Kreatives Fotografieren: Sichtweisen einer Kirche im Odenwald

Kirche, Buchen, Odenwald - Johann Schubert
Kirche, Buchen, Odenwald - Johann Schubert
Jeder Fotograf und Naturfreund nimmt die Umgebung anders wahr. Die Sichtweise bestimmt die Aussage des Bildes, mehr als Standort, Wetter oder Jahreszeit

An Bildbeispielen und -Vergleichen erfährt der Hobbyfotograf viel über die Sichtweisen und Aussagewünsche eines Bildautors. Das hilft ihm, besser zu fotografieren. Der Blickwinkel und Standort spielt für die Stimmung eine große Rolle. Aber auch die Witterung, Tages- und Jahreszeit zeigen ein und dasselbe Motiv in vielen Variationen. Noch wichtiger - um wertvollere Aufnahmen zu erhalten - als Bilder betrachten ist selbst Variationen und Sichtweisen auszuprobieren.

Annäherung an die Kirche in Hettigenbeuern, Odenwald

Der Wanderer nähert sich von Buchen aus den Ortsteil Hettigenbeuern. Hier dient die Kirche als Motivbeispiel. Der kleine Fotospaziergang soll den Leser anregen, vielleicht auch in seiner Wohnumgebung Ausschau zu halten für eine ähnliche Motivserie eines Fotoobjekts.

  • Im Folgenden sind alle Bilder im Vollbild-Modus als Diaschau zu sehen. Jeder Verweis (unterstrichen) beginnt mit dem zum Text entsprechenden Foto. Je drei Sekunden folgt die nächste Aufnahme. Es ist deshalb empfehlenswert, das Zeichen für Anhalten "II" zu drücken. Dann die Fotografie beliebig lange betrachtet werden. Mit den Pfeilen ist jederzeit ein Vor- und Rückblättern möglich.

Der dunkle Vordergrund aus Bäumen, Wiese und herabhängende Zweige gibt den Rahmen für das Betrachten des Ortes Hettigenbeuern und dessen Kirche. Dabei schwingt wellengleich im Hintergrund ein Berg des Odenwalds. So zeigt das Bild die Kirche eingebettet in der Landschaft und weitere drei das Näherkommen in Richtung Kirche. Dabei werden auch Aufnahmen mit größeren Brennweiten (Teleobjektiv) bis zum zehnfachen der Normalbrennweite (60 Millimeter Digitalkamera entspricht Kleinbild 350 Millimeter) gezeigt. Die Abbildung der Kirche wirkt flacher und nicht mehr natürlich.

Jahreszeiten und Beleuchtung

  • Der Spaziergang führt jetzt durch Hettigenbeuern. Von der Morrebrücke aus der Blick auf die Kirche mit dem Dorf. Die Ortsstraße mit den Bäumen am rechten Rand führt den Blick des Betrachters zur Kirche, dem Hauptmotiv des sommerlichen Fotos.

  • Das nächste Foto nähert sich der Kirche von der Straße von Buchen kommend, die wieder den Blick auf die Kirche lenkt. Interessant ist hier das Licht von der Seite. Im Bild wurden die stürzenden Linien des Hauses mit einem Foto-Bearbeitungsprogramm entzerrt. Die bunten Blumen machen die Aufnahme lebendig.

Stürzende Linien und Gegenmittel

  • Die einfachste Art stürzende Linien bei höheren Gebäuden zu verringern ist, möglichst weit weg vom Gebäude aus zu fotografieren. Mit einer größeren Brennweite kann dann das Motiv wieder größer abgebildet werden. Die Aufnahme der Kirche von der Querstraße aus ist ein gutes Beispiel.

  • Stürzende Linien bezeichnet die Überzeichnung der Perspektive durch kurze Brennweiten (Weitwinkel). Mit guten Bildbearbeitungsprogrammen können stürzenden Linien entzerrt werden. Das zeigt die Aufnahme direkt vor der Kirche.
Auch mit einem höheren Standort - beispielsweise aus einem gegenüberliegendes Gebäude - kann die perspektivische Verzerrung der Linien gemildert werden.

Wenn die Straße stört - idyllische Aufnahme

Für das Anzeigen und Vergleichen beider Fotografien bitte blättern.

  • Die Aufnahme Hecke mit Sonnenstraße und Kirche ist aufgenommen mit normaler Brennweite (35 Millimeter Kleinbild) und etwa aus der Augenhöhe. Dabei stört die Straße das Idyll.

  • Die Brennweite verdoppelt und die Kamera über den Kopf gehalten wirkt Wunder: Auf dem nächsten Foto ist die Straße beinahe verschwunden, die roten Heckenblüten leuchten stärker und die Kirche als Hauptmotiv ist größer abgebildet. Die natürliche Abbildung - so wie man das Objekt tatsächlich sieht - liegt bei einer Brennweite von etwa 18 Millimeter (Kleinbild 100 Millimeter).
Keine Angst vor stimmungsvollem Gegenlicht im Sommer

Wie am Schatten des Kirchturms erkennbar, ist diese Aufnahme - wenige Meter rechts vom vorgehenden Standort - am Kinderspielplatz gegen die Sonne gerichtet. Stämme und dicke Ästen der Bäume sorgen dabei für die wichtige Abschattung des Objektivs. Die Belichtung am Besten mit dem Messpunkt (Druckpunkt des Auslösers) prüfen und auf mittlere Helligkeit des Hauptmotives einstellen. Dann Bildausschnitt wählen und auslösen. Empfehlenswert ist es einige Bilder mit unterschiedlichen Helligkeiten aufzunehmen.

Ein Bildvergleich am selben Ort im Herbst

Vom selben Standort am Kinderspielplatz wird an zwei Fotografien gezeigt wie allein mit der Einstellung der dreifache Brennweite auf etwa 18 Millimeter (Digitalkameras) ein Foto gelingt, dass den Hintergrund in natürlicher Größe - wie es das Auge in der Natur wahrnimmt - zeigt. Ein weiterer Vorteil ist, dass der etwas langweilige Hang optisch nicht mehr das Bild in der Bildmitte trennt.

Für das Anzeigen und Vergleichen beider Fotografien bitte blättern. Begonnen wird mit dem Bild mit normaler Brennweite (6,5 Millimeter Digitalkamera).

Blick von einer höher gelegenen Terrasse an der Sonnenstraße

Beim Fotografieren des Bildes im Hochformat stand die Sonne seitlich links (im Südosten) - das sind gute Lichtverhältnisse. Hier ist gut zu erkennen, wie das Foto mit dem dunklen Vordergrund der Kiefer zum helleren Hauptmotiv der Kirche eine dritte Dimension erhält. Wandert man die Sonnenstraße weiter, führt ein Forstweg etwa 100 Meter hoch zu einer Bank. Von dieser aus ist der Blick auf Kirche und Ort wieder ein ganz anderer. Ein Motiv und viele Sichtweisen. Kreativ Fotografieren ist sicher ein wertvolles Hobby. Das Ergebnis gelungener Aufnahmen schenkt auf Jahre hinaus dem Fotografen wertvolle Erinnerungen.

Johann Schubert - www.primapage.de, Johann Schubert

Johann Schubert - Die erste Bergwanderung bekam ich als Geschenk zu meiner Firmung. Der Ausflug zum etwas über 2.080 Meter hohen Schneeberg in ...

rss