Kreuzzug gegen den Qualm

Hintergründe von Nichtraucherschutz und Rauch(er)bekämpfung

In der Bekämpfung des Rauchens und einem ausgedehnten Nichtraucherschutz sieht die Mehrzahl der Menschen große Vorteile. Aber wer profitiert wirklich davon?

„Aktives Rauchen tötet sowieso, passives aber auch“, ist ein Dogma der heutigen Zeit und wer es als Person des öffentlichen Lebens anzweifelt riskiert die mediale Hinrichtung. Fachleute, welche darauf hinweisen, dass der Lehrsatz von der krank machenden Wirkung des Umgebungsrauchs bei genauem Hinsehen jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehrt, werden als gedungene Knechte der „Tabaklobby“ diffamiert und (durchaus auch belegte) Zweifel an der behaupteten immensen Schädlichkeit des aktiven Rauchens werden von Medizinern, wenn überhaupt, nur hinter vorgehaltener Hand geäußert.

Finanzielle Interessen im Kampf um den Blauen Dunst kann es lediglich auf der Seite der Tabakindustrie geben, denn am Nichtrauchen verdient schließlich niemand. Die Frage, ob ein Rummel, der solche bereits religiöse, ja sektiererische Züge trägt, aufgeführt wird, ohne dass jemand satt dabei absahnt, ist natürlich ketzerisch, denn alle Akteure im großen Exorzismus des Tabakteufels handeln selbstverständlich ganz allein aus hehrer Sorge um die Volksgesundheit.

Gänzlich ohne Eigennutz?

Beim genauen Hinsehen merkt man jedoch: Bei allem, was mit sektiererischem Eifer und Fanatismus betrieben wird, hat sich letztendlich gezeigt, dass es Nutznießer gibt, die sich die Taschen füllten und in Saus und Braus von den Geldern der Gläubigen und/oder Verfolgten lebten, ob das vor 500 Jahren die Katholische Kirche mit Hexenjagd und Ablass war, während der Tausend Braunen Jahre und im Real Existierenden Sozialismus die Parteibonzen oder in modernen Zeiten irgendwelche Sektenführer.

Dass Verkehrsunternehmen, die öffentliche Hand und andere Betreiber von Einrichtungen mit Publikumsverkehr erheblich an Reinigungskosten sparen, wenn in Zügen, Bussen, Amts- und Verkaufsräumen nicht geraucht wird, ist nur ein kleiner, eher nebensächlicher Effekt. Wenig beachtet wird aber ein Aspekt der Nichtraucher-Religion, der mit erheblich höheren Summen zu tun hat: Jeder weiß, was Zigaretten kosten und kann sich daher ausrechnen, was ein Raucher im Jahr für seine Gewohnheit ausgibt – es ist eine Binsenweisheit, dass dabei schon einmal in ein paar Jahren der Gegenwert eines Mittelklassewagens herauskommen kann.

Gibt jemand nun das Rauchen auf, wird er dieses Geld anderweitig ausgeben. Klar, dass außer der Tabakindustrie sämtliche Konsumgüterindustrien samt dem angeschlossenen Handel ein vitales Interesse an jedem neuen Nichtraucher haben. Es macht also unternehmerisch Sinn, sich in der Rauch(er)bekämpfung zu engagieren. Es wirft überdies ein positives Licht auf das Unternehmen ohne als Werbung empfunden zu werden und für Firmen aus vielen Branchen passt es auch noch gut zum Image der Ware: Sportartikel, Bio-Waren, Gesundheits- und Umweltprodukte etwa. Genauso sinnvoll ist natürlich auch die einschlägige Lobbyarbeit, die natürlich in diesem Falle, anders als bei der bösen Tabakindustrie, keine ist, sondern als „sich stark Machen für den Nichtraucherschutz“ verkauft werden kann.

Auch viele Protagonisten des Nichtraucherschutzes leben gut von ihrer quasireligiösen Botschaft: Man darf zum Beispiel bezweifeln, dass jemand wie der bekannte Nichtraucher-Papst, Professor Ferdinand Schmidt, ein derart erfolgreicher Wissenschaftler und Autor geworden wäre, wenn er nicht den publikumswirksamen Popanz des Tabakrauches gehabt hätte, auf den er medial einknüppeln konnte. Von den Forschungsgeldern, die derzeit für alles, was mit dem bösen Tabakqualm zusammenhängt, reichlich sprudeln, hängt mittlerweile so mancher gut dotierte Job ab und auch an Rauchentwöhnungsmitteln und -kursen wird nicht schlecht verdient.

