
- Francis: Gambling - www.diogenes.ch
Dick Francis erster Kriminalroman erschien 1962, der bislang letzte, „Gambling“, erschien 2007 in deutscher Sprache. Die Krimis des mittlerweile achtundachtzigjährigen Schriftstellers sind in mehr als dreißig Sprachen übersetzt und mehr als siebzig Millionen Mal verkauft. Er selbst wurde mit vielen Auszeichnungen, wie zum Beispiel viermal mit dem „Edgar Allan Poe Award“, für seine schriftstellerische Arbeit geehrt.
Fangemeinde
Sechs Jahre lang wartete die große Fangemeinde vergeblich auf einen neuen Kriminalroman aus Dick Francis’ Feder. Sein neununddreißigster Roman „Scherben“ war im Jahr 2000 erschienen, und alle Zeichen deuteten darauf hin, dass dieses sein letztes Buch gewesen sein könnte. Seine Frau, die ihn immer bei der Arbeit für seine Kriminalromane tatkräftig unterstützt hatte, war im selben Jahr verstorben und er selbst kämpfte seit einigen Jahren gegen eine Krebserkrankung. Umso größer war die Freude, als sein vierzigster Roman „Gambling“ erschien.
Eine Autorenbio wie ein Kriminalroman
Liest man Dick Francis Biografie, so erinnert sie ebenfalls an einen Kriminalroman: Er erblickte am 31. Oktober 1920 als Richard Stanley Francis, Sohn eines Rennstallbesitzers in Südwales, das Licht der Welt. Bereits im Volksschulalter übte er sich als Reiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zu einem der erfolgreichsten Jockeys Englands, gewann rund 350 Hindernisrennen und ritt einige Jahre auch die Pferde der Queen Mum. Beim Grand National im Jahr 1956 führte er das Feld an, doch kurz vor dem Ziel brach sein Pferd aus nie geklärter Ursache zusammen.
Vom Jockey zum Bestsellerautor
Seine Verletzungen waren so schwer, dass er seine Jockey-Karriere aufgeben musste. Der damals 37-Jährige wurde Sportjournalist und veröffentlichte 1957 seine Autobiografie „The sport of queens“. 1962 erschien sein erster Kriminialroman „Dead Cert“, der noch im gleichen Jahr unter dem Titel „Aufs falsche Pferd gesetzt“ bei Goldmann, München, erschien (heute: „Todsicher“, Diogenes, Zürich) und dem fortan jedes Jahr ein weiterer folgen sollte.
Pferde und Antihelden
Dick Francis blieb beim Schreiben immer seinen Wurzeln treu. Seine Romane spielen allesamt im Reitsportmilieu oder haben in irgendeiner Form mit Pferden zu tun. Seine Kriminalfälle ziehen den Leser in ihren Bann, sind dabei weder blutrünstig noch knallhart, wenngleich sein englischer Humor mitunter sehr schwarz anmutet. Seine Helden sind Antihelden, die sich in brenzligen, lebensbedrohlichen Situationen wiederfinden. Ohne Hilfe eines polizeilichen Ermittlers müssen sie sehen, wie sie wieder sicheren Boden unter den Füßen bekommen und letztendlich auch mit sich selbst ins Reine kommen.
Spannende Unterhaltung auf hohem Niveau
Kritiker werfen Francis zu wenig Tiefgang vor und müssen doch akzeptieren, dass er sich Jahr für Jahr für spannende Unterhaltung auf hohem Niveau entschieden hat. Francis ist ein Geschichtenerzähler. Er spielt mit Ironie und Schicksal, verwendet eine klare Sprache und einen unverwechselbaren Stil, um seine gut recherchierten Kriminalromane zu erzählen. Zumeist haben seine Protagonisten ein besonderes Wissen oder Hobby, das dem Leser ganz nebenbei vermittelt wird ohne die durchgehende Spannung zu stören.
Wiedersehen mit Sid Halley
In Francis letztem Kriminalroman „Gambling“ hat wieder Sid Halley, der sympathische Privatdetektiv, einen Auftritt. So wie sein literarischer Schöpfer stürzte auch Halley auf dem Höhepunkt seiner Rennkarriere. Er wird dabei so schwer verletzt, dass er mit einer Armprothese klarkommen muss. Francis wurde Journalist und danach Bestsellerautor, Sid Halley ein Privatdetektiv.
Gambling
„Tod auf der Rennbahn ist leider nichts Ungewöhnliches. Drei Todesfälle an einem einzigen Nachmittag erregen allerdings auch auf der Rennbahn Aufsehen. Dass nur eines der Opfer ein Pferd war, rief umgehend die Ortspolizei auf den Plan.“ Mit diesen drei Sätzen zieht Dick Francis den Leser von „Gambling“ sofort in die Kriminalgeschichte hinein. Ein Jockey und ein Trainer werden kurz nacheinander ermordet. Alles deutet darauf hin, dass es bei den Rennen nicht mit rechten Dingen zugeht, dass die beiden Ermordeten in Rennmanipulationen verstrickt waren. Sid Halley zweifelt an dieser Version, sind ihm doch beide Opfer aus seiner Zeit als aktiver Jockey gut bekannt. Es kommt, wie es bei Dick Francis kommen muss: Bald befindet sich Sid Halley in Teufels Küche und wird beruflich wie persönlich hart auf die Probe gestellt.
Dick Francis: Gambling. Deutsch von Malte Krutzsch. Diogenes 2007. Gebunden, 416 Seiten. Euro 22,60.
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