Hörspiel-Kritik: Prof. Sigmund Freud (8) – Krankheit und Symptom

Hörspiel/STIL - STIL
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Hörspielserie „Prof. Sigmund Freud" vereint Kriminologie mit Psychoanalyse und setzt damit neue Maßstäbe: anspruchsvoll, spannend und atmosphärisch.

Wien in den 1920er Jahren: Während der Sanierungsarbeiten in einer Strafjustizanstalt wird in den Wänden einer der alten Zellen ein Tagebuch gefunden – mit detaillierten Beschreibungen einer 20 Jahre zurückliegenden und ungeklärten Mordserie an Frauen. Während sich Gendarm Karl Gruber (Andreas Fröhlich, bekannt durch "Die drei ???" oder "Die Geisterseher" ) und seine Assistentin Anna Freud (Felicitas Woll) auf die Suche nach den ehemaligen Insassen der Zelle machen, versucht Prof. Freud, sich anhand des Tagebuchs in die Psyche des Mörders zu versetzen. Kurze Zeit später erhält Gruber einen anonymen Brief des angeblichen Verfassers, der mit ihm einen „Pakt“ eingehen will: Gruber soll das Tagebuch vernichten, andernfalls sehe sich der ehemalige Gefängnisinsasse gezwungen, den „alten Weg“ wieder zu beschreiten …

„Prof. Sigmund Freud“ verbindet Kriminologie mit Psychoanalyse

„Krankheit und Symtom“ ist der nunmehr achte Fall um den weltberühmten Psychoanalytiker Sigmund Freud (Hans Peter Hallwachs, unter anderem bekannt durch seine zahlreichen Rollen in der Tatort-Fernsehserie und in "Mord mit Aussicht"), der dem Gendarmen Karl Gruber in schwierigen Mordfällen beratend zur Seite steht. Dabei verläuft die Handlung stets nach einem bestimmten – und für ein Hörspiel ungewöhnlichen – Muster: Während Gruber zusammen mit Freuds eigensinniger Tochter Anna im Mordfall ermittelt, versucht Prof. Sigmund Freud, die Psyche der Verbrecher zu analysieren und auf diese Weise eine ihm noch fremde Welt zu betreten: die Kriminologie. Dabei vermischt sich im Hörspiel Realität mit Fantasie und Psychologie mit Krimi. Wir werden Zeuge von Freuds innerem Monolog zwischen „Es“ und „Ich“, machen Zeitsprünge zu vergangenen Ereignissen, hören die Gedankenfetzen von Opfern und Tätern. Wir betreten mit Anna Freud und Karl Gruber die buchstäblichen Schattenseiten der Gesellschaft, wenn wie die schmutzigen Hinterhöfe der Elendsviertel, verzweifelte Kindsmörderinnen oder vom Ersten Weltkrieg traumatisierte Soldaten besuchen.

STIL setzt mit „intellektuellem Kriminalhörspiel“ neue Maßstäbe

Simon Bertling (u. a. Regie der Wallander-Reihe beim Hörverlag) und Christian Hagitte (bekannt durch die ebenso psychologisch aufwendig und anspruchsvoll inszenierte "Edgar-Allan-Poe"-Serie mit Iris Berben und Ulrich Pleitgen) betreten mit ihrer neuen Hörspielserie um den Psychoanalytiker Sigmund Freud ein gefährliches Terrain: das „intellektuelle Kriminalhörspiel“. Und es funktioniert. Der Hörer betritt die Praxis des weltberühmten Arztes, wird Zeuge der Gespräche mit seinen „hysterischen“ oder „melancholischen“ Patienten und wirft einen Blick in die düsteren Abgründe einer zutiefst gespaltenen und doppelmoralischen Gesellschaft der K & K Monarchie. Hervorragende Sprecher, die ungewöhnlich konzipierte Geschichte und die eigens komponierte und vom Berliner Filmorchester eingespielte Soundtrack machen „Prof. Sigmund Freud“ zu einer äußerst spannenden, anspruchsvollen und auch lehrsamen Hörspielserie.

Prof. Sigmund Freud (8): Krankheit und Symptom. 1 Audio-CD. STIL 2011. Laufzeit ca. 60 Min. Preis € 9,95.

Bettina Henningsen, Bettina Henningsen

Bettina Henningsen - Hallo und herzlich Willkommen in meinem Profil bei suite101.de! Geboren und aufgewachsen bin ich in Flensburg. Dort absolvierte ich ...

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