28,5 Tage im Jahr aus, so der Gesundheitsreport der DAK. Ausserdem können sie schon lange vor dem Zusammenbruch 20 bis 40 Prozent weniger leisten als gesunde Mitarbeiter, so die Schätzung des Kölner Angstforschers Wilfried Panse.