WHO und Pharmaindustrie

Während die Anfänge der modernen Hexenjagd auf Rauch und Raucher im von den Nazis beherrschten Deutschland der 30er und 40er Jahre liegen, ist heute die Weltgesundheitsorganisation, die WHO, federführend und koordiniert weltweit die Hatz auf Raucher, wobei sie es mit Fakten auch nicht immer unbedingt so genau nimmt. Es lohnt sich daher, einen Blick auf diese Organisation zu werfen, und vor allem, zu fragen, wer sie finanziert: Dass hier die Pharmaindustrie stark engagiert ist, ist kein offenes, sondern gar kein Geheimnis und wird von dieser sogar zugegeben.

Nun ist es aber auch klar, dass derjenige anschafft, der zahlt. Das ist ein ganz allgemeines Problem der heute verbreiteten, mit dem Euphemismus „Public Private Partnerships“ umschriebenen, offenen und legalen Einflussnahme von Unternehmen auf staatliche Aufgaben. Im Falle der WHO bedeutet dies, dass sie weitgehend im Sinne der Pharmaindustrie zu handeln hat, was ja auch im Zusammenhang mit der umstrittenen Impfung gegen Schweinegrippe beklagt wird.

So zynisch das klingen mag: Logischerweise ist die Pharmaindustrie nicht an gesunden, sondern an kranken Menschen interessiert, denn nur diese benötigen Medikamente. Da ist es natürlich interessant, wenn man eine große Gruppe von Menschen als krank und therapiebedürftig definieren kann: Wenn Rauchen eine Krankheit ist, entsteht Bedarf an Medikamenten, nämlich Rauchentwöhnungsmitteln, was natürlich ein gutes Geschäft für die Pharmaindustrie ist.

Wenn das auch kaum ein Arzt und schon gar kein Rauchgegner öffentlich zugeben würde: Dem Rauchen werden auch gewisse positive Wirkungen zugeschrieben, beispielsweise soll es das Risiko von Parkinson mindern und vor allem antidepressiv wirken. Das ist natürlich nicht im Sinne der Pharmaindustrie, denn wer sich bei depressiven Stimmungen mit einem Zigarettchen selbst kuriert, kauft keine (abhängig machenden) Psychopharmaka. Es wäre auch zu untersuchen, inwiefern die Angst vor Passivrauch und die Sorge über eigenen gegenwärtigen oder vergangenen Tabakgebrauch eingebildete Krankheiten entstehen lässt (aus denen, wie man weiß, durchaus auch echte werden können) die den Umsatz der pharmazeutischen Unternehmen ebenfalls erhöhen.

Staat und Wirtschaft

Bereits die als Nichtraucherschutz und Sorge um die Volksgesundheit getarnte Diffamierung von rauchenden Menschen im Dritten Reich als asozial und rassisch minderwertig hatte das Ziel, die Menschen zu gängeln, einzuschüchtern, Unfrieden und gegenseitiges Misstrauen zu säen. Seit der Einführung der Rauchverbote in Gaststätten sind deren Besucherzahlen drastisch zurück gegangen, was teilweise sogar von Nichtrauchern beklagt wird.

Der französische Lungenexperte Prof. Dr. Philippe Even äußerte sich dazu in einem Interview, in dem er die gängige Ansicht, das Passivrauch schädlich sei, überzeugend widerlegt: Der Rückzug in den Privatbereich, der die Menschen von der Kommunikation mit ihresgleichen abschnitte und leichter durch die Medien beeinflussbar mache, sei vielleicht nicht vom Staat geplant, werde jedoch als Folge der Rauchverbote durchaus als Vorteil gesehen.

Wie man also sieht, ist es keineswegs so, dass nur die Tabakindustrie eigennützige Interessen verfolgt. Auch eine gegen Raucher gerichtete Politik bringt handfeste Vorteile und zwar für alle, die den Menschen lieber nicht als freie, selbst bestimmtes Individuum, sondern als willfährigen Arbeits- und Konsumsklaven sehen möchten.

Volker Wollny, Journalist, Autor und Blogger, Saskia Wollny

Volker Wollny - Tätig als Publizist und Freier Dozent, abgeschlossenes Studium als Ingenieur für Produktionstechnik, Gesellenbriefe im ...

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