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Krieg der Welten – SF-Roman von H.G. Wells

Science-Fiction-Klassiker – Aliens greifen die Menschheit an

Krieg der Welten - H. G. Wells - Diogenes
Krieg der Welten - H. G. Wells - Diogenes
„Krieg der Welten" ist neben „Die Zeitmaschine" der berühmteste Roman vom Pionier der Science-Fiction, H. G. Wells. Filme wie „Independence Day" wurden davon inspiriert.

Als 1898 „Krieg der Welten“ erstmals erschien, sorgte der Roman des damals bereits profilierten und populären Engländers Herbert George Wells für ungeheures Aufsehen. Und dies aus gleich mehreren Gründen.

Meilenstein der Science-Fiction

Zwar handelte es sich nicht um den ersten Roman, der interstellare Kontaktaufnahme thematisierte. Doch der wüste Angriff hyperintelligenter Marsmenschen bedeutete völliges Neuland. Was in den folgenden Jahren schier unzählige Male in Filmen, Comics oder Romanen wieder und immer wieder aufgegriffen wurde, erschütterte die Leser 1898 zutiefst.

Die Ende des 19. Jahrhunderts noch in den Kinderschuhen steckende Science-Fiction fühlte sich dem mitunter naiven Fortschrittsglauben verpflichtet: Die Grenzen der Technik wurden stets anhand praktischer, niemals moralischer Überlegungen verstanden. Was machbar war, wurde in die Tat umgesetzt, ungeachtet etwaiger Schattenseiten.

Monster vom Mars als Seitenhieb auf Kanonenbootpolitik

Bereits die Darstellung der Marsianer offenbarte das subtile, parodistische Element, dessen sich der überzeugte Sozialist Wells bediente: Die Marsbewohner werden als von ihren gigantischen Gehirnen gelenkte Wesen ohne Gefühle oder moralische Vorstellungen geschildert. Dank ihrer technologisch überlegenen Kampfmaschinen brechen sie rasch den Widerstand des britischen Militärs.

Die Parallelen zu den rücksichtslosen Eroberungsfeldzügen des Britischen Königreichs waren frappierend und beabsichtigt. Erbarmungslos wurden ganze Völker versklavt, wurde gemordet, gestohlen und geplündert. In einem bitteren Revanchezug ließ Wells das selbstgerechte viktorianische England das Gefühl der Ohnmacht verspüren – wenn auch nur in Romanform.

Reale Orte statt exotischer Gegenden

Besonderes Augenmerk legte er darauf, die schauderhaften Geschehnisse nicht in einem fernen Land zu verorten, sondern ausgerechnet in England selbst. Durch die Verwendung realer Ortsnamen und Gegebenheiten rückte die Invasion noch näher an viele seiner Leser heran. Anonym bleibt ironischerweise einzig und allein der Erzähler.

Auch die wundersame Rettung vor den Angreifern kann als spöttischer Seitenhieb verstanden werden: Ausgerechnet Bakterien besiegeln den Tod der Marsianer, die auf ihrem Heimatplaneten sämtliche Krankheiten ausgerottet haben. Schuld an der Misere trägt die Nahrungsaufnahme: Anstatt irdischer Nahrung nehmen die Marsmenschen ausschließlich Blut zu sich. Die Rache der Ermordeten erfolgt spät, aber umso erbarmungsloser …

Kurd Laßwitz auf H. G. Wells’ Spuren

Dass mitunter ein Gedanke mehrfach geboren wird, bewies der deutsche Autor Kurd Laßwitz: Sein fast zeitgleich erschienener Roman „Auf zwei Planeten“ behandelte ebenfalls die Ankunft marsianischer Wesen auf der Erde, was ebenfalls zu kriegerischen Auseinandersetzungen führen soll. Anders als Wells’ völlig emotionslose Monsterhirne agieren jedoch Laßwitz’ Besucher weitaus freundlicher und schlittern eher ungewollt in den Krieg.

Augenscheinlich sind auch die verschiedenen Intentionen der beiden Autoren: Während Wells eine bittere Abrechnung mit dem eroberungswütigen Königreich seiner Ära verfasste, legte Laßwitz viel Wert auf die Vermittlung damals aktuellen Wissens. Allerdings schlug er durchaus auch in dieselben Kerben wie sein englischer Kollege und versetzte die Marsianer in die Rolle der sich selbst nicht nur technologisch, sondern auch moralisch überlegen fühlenden Eroberer.

Multimediales Phänomen „Krieg der Welten“

Seine bis heute ungebrochene Berühmtheit und Popularität verdankt „Krieg der Welten“ auch seinen rekordverdächtigen Adaptionen in allen Formen medialer Unterhaltung. Zahlreiche Filme und TV-Serien basieren mehr oder weniger direkt auf dessen Vorlage. Angefangen vom „Kampf der Welten“ unter der Regie von George Pal bis hin zu „Independence Day“ oder „Mars Attacks“.

Berühmt-berüchtigt ist die Hörspielversion des Beinahe-Namensvetters Orson Welles: 1938 ab Abend vor Halloween ausgestrahlt, erfasste zwar die Ostküste der USA keine Panik, wie oftmals fälschlicherweise behauptet. Doch einige besorgte Anrufe wurden vom Radiosender gezählt.

Musical von Jeff Wayne

Mehrere Computerspiele griffen die Vorlage sehr lose auf, wobei der englische Spieleproduzent „Rage Software“ unter dem Titel „Jeff Waynes War of the Worlds“ eine besonders originelle Spielvariante schuf.

Der Titel leitete sich von dem 1978 entstandenen Konzeptalbum „War of the Worlds“, welches der New Yorker Jeff Wayne produziert hatte. Für die englische Version konnte Wayne Richard Burton als Erzähler gewinnen, die deutsche Version wartete mit Curd Jürgens auf.

Visionär H. G. Wells

Der ungebrochene Einfluss von „Krieg der Welten“ lässt sich auf die erstaunlich zeitlose Schreibkunst des Briten Wells zurückführen. Ob es sich nun um besagten Roman handelt, „Die Zeitmaschine“, „Der Unsichtbare“ oder „Die Insel des Dr. Moreau“: Selbst mehr als ein Jahrhundert später vermögen seine Werke Millionen Menschen zu begeistern.

Zeugnis für seinen visionären Status legen aber immer wieder aktuelle Geschehnisse ab: Wells’ kritische Sicht des Menschen bestätigt sich nach all den Jahren stets aufs Neue, weshalb seine Romane und Erzählungen wohl nie an Aktualität verlieren werden.

H. G. Wells: Krieg der Welten. Diogenes 2005. Taschenbuch, 352 Seiten. Euro 9,90.

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