Krimi-Tipp: Deavers 2. Lincoln Rhyme Roman "letzter Tanz"

Deaver: Letzer Tanz - Goldmann verlag
Deaver: Letzer Tanz - Goldmann verlag
Auch im 2. Rhyme Krimi werden Deaver-Leser wieder mit Hochspannung verwöhnt. Dieses Mal geht es um den Auftragsmord eines äußerst "gewissenhaften" Killers.

Bei einem Organtransport werden Pilot und Kopilot durch eine Bombe getötet. Nur da sie aufgrund eines Migräneanfalls nicht mitfliegen konnte, überlebt die Frau des Piloten. Sie ist sich sicher, wer hinter dem Mord an ihrem Mann steckt: Der Großkriminelle Hansen, gegen den sie, ihr Mann und ein Freund der beiden bei einem Prozess in naher Zukunft aussagen sollten. Ebenso sicher ist, dass Hansen nicht selbst der Täter ist. Die Zeichen am Tatort weisen darauf hin, dass es sich bei dem Täter um einen Auftragskiller handelt, von dem lediglich bekannt ist, dass er eine Tätowierung trägt welche einen Mann zeigt, der auf einem Sarg tanzt, und, dass er Lincoln Rhymes Kollegen getötet hat. Auf der Jagd nach diesem Killer zog Rhyme sich seine zur Querschnittslähmung führenden Verletzungen zu. Er will, er muss diesen Killer finden. Beinahe ebenso sehr will seine Assistentin Amelia Sachs den Mörder dingfest machen. Sie hofft Rhyme so endlich ihre Liebe zeigen zu können.

Es entspinnt sich eine beidseitige Verfolgung. Der Killer findet schnell heraus, wer die Ermittlungen in seinem Fall leitet und beginnt, Lincoln Rhyme Fallen zu stellen, so wie er ihm Fallen stellt. Dabei kommen sie sich mental näher, versuchen jeweils die Gedanken und Taten des anderen voraus zu ahnen. Es kommt zu einem ähnlichen tête à tête Rennen wie im ersten Roman. Doch diesmal wird schnell deutlich, dass der Killer dem Ermittler unterlegen ist und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis er gestellt wird. Das einzige Problem ist, dass die Zeit schnell abläuft, denn bis zum Prozess sind es nur noch 48 Stunden...

Deaver versucht mit solider Konstruktion an den ersten Lincoln Rhyme Thriller anzuknüpfen

Obwohl Jeffery Deaver in seinem zweiten Lincoln Rhyme Krimi Vieles ähnlich konstruiert wie im ersten, bleibt dieser doch hinter jenem zurück. Wieder bekommt der Leser Einblick in die traumatisierte Seele des Mörders, wieder hat Rhyme ein persönliches Interesse an dem Fall und auch die Liebesgeschichte zu seiner Assistentin entwickelt sich weiter. Trotzdem bleibt dieser Fall steriler. Der Killer scheint weniger intelligent zu sein als die Figur des Mörders im ersten Fall. Das Trauma, welches in seine Kindheit zurück reicht, scheint wenig zu den nahezu perfekten Morden zu passen. Es kommt zu ersten Eifersüchtelein und einer verpatzten Nacht zwischen Amelia und Lincoln. Die Ausgestaltung dieser Szenen unterwandert die bisherige Ausgestaltung der toughen Charaktere. Doch am meisten stört die Figur der Frau des Ermordeten. Sie wirkt hölzern und kalt und kann nur wenig Sympathie auf sich ziehen. Das ist schade, gerade weil der erste Fall durch seine differenzierte Darstellungsweise so uneingeschränkt überzeugen konnte.

Zum Glück schafft es Deaver eine überraschende Wendung in seinen Roman "letzter Tanz" einzubauen (die hier nicht verraten sei...). Diese Brechung löst die Wiedersprüchlichkeiten des ersten Teils fast gänzlich auf und führt zum Showdown. Diesen gestaltet der amerikanische Thrillerautor wieder meisterhaft. Mit seinem untrüglichen Gespür für die Nutzung von Action in der gesprochenen Sprache, sorgt er für eine fulminante Aufklärung des Falls. Dabei treten sich Täter und Ermittler gegenüber und es wird tatsächlich ebenso viel gesprochen wie geschossen. Amelia entpuppt sich als hervorragende Schützin und Lincoln bekommt endlich Erklärungen zu dem bisher ungeklärten Fall, der ihm buchstäblich das Rückgrat brach. Insgesamt ist Deaver wieder ein hervorragender Thriller gelungen, der nur gemessen an dem von ihm aufgestellten Maßstab etwas verliert. Ist dieser Krimi jedoch einmal verschlungen, führt das unweigerlich zum Konsum des 3. Falls für Lincoln Rhyme. Achtung das Suchtpotential ist hoch!

Deaver, Jeffery: Der letzte Tanz; Goldmann 2002; 344244571X; Taschenbuchausgabe 9,90 Euro

Mareike Höckendorff, Mareike Höckendorff

Mareike Höckendorff - Ich bin gelernte Buchhändler und habe viele Jahre im Buchhandel gearbeitet. Meine Schwerpunktgebiete waren Kinder- und ...

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