Krebs – Das Leben hält sich nicht an Rendezvous

Jacqueline Gillespie: Die Geschichte meiner Krebserkrankung

Das Leben hält sich nicht an Rendezvous - Orac
Das Leben hält sich nicht an Rendezvous - Orac
Krimiautorin Jacqueline Gillespie schrieb ein Buch über ihre Krebserkrankung. Anders als in ihren fiktiven Kriminalromanen gibt es diesmal kein Todesopfer zu beklagen.

"Ich wollte dieses Buch nie schreiben. Ich wollte nur Bücher schreiben, wie in den letzten Jahren, in denen ich wollüstig morde. Dieses Mal ist es mir nicht gelungen. Ich lebe immer noch", schrieb Krimiautorin Jacqueline Gillespie auf den Buchrücken ihres neuesten Buches. In "Das Leben hält sich nicht an Rendezvous" erzählt sie ihre persönliche Krebsgeschichte, emotionslos, ohne Belehrungen und Ratschläge. Mit beißender Ironie und schwarzem Humor beschreibt sie ihren Kampf gegen die Krankheit, ihre Ängste und die Wut über unsensible Mitmenschen, inkompetente Ärzte und selbsternannte Gurus.

Rendezvous mit der Lagunenstadt Venedig

In Venedig entdeckte sie einen Brustknoten. "Es war ein wunderschönes Wochenende mit Freunden. Aber keiner weiß, dass meine Erinnerungen an die Lagunenstadt nicht bunt und laut sind, nicht kulinarisch, und auch nicht krimineller Natur. Es sind die wenigen Minuten in einer Duschkabine, an die ich mich erinnere." Jaqueline Gillespie war Anfang vierzig, als bei ihr Brustkrebs und Lungenkrebs diagnostiziert wurde. Medizinisch wurde sie mit allem traktiert, was die Heilkunst zu bieten hatte, und lange blieb unklar, ob sie den Kampf gewinnen würde.

Krebskranke sind frei von Schuld

Was Gillespie anderen Krebserkrankten, deren Angehörigen und auch Gesunden auf den Weg mitgeben will: "Jeder hat ein Recht auf Krankheit und Tod. Wir sind nicht schuld daran, wenn wir krank werden und sterben." Gillespie räumt in ihrem Buch mit der Schuldfrage auf und gesteht jedem Kranken das Recht zu, mitunter auch verzweifelt zu sein, auch wenn alle ungebetene Ratschläge erteilen. "Niemand ist schuldig, wenn er krank wird. Der Tod ist Teil des Lebens, auch wenn das heutzutage viele verdrängen und nicht wahrhaben wollen“, stellt die Wiener Autorin, mit dem Hang zur Barockzeit, in der man noch sterben durfte, klar.

Teufelsfalle: "Positiv Denken“

Jacqueline Gillespie, die dank ihrer schottischen Wurzeln über einen ausgeprägten schwarzen Humor verfügt, der auch in jeder Zeile ihres Buches zum Ausdruck kommt, verwehrt sich gegen simple Krankheits-Kochrezepte, die man in Medien angeboten bekommt und zu denen auch zwanghaftes "Positiv Denken" zählt. "Was erwartet man von einem Patienten, der verzweifelt versucht, mit seiner Diagnose zurechtzukommen? Ein freundliches Gesicht? Wilde Zukunftspläne?" Am menschenverachtendsten sind für Gillespie selbsternannte Gurus und Hobbypsychologen, die einem Kranken, dem es schlechter geht und der letztendlich an Krebs stirbt, zu allem Übel auch noch vorwerfen, dass er selbst schuld an seinem Tod sei, weil er sich nicht ausreichend bemüht habe.

Wie geht man mit einer Glatze um?

Viel wichtiger erscheint Jacqueline Gillespie der Umgang mit Fragen wie zum Beispiel: Wie viel Wahrheit verträgt das eigene Kind? Wie geht man mit einer Glatze um? Wie reagiert man auf unsensible Menschen? Und vor allem die immer wiederkehrende Frage: Wie viel Zeit bleibt einem noch? Von der ersten bis zur letzten Zeile nimmt ihre Geschichte gefangen. "Schau gut hin, dachte ich, herabfallende Blätter siehst du zum letzten Mal. Du hättest im Frühjahr aufpassen sollen. Auf blühende Kastanienbäume im Schillerpark. Die wirst du nie mehr sehen." Mittlerweile lässt der Krebs Jacqueline Gillespie seit drei Jahren in Ruhe.

Nach der persönlichen Krebsgeschichte steht wieder ein fiktiver Krimi am Plan

Die in Wien lebende Autorin Jacqueline Gillespie mit einer Vorliebe für viersprachige Bücher, Klavier und klassische Musik schrieb bisher die zwei Kriminalromane "Nimm dir was du willst" und "Alles was Recht ist". Nach ihrer persönlichen Krebsgeschichte "Das Leben hält sich nicht an Rendezvous" ist nun wieder ein Krimi in Arbeit.

Jacqueline Gillespie: Das Leben hält sich nicht an Rendezvous. Orac 2009. Gebunden mit Schutzumschlag, 128 Seiten. Euro 14,90.

Ilona Mayer-Zach, Sabine Windsor

Ilona Mayer-Zach - Geboren in Graz, Wahlwienerin. Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften; Medienkundlicher ...

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