
- Der letzte Engel springt - Echomedia
Kommissarin Maria Kouba glaubt ihren Augen nicht zu trauen: Es regnet Geld vom Himmel, nicht nur vor ihrem Fenster, sondern in der ganzen Stadt. Dahinter steckt die so genannte „Wir-AG“, die, in Robin-Hood-Manier, Gelder von Schwarzgeldkonten reicher Manager abzweigt und diese ans Volk verteilt. So weit so gut, doch plötzlich sterben in Wien mehrere Unternehmer, und bei einem dieser Morde deutet alles auf die „Wir-AG“ hin.
Kouba, mit ihrem Kollegen und Partner Phillip Roth von einem Hormonrausch zum nächsten taumelnd, tappt zunächst völlig im Dunkeln. Dann taucht sie in die Welt der Superreichen ein und stößt auf zwielichtige internationale Geschäfte, lange Schatten der Vergangenheit und Sexorgien in der sogenannten besseren Gesellschaft.
Die Geschichte hat einen starken Bezug zur Realität, es kommen auch einige Firmen vor, die real existieren. Der Geldregen, das Synonym für Umverteilung, so die Wiener Kriminalautorin Sabina Naber, sei ein Traum, eine Art Märchen, das mit Meldungen über Massenentlassungen in diversen Konzernen und unanständig hohen Managergehältern immer mehr an Aktualität gewinnt. „Was bleibt, ist die Hoffnung, dass das zweite Märchen des Buches, die europaweiten Massenproteste der Zivilgesellschaft, wahr wird.“
Kritisch – politisch
Warum sie gerade diesen Krimi geschrieben hat? „In erster Linie aus Wut und Unverständnis“, erklärt die Wiener Kriminalschriftstellerin, die im Vorjahr mit dem renommierten Friedrich-Glauser-Preis für die beste Kurzgeschichte 2007 ausgezeichnet wurde. „Ich bin ein neugieriger und wissbegieriger Mensch, doch je mehr ich in die Hintergründe von Politik und Wirtschaft eintauche, umso wütender werde ich über die Hybris von so manchen Menschen. Zugleich will ich Denkweisen, die ich nicht teile, verstehen. Und so ist das Schreiben über Themen, die mich aufregen, eine Möglichkeit, nicht an der Oberfläche zu verharren, sondern in die Tiefe einzutauchen.“
Da kommt ihr Kommissarin Maria Kouba gerade recht, die, wie auch die anderen Figuren, als Sprachrohr für gesellschaftspolitische Ansichten der Autorin fungiert. Ein Buch als wütender Befreiungsschlag und Hoffnung spendende Analyse zugleich. „Die Teilung der Gesellschaft in eine kleine, sehr reiche Elite und eine arme Mehrheit ist bedenklich, da die Unterhöhlung des Mittelstands das gesellschaftliche Gefüge zum Brechen bringt.“
Erotisch – wienerisch
Die Seiten des dichten Kriminalromans sind gespickt mit erotischen Beschreibungen, was die Leserschaft garantiert polarisiert: Viele Leser werden die sexuellen Details und Spielereien mit Partner Phillip, die sich durch das ganze Buch ziehen, als faszinierend empfinden. Anderen wiederum werden sie möglicherweise zu deftig und verwirrend erscheinen.
Wien ist nicht zufällig der Schauplatz des Romans. Sabina Nabers Geschichten haben immer einen Bezug zum Schauplatz: „Orte haben verschiedene Ausstrahlungen, die Mehrzahl der Verbrechen sind vom gesellschaftlichen Umfeld geprägt. Es macht einen großen Unterschied, wo jemand aufwächst, weil die gesellschaftliche Prägung eine andere ist.“
Sabina Naber: Der letzte Engel springt. Verlag Echomedia, 2007, Euro 9,90.
Weitere Krimitipps: Tödliche SMS; Mord im Kurpark; Geheimes Venedig; Kokoschanskys Trip.
