
- Die Kreuzigung. - Gerd Altmann / pixelio.de
Die Kreuzigung gehört zu den brutalsten und avernischen Formen der Hinrichtung.
Die Kreuzigung als machtvolles Mittel der Einschüchterung und Dominanz hat eine lange Geschichte.
Die lange Historie der Kreuzigung
Erste Hinweise auf die Kreuzigung als ein Mittel zur Machtdemonstration und Suppression sind in der assyrischen Geschichte zu finden. Der König Salmanazar regiert etwa fünfunddreißig Jahre und unternimmt zahllose brutale Feldzüge gegen benachbarte Königreiche. Den Geschlagenen zeigt Salmanazar keine Gnade: Die Besiegten werden durch das Pfählen beim lebendigen Leibe exekutiert. Allgemein gilt das Pfählen als eine Urform der Kreuzigung. Die Assyrer nehmen einen langen Pflock und treiben diesen durch den Unterleib oder den Rücken der Opfer. Der Pflock wird anschließend senkrecht platziert, so dass die Menschen öffentlich und martervoll sterben.
Ein weiteres Exempel ist im Jahre 580 vor Christus zu finden. Der persische König Darius zettelt einen Aufstand an und lässt am Ende approximativ dreitausend Babylonier in aller Öffentlichkeit kreuzigen. Es ist den Historikern unbekannt, ob die Leidtragenden angenagelt oder an das Kreuz gebunden werden. Alexander der Große praktiziert im Jahre 332 vor Christus ebenso die Kreuzigung. Bei der siebenmonatigen Belagerung der Inselstadt Tyros sterben ungefähr zehntausend Menschen und weitere zwei Tausend Gefangene werden entlang des Mittelmeeres öffentlich ans Kreuz genagelt. Als Resümee kann festgehalten werden, dass die Kreuzigung als eine Methode der öffentlichen Exekution in der Antike favorisiert wurde. Die Kreuzigung fungiert als Abschreckung sowie Machtdemonstration.
Die Römer sind die wahren Meister der Kreuzigung
Die Römer perfektionieren die Kunst der Kreuzigung, indem sie Feinheiten einführten, um die Marter der Leidtragenden zu intensivieren und zu verlängern. Die Römer nutzen zwei Arten des Kreuzes: Eines ähnelt dem großen T und das andere Kreuz hat die Form eines kleinen T. Die aus Holz bestehenden Komponenten tragen spezielle Bezeichnungen. Der vertikale Teil wird als Stipe das horizonztale Stück als Patibulum bezeichnet. Forscher vermuten, dass das Kreuz mit der Form des großen T in der Praxis überwiegend eingesetzt wird. Denn hier liegt das obere Ende des Pfahls in der Reichweite der Soldaten und kann relativ simpel auf dem Patibulum befestigt werden. Diese Form ist aus diesem Grunde die effizientere Variante. Das Patibulum ist fest im Boden verankert.
Frauen sind von der Kreuzigung keineswegs ausgeschlossen. Sie werden mit dem Gesicht zum Patibulum gedreht und gekreuzigt.
Physiologisches Leiden während einer Kreuzigung
Dabei beginnt eine Kreuzigung in aller Regel mit dem Anketten der Person an einen Pfahl. Der Delinquent trägt hierbei keine Kleidung und wird mit einer Peitsche, dem so genanntem Flagrum, gemartert. Diese Peitsche besteht aus Lederbändern, an die Glassplitter, Bleistücke oder Knochen fixiert sind. Zu Beginn kommt es in der Stresssituation zu einer Vasokonstriktion in der sich Blutgefäße zusammenziehen und als Ergebnis keine großen Blutungen auftreten. Im Verlaufe der Marter reißt jeder Hieb die tieferen Gewebeschichten und große Blutgefäße auf. Das Opfer erleidet in dieser Phase einen beträchtlichen Blutverlust, der zu einem hypovolämischen Schock führt. Das Herz kann wichtige Organe und Muskel nicht mehr suffizient mit Blut versorgen. Die Geißel erleidet Gewebe- und Muskelrisse und steht somit dem Tode nahe. Im nächsten Schritt passiert das Opfer die Straßen, um den Richtplatz zu erreichen. Experten sind der Meinung, dass die meisten Verurteilten nur den Querbalken tragen. Des Weiteren stützt jeweils ein Soldat jeweils eine Seite des Querbalkens. Der angeschlagene Mensch kann im Schockzustand den Querbalken nicht aus eigener Kraft tragen.
Schließlich erreicht der Delinquent den Richtplatz und wird an das Patibulum zwischen den Handwurzelknochen genagelt. Die Handwurzelknochen sind stabil genug, um das Gewicht des Körpers tragen zu können. Die Nägel an den Füßen werden parallel zum Holzpflock durch die schweren Gelenkknoten getrieben. Sobald der Mensch am Kreuze hängt, treten Atemprobleme auf: Der Puls steigt in rasendem Tempo an und nach wenigen Minuten verbreiten sich starke Schmerzen durch den Organismus. Diese Schmerzen überlagern sich mit den durch die vorherige Geißelung verursachten Schmerzen zu einem diabolischen Martyrium:
Der Gekreuzigte sucht nach einer Position, um Linderung zu verschaffen. Beim Versuch, den Schmerz vom Handwurzelknochen zu vermeiden, erlahmen die Beinmuskeln. Beim Versuch, die Oberschenkelmuskulatur zu entlasten, treten erneut Schmerzen im Hand- und Schulterbereich zu Tage. Das Bewegen am Holzkreuz reizt den gepeinigten Rücken und die Schmerzen verbrennen den Verstand. Bewegt sich das Opfer nicht, leidet es an Atemproblemen. All die deskribierten Verletzungen tragen zum anschließenden Tode des Opfers bei, der an Erschöpfung, Blutverlust, Verletzungen und Schmerzen das Leben lässt.
Quelle:
Dieter Wunderlich: Kreuzigungen
