
- Hörspiele leben von der Stimme - (c) O.C.Wrobel
Als das Hörspiel Krieg der Welten 1939 erstmals in New York ausgestrahlt wurde, waren die Auswirkungen weitreichend. Viele New Yorker hielten die fiktiven Meldungen eines Alien-Angriffs für wahr. Nach Berichten aus damaliger Zeit kam es zu großer Verunsicherung der Bevölkerung. Einige Zeitungen sprachen von panikartigen Zuständen. Im Hamburger Medienbunker wurden im März eben dieses Hörspiel und das Stück Danger in einer Live-Lesung aufgeführt. Bekannte Hörspiel-Sprecher und Synchron-Stimmen wie Oliver Rohrbeck oder Erich Räucker verliehen den Charakteren der Geschichten Authentizität.
Erste Hörspiele im Radio ab 1924
Die ersten Radio-Hörspiele spielten im Dunkeln. Auf die visuelle Ebene wurde in der Anfangszeit komplett verzichtet. Mit diesen Informationen begrüßte der Berliner Veranstalter, die Lauscherlounge, seine Zuhörer im Hamburger Medienbunker. Ein altes Röhren-Radio auf der Bühne als Dekoration und Einstimmung auf die Kinderzeit der Rundfunk-Hörspiele. Oliver Rohrbeck, der Mann hinter der Lauscherlounge und bekannte Synchron-Stimme von Ben Stiller sowie des Justus Jonas von den drei Fragezeichen, las zusammen mit drei weiteren Sprechern die beiden Stücke Danger und Krieg der Welten.
Danger gilt als erstes Hörspiel überhaupt
Das Hörspiel Danger ist ein Klassiker der Radiogeschichte. Es gilt als das erste in Europa aufgeführte Rundfunk-Hörspiel. Seine Handlung läuft vollständig im Dunkeln ab. Die Sprecher Luise Helm, Erich Räuker und Sascha Rotermund spielen die Geschehnisse eines Grubenunglücks während einer Bergwerksbesichtigung nach. Als plötzlich das Licht ausfällt macht sich die Angst breit. Mit der Zeit wird die Lage immer hoffnungsloser. Die Beschreibung gelingt dabei so gut, dass der Zuhörer sich wahrhaftig in die Szenerie hinein zu versetzen vermag. Die Authentizität unterstützend mögen die Geräusche sein, die von Oliver Rohrbeck mit einem Beil und anderen Hilfsmitteln erzeugt, die das Hörspiel begleiten. Danger wurde ursprünglich für die BBC geschrieben und 1924 erstmals gesendet.
Krieg der Welten löste Panik in New York aus
Krieg der Welten dürfte das weltweit bekannteste Rundfunk-Hörspiel sein. 1898 von H.G. Wells als Buch veröffentlicht, ist es die Geschichte der Zerstörung der menschlichen Zivilisation durch Eindringlinge vom Mars. Die von Orson Welles für die amerikanische CBS umgeschriebene und ursprünglich als Halloween-Spaß gedachte Fassung, gelang derart realistisch, dass viele Zuhörer im New York des Jahres 1938 die Fiktion nicht mehr von der Realität unterscheiden konnten. Zeitungen berichteten in ihren damaligen Ausgaben von verängstigten Anrufern bei der Polizei und panisch aufgescheuchten Bürgern. Im Hamburger Medienbunker vermittelte das Team der Lauscherlounge mit seiner deutschen Übersetzung einen überzeugenden Eindruck der Realitätsnähe dieses Hörspiels. Es macht Spaß, den erfundenen Figuren zu folgen und sich von den Sprechern auf der Bühne durch eine fiktive, aber offenbar dennoch sehr real wirkende Geschichte führen zu lassen.
