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Kreativität entsteht in der Entspannung

Ideen finden beim Duschen oder Wandern

Kreativitätsimpuls 1 - Hanne Landbeck
Kreativitätsimpuls 1 - Hanne Landbeck
In Deutschland glauben die meisten, dass Neues nur dann entsteht, wenn man sich anstrengt. Ideen aber lassen sich nicht zwingen. Deshalb gilt: öfter mal Pausen einlegen.

"Heureka", schrie Archimedes in der Badewanne und lief danach unbekleidet und hocherfreut durch Syrakus, weil er sein später nach ihm so benanntes "Archimedisches Prinzip" just beim Baden gefunden hatte. Diese Anekdote, von Plutarch überliefert, macht das Prinzip der Kreativität deutlich: Nur wer loslässt, hat die Chance, wirklich Neues zu finden. Aber gearbeitet haben muss er auch. Vorher.

Der faule Poet

Gerade der faule ist also der richtige Poet: Wenn er auf seinem Diwan im schlecht gedämmten Zimmerchen auf der faulen Haut liegt, begibt er sich in die Position, um Muße zu finden. Dass wir in Deutschland schlecht mit dieser nach außen hin arbeitslos scheinenden Lage umgehen können und den Schläfer zum Nichtsnutz abstempeln, ist mit der prothestantischen Arbeitsethik verbunden, die die Menschen nur dann als wertvoll ansieht, wenn sie sichtbar arbeiten, wenn ihnen der Schweiß herunterrinnt oder fleißige Hände tippen. Aber die Krise kennt nur kreative Lösungen.

Kreativität lässt sich nicht erzwingen: vom Loslassen

Kreativität aber ist etwas, das sich nicht zwingen lässt. Wer einen Artikel schreiben muss, wer sich den Plot zu einem Roman oder einem Film ausdenkt, weiß, dass die wirkliche Idee erst kommt, wenn man sich einen Kaffee gönnt oder einen Spaziergang gemacht hat. Doch dafür bleibt selten die Zeit.

Techniken, um Ideen zu erzeugen

Es gibt aber auch Tricks, die den Effekt eines Spazierganges oder einer sonstigen Erholung erreichen können. Persepktivwechsel ist eine gute Methode. Wenn man versucht, sein Thema aus einer anderen Perspektive zu sehen, geht man spielerisch damit um. Wichtig dabei ist, dass sich das Gehirn aus seiner Routine löst und neue Bilder und Zusammenhänge generiert. Besonders kreativ sind wir nämlich, wenn wir es schaffen, die Bereiche des Gehirns miteinander zu verkoppeln, die sowohl logische, als auch visuelle und emotionale Inhalte aktivieren. Dazu bedarf es des Vertrauens in den eigenen schöpferischen Prozess - und unsere Schulen tun meist alles, um dieses Vertrauen zu zerstören.

Clustering und Mind Mapping

Die einschlägig bekannten Methoden sind das Mind Mapping und das Clustern. Beim Clustern darf man sich seinen Eingebungen vollkommen ergeben und assoziativ arbeiten, man kann vom Ursprungswort "Glas" zu der Geschichte eines Unfalls gelangen. Das Clustering wurde von Gabriele Rico erfunden, die angehenden Schriftstellern empfiehlt, mit dieser Methode zu arbeiten. Aber auch für andere Berufe, die neue Lösungen suchen, lässt es sich einsetzen. Der Vorteil für Firmen bei dieser Methode ist, dass die Clusterer, also diejenigen, die ein Cluster erstellen, nicht wissen (sollen), wohin sie gelangen. So kann Überraschung auch ein Bestandteil des Clusters sein.

Das Mind Mapping bringt dem gegenüber in einer Art Landkarte alle Ideen zu einem bestimmten Thema in eine hirarchielose Bilder-Ordnung. Erfunden und zum gewinnbringenden Verkaufsprodukt befördert wurde es von Tony Buzan, einem amerikanischen Propheten der kreativen Gehirnleistungen. Wenn das Thema bei einem Mind Mapping der beim Clustern gefundene Unfall wäre, könnte man die Landkarte dieses Unfalls sowohl zeichnen, als auch schreiben. Alle Elemente wären dann auf einem großen Blatt zusammengebracht: Die Unaufmerksamkeit des Fahrers, die Ölspur auf der Straße, die Insassen der beteiligten Fahrzeuge, die Verletzungen, die Zeit, bis der Sanitäter vor Ort war etc., der Blick des Verletzten auf seine Frau, die Schreie der Kinder, die Gedanken, die Verletzten und Helfern durch den Kopf gehen... Daraus ließe sich eine Szene für einen Roman, eine Ausgangssituation für ein Drehbuch oder für einen Werbespot konzipieren. Das gelingt allerdings nur, wenn diese Methoden auch ordentlich gelehrt und entsprechend frei angewandt werden.

Kontrolle abgeben

Die kreative Persönlichkeit, der Künstler oder der Schriftsteller, weiß, wie wichtig es ist, auch mal die Kontrolle abzugeben, sich ganz dem Prozess des Schaffens hinzugeben, ohne es sofort zu kontrollieren. Fehler sind dabei nicht nur erlaubt, sondern wichtige Wege auf dem Pfad zur Lösung. Der Maler muss sich gestatten können, einfach seiner Intuition zu folgen, mit dem Pinsel vorzugehen, als sei er von einer höheren Macht bestimmt (insofern stimmt der Geniebegriff), der Schriftsteller muss sich Möglichkeiten des sprachlichen Träumens einräumen. Und für beide, aber auch für Designer, Produkterfinder und alle anderen gilt: Loslassen, Kontrolle abgeben, Pause machen als eine der Pflichtübungen.

Hanne Landbeck, Hanne Landbeck

Hanne Landbeck - seit 1998 schreibe ich als freie Journalistin hauptsächlich für den Bereich Feuilleton. Mich interessieren kulturelle ...

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