Kriminalhauptkommissarin Ines Rose leitet das K2 in Mainz

Kommissarin Ines Rose - Christa Kaddar
Kommissarin Ines Rose - Christa Kaddar
Kriminalhauptkommissarin Ines Rose ermittelt in Mainz bei Gewalttaten gegen Frauen und Kinder und bei Sexualdelikten.

Ines Rose – der Name könnte aus einem Fernsehkrimi stammen und die schlanke, sportliche und humorvolle Frau auch. Doch diese Kommissarin ist echt. Ines Rose leitet das K2 der Mainzer Kriminalpolizei. Seit 31 Jahren ist sie in dem Beruf, hat zusätzlich eine Ausbildung zur Psychotherapeutin absolviert. Mit großem Einfühlungsvermögen leitet sie ihr Team, das neben Ermittlungs- und Fahndungsmaßnahmen auch die Vermittlung zu Opferhilfe-Initiativen übernimmt und gemeinsam mit anderen Bereichen der Polizei Prävention betreibt. In Vorträgen spricht Ines Rose über ihre Erfahrungen aus der Praxis, über Täterprofile und über Prävention.

„Die Wirklichkeit ist anders als in den Fernsehkrimis“, versichert Ines Rose. Die Täter, mit denen sie es in ihrem Bereich zu tun hat, unterteilt sie in Triebtäter und Gewalttäter. „Der Triebtäter kann der nette Nachbar sein – hilfsbereit, fleißig, unauffällig.“ Gewalt sei nicht das vorherrschende Motiv seines Handelns; in bestimmten Zeitabständen überkomme es ihn, seinen Trieb auf perverse Weise zu befriedigen. Meist habe er eine Waffe dabei, um seine Opfer in Schach zu halten. Dabei folge er immer dem gleichen Muster. „Wenn er seine Opfer tötet, dann aus Angst, entdeckt zu werden“, erklärt Ines Rose. „Oft entschuldigt sich der Triebtäter bei seinem Opfer, weil ihm die Tat anschließend aufrichtig leid tut.“ Ihrer Meinung nach sind Triebtäter nicht therapierbar. „Aber das ist meine ganz private Überzeugung.“

Gewalt wird in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben

Beim Gewalttäter spiele die Triebbefriedigung auch eine Rolle, sein Hauptmotiv sei aber die Machtbefriedigung. „Gewalttäter sind sehr wohl therapierbar“, betont Ines Rose. „Die Gewaltbereitschaft ist ein Ergebnis der Sozialisierung. Sie wird in so genannten Gewaltfamilien von Generation zu Generation weitergegeben.“ Wer als Kind lerne: „Wenn ich nicht kriege, was ich will, dann schlage ich drauf, dann kriege ich es“, der verhalte sich auch als Erwachsener noch so. Gewalttäter seien fast immer Beziehungstäter. Dazu zählen für Ines Rose nicht nur familiäre Beziehungen und enge Paarbeziehungen, sondern auch flüchtige Kontakte. Nicht selten werde beispielsweise ein zurückgewiesener Flirtpartner aus der Disco aus Rache zum Gewalttäter, wenn seine Wünsche nicht erfüllt würden.

Jeder Mensch kann Opfer werden – manche werden es nie, andere häufig

Bei familiären Gewalttaten sollte die Therapie Täter und Opfer umfassen, denn die Opferrolle werde genauso „erlernt“, wie die Täterrolle. „Wir haben es schon geschafft, Familien wieder zusammenzuführen“, berichtet die Kommissarin. „Wer wird Opfer?“, fragt sie und gibt zu bedenken: „Es gibt Menschen, die werden häufig Opfer von Gewalt und andere nie.“ Grundsätzlich gelte: „Opfer können wir alle werden.“ Wichtig sei es, sich eine Haltung anzueignen, die ganz klar ausdrücke: „Mit mir nicht!“ Das könne man in Selbstbehauptungskursen sehr gut einüben, auch wenn es am Anfang zweifellos Überwindung koste.

Um nicht Opfer zu werden, spiele die Prävention eine große Rolle. Dazu gehöre, sichere Wege zu wählen, nicht alleine zu gehen. Jungen Mädchen und Frauen rate sie, immer mit Freunden und Freundinnen in die Disco zu gehen und sie auch gemeinsam zu verlassen. Von Pfefferspray zur Selbstverteidigung hält Ines Rose nicht viel, eher von einem Schrillalarm, der Täter meist in die Flucht schlage.

Frauen sind häufig Mittäterinnen

In ihren Vorträgen wird Ines Rose gefragt, weshalb sie immer über Männer als Täter rede. „Gibt es denn keine Trieb- oder Gewalttäterinnen?“ „Mir ist noch keine Triebtäterin begegnet“, gesteht sie. „Es gibt allerdings Fälle von Grenzüberschreitungen durch Frauen bei Zärtlichkeiten zwischen Mutter und Sohn.“ Körperliche Gewalt von Frauen gegen Männer sei selten oder sie werde selten angezeigt, weil Männer sich schämen. „Frauen sind eher Meisterinnen der psychischen Gewalt.“

Zunehmend werde jedoch auch bei körperlicher Gewalt zwischen Frauen ermittelt – in Paarbeziehungen oder zwischen Frauengruppen. Man dürfe auch nicht vergessen, dass die Mehrheit der Bordelle in Frauenhand sei. „Frauen sind häufig Mittäterinnen bei Gewalttaten, auch bei der Verbreitung von Pornographie und Kinderpornographie. Meistens geht es dabei nicht um Kindesmissbrauch, sondern um Fotocollagen, in denen Missbrauch dargestellt wird.“

Manche Täter bahnen den Kontakt über soziale Netzwerke im Internet an

Eine Gruppe in Ines Roses K2 beschäftigt sich mit Internet-, PC- und Handykriminalität, was auch eines ihrer Lieblingsthemen ist. Allerdings gesteht sie, schrecklichste kinderpornographische Bilder gesehen zu haben, die sie niemand zu sehen wünsche. Zugleich weist sie auch auf die Gefahren des Internets für Kinder und Jugendliche hin. „Soziale Netzwerke wie ‚wer kennt wen’ oder Schüler-VZ sind eine tolle Idee, sie werden aber von Tätern durch falsche Angaben missbraucht.“ Sie selbst hat einen Täter überführt, der sich einem 14-jährigen Mädchen gegenüber als Jugendlicher ausgegeben und einen Treffpunkt am Mainzer Hauptbahnhof vereinbart habe. Kennzeichen: Rote Nelke im Rucksack. Der „Jugendliche“ war über 40 Jahre alt. „Trotzdem schrecken manche Mädchen nicht zurück und fühlen sich geschmeichelt, von einem erwachsenen Mann begehrt zu werden.“

Ines Rose hat trotz der schrecklichen Bilder, die sie schon gesehen hat, eine überaus bejahende Lebenshaltung und eine frohgemute Ausstrahlung. Strahlend erzählt sie: „Ich bin der positivste Mensch auf der Welt. Ich glaube daran, dass es nichts gibt, was nicht irgendeinen Sinn erfüllt. Und mein Ventil ist der Sport. Außerdem gehe ich gern in die Sauna und schwitze alles ‚Böse’ heraus.“

Christa Kaddar, Christa Kaddar

Christa Kaddar - Christa Kaddar ist freie Journalistin und Fotoreporterin. Als freie Mitarbeiterin der Redaktion des Rheingau Echos und der Gesellschaft ...

rss