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Krimi: "Faule Kredite" von Petros Markaris - Rezension

alles dreht sich nur um das Eine - Gerd-Altmann_pixelio.de
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Pünktlich zur Zuspitzung der Schuldenkrise in Griechenland beschert uns Petros Markaris einen Krimi, in dem mit den griechischen Banken abgerechnet wird.

Protest gegen die Geschäftspraktiken der Banken ist längst mainstream-fähig geworden. Besonders die finanzielle Lage Griechenlands erhitzt die Gemüter. Der Autor Petros Markaris liefert dazu einen Krimi, der hart mit der griechischen Finanz-Mentalität ins Gericht geht.

Ein Grieche schreibt über griechisches Finanzgebaren

Petros Markaris ist kein Autor schneller, oberflächlicher Krimis, die man an einem Abend weggelesen hat. Er schreibt mit trockenem Humor, detailreich und hintergründig. Sein Kommissar, Kostas Charitos, kämpft nicht nur mit den Anforderungen des Familienlebens, sondern auch mit dem Verkehrschaos in Athen und einiger Einmischung aus dem Ausland, während er sich bemüht, die Enthauptung eines Bank-Managers aufzuklären. Doch bevor er den Täter entlarven kann, werden in Athen weitere geköpfte Leichen gefunden.

Die Macht der Banken

Dem Roman ist nicht umsonst ein Brecht-Zitat voran gestellt: "Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?" (Bertold Brecht, "Die Dreigroschenoper").

Markaris bezieht mit seinem Buch Position. Daher fällt es dem Leser schwer, Mitgefühl mit den Opfern des raffinierten Mörders zu empfinden - nur allzu klar wird herausgearbeitet, dass sie für ein korruptes, menschenverachtendes System gestanden haben und für eine ganze Finanzwelt büßen müssen. Markaris lässt sich Zeit, die Handlung zu entwickeln und Athen für den Leser erlebbar zu machen. Auch grausige Leichenfunde sind ohne Sensationslüsternheit in Szene gesetzt. Wer es brutal und blutig mag, ist bei Petros Markaris an der falschen Adresse.

Kostas Charitos - ein Kommissar ohne Allüren

Der Ermittler, der schon durch einige andere Charitos-Krimis eingeführt ist, braucht viel Humor, um im beruflichen Alltag Gelassenheit zu bewahren. Er stößt auf Schweigen, oder auch zu viel Beredsamkeit, selten aber auf Zeugen, die bereit sind, ihn zu unterstützen. In den ständigen Staus wird die Suche nach dem Mörder buchstäblich zur Bein-Arbeit und er ist längst daran gewöhnt, immer und überall zu spät zu erscheinen. Neben den beruflichen Pflichten wartet seine Familie auf emotionale Zuwendung und finanzielle Unterstützung. Seine Tochter hat geheiratet und schon will das Studium des künftigen Nachwuchses bedacht sein. Überhaupt geht es in diesem Buch letztlich nur um das eine: Geld. Man hat kein Geld, man denkt unablässig darüber nach, klagt, rechnet und bäumt sich gegen neue Gesetze auf, wie etwa die unerhörte Tatsache, dass Griechenland das Rentenalter, das bei 58 Jahren liegt, heraufsetzen will. So hat der Autor Gelegenheit, seine Landsleute als eine Nation ewiger Schuldner vorzuführen, die gelernt haben, auf Pump zu leben und sich dabei ganz wohl zu fühlen. Dabei zielt seine Kritik aber letztlich auf einen Staat und ein globales Finanzsystem, in dem der Einzelne nur Spielball unberechenbarer Mächte ist, denen er nichts entgegenzusetzen hat.

Der Autor

Petros Markaris wurde 1937 in Istanbul geboren und hat armenische Wurzeln. Er ist ein vielseitiger Autor, der neben den bekannten Charitos-Krimis auch Theaterstücke geschrieben und Fernsehserien ins Leben gerufen hat. Außerdem übersetzte er die Werke deutscher Dramatiker, unter anderem Brecht und Goethe. International ist er als ein kritischer Schriftsteller bekannt, der in seinen Büchern Effekthascherei vermeidet, aber deutlich Position bezieht, sei es zur Schuldenkrise, zu Migration oder ganz allgemein zum Lebensgefühl und der Lebensart seiner Landsleute. Seine Kriminalromane wurden bisher in 14 Sprachen übersetzt.

Faule Kredite von Petros Markaris ist 2011 im Diogenes Verlag erschienen (Diogenes Verlag, Zürich, 2011)

Gundel Limberg - Studium der Literaturwissenschaft/Philosophie/ Abschluss: B.A.Studium der Bildungswissenschaft/ Abschluss: B.A.Beruflich im Bereich ...

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