
- Krimianthologie - Heyn Verlag
Der Kärntner Krimipreis ist die einzige österreichische Auszeichnung für Kriminalliteratur und wurde bisher zweimal vergeben. Aus über 500 deutschsprachigen Einsendungen aus aller Welt haben die Initiatorinnen – die österreichischen Krimiautorinnen Susanne Schubarsky und Fran Henz sowie eine namhafte Jury, zu der auch Bestsellerautor Stefan Slupetzky gehörte – die zwanzig schönsten, spannendsten und originellsten Kurzkrimis ausgewählt. Diese Geschichten wurden in der Krimianthologie "Money. Geschichten von schönen Scheinen“ veröffentlicht.
Nominiert für den Friedrich-Glauser-Preis 2009
Einer dieser Kurzkrimis, "Monopoly“ von Judith Merchant, wurde für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Preis, den Autorenpreis deutschsprachige Kriminalliteratur, vorgeschlagen. 140 Kurzgeschichten wurden diesmal in der Sparte Kurzkrimi eingereicht. Der Preis in der Kategorie Kurzkrimi ist mit eintausend Euro dotiert und wird auf dem “Tango Criminale”, der großen Abschlussgala am 9. Mai bei der Criminale 2009 in Singen verliehen.
Judith Merchants Kurzkrimi "Monopoly“
Judith Merchant, Jahrgang 1976, Studium der Germanistik und heute Dozentin für Literatur in Bonn, erzählt in dieser furiosen und messerscharfen Geschichte von einer Frau, arbeitslos und gerade dreißig geworden. Nach einer feuchtfröhlichen Geburtstagsnacht, die sie mit einem wunderbaren Mann verbrachte, geht sie einkaufen. Ein roter Mantel soll es sein, den sie über ihre nackte Haut streift. Sie schwebt im siebenten Himmel.
Alles im Leben hat seinen Preis
Bis sie in ihrer Tasche dreihundert Euro findet, die nicht von ihr stammen. Wurde sie für eine Nacht voll Lust und Liebe entlohnt, als wäre sie eine Hure? "Alles im Leben hat seinen Preis. Nicht immer ist er fair und deutlich ausgezeichnet, aber zahlen muss man ihn früher oder später.“ Das will die Protagonistin nicht akzeptieren. Sie will dieses Geld nicht, will es mit aller Gewalt zurückgeben. Zu spät stellt sie fest, dass der (Geld-)Schein trügen kann.
Die Anthologie zum Kärntner Krimipreis 2008
In der Anthologie "Money. Geschichten von schönen Scheinen" zum Kärntner Krimipreis 2008 sind jedoch noch viele andere großartige Kurzkrimis zu lesen. So etwa die skurril-schräge Kurzgeschichte "Habenichts" von Amaryllis Sommerer, in der es um einen armen Schlucker im schäbigen Anzug geht, der alles dafür tut, um sein Ein und Alles zu bewahren. Amaryllis Sommerer wurde übrigens als einzige Österreicherin für ihren Psychothriller "Selmas Zeichen" für den Glauser in der Sparte Debüt nominiert.
Money makes the world go round
Weitere Geschichten handeln von witzigen, einfallsreichen, hoffnungslosen, skurrilen, tragischen, manchmal etwas unbedarften Menschen, deren Leben durch Geld verändert wird – wie jenes zweier zickiger alter Damen, oder das des frustrierten Ehemanns eines Sexsymbols, einer mittelalterlichen Existenzgründerin und eines Taxifahrers. Dann gibt es den verliebten Philosophieprofessor und den enttäuschten Teenager, die herausfinden müssen, dass sich Liebe nicht kaufen lässt oder die Frau mit der dunklen Nazivergangenheit und jene besessene Spielerin, die erkennen müssen, dass Geld nicht glücklich macht.
Susanne Schubarsky, Fran Henz (Hrsg.): Money. Geschichten von schönen Scheinen. Die Anthologie zum Kärntner Krimipreis 2008. Heyn 2008. Klappenbroschüre, 216 Seiten. Euro 9,90.
