Krimitipp: "Der Duft des Kaffees"

In Gerhard J. Rekels Kriminalroman dreht sich alles um Kaffee

Der Duft des Kaffees - dtv
Der Duft des Kaffees - dtv
Vergiftete Kaffeebohnen und die Geschichte einer Verschwörung: Gerhard J. Rekel entführt in seinem Krimi in die faszinierende Welt des aufputschenden Türkentranks.

Ein Anschlag mit vergifteten Kaffeebohnen erschüttert Deutschland. Der verschrobene Privatröster Hans Brioni macht sich daran, die Drahtzieher des Giftanschlags aufzudecken, dem auch sein Sohn fast zum Opfer gefallen wäre. Ist es die Tat eines Wahnsinnigen? Steckt Erpressung dahinter oder der skurrile Verein zur Verlangsamung der Zeit? Der Querkopf Brioni, ein Mann, der in der Liebe gescheitert und in die Welt des Kaffees geflüchtet ist, in der er leidenschaftlich die Kunst des Röstens, Schmeckens und Trinkens zelebriert, wird schließlich selbst zum Verdächtigen und Gejagten.

Aufputschende Magie

Auch die unerfahrene Fernsehjournalistin Agathe, gerade auf der Suche nach der großen Story, unterstellt dem Kaffeefetischisten, die Giftanschläge auf Produkte der Marktführenden Kaffeekonzerne verübt zu haben und heftet sich an seine Fersen. Die Jagd nach den Tätern führt die beiden schließlich bis nach Wien, in die Stadt der Kaffeehäuser. Je mehr Agathe in Brionis Welt des Kaffees eintaucht, umso mehr erfährt sie von der historischen Bedeutung des aufputschenden Getränks und dessen Magie. Nach und nach gelingt es ihr, Brionis emotionale Mauer – Bohne für Bohne – niederzureißen. Doch bis zum Schluss bleibt offen, wer tatsächlich hinter den Anschlägen steckt.

Geschichte des Kaffees

Liebe in verschiedenen Facetten, eine turbulente Vater-Sohn-Beziehung, Verschwörungstheorien, die Geschichte des Kaffees, Berlin, Wien – das sind nur einige Aspekte des dicht gewebten Kriminalromans, in dem auch der Humor nicht zu kurz kommt. „Der Duft des Kaffees“ ist die spannende Geschichte einer Verschwörung, ohne Blutlachen und Brutalitäten. Der Leser wird in die Welt der Kaffeebohnen und des Orients versetzt, wird ganz nebenbei mit den historischen Wurzeln des schwarzen Muntermachers vertraut gemacht.

Bittere Leidenschaft

Ohne dass die rasante Handlung darunter leidet, verwebt der Berliner Kriminalschriftsteller Gerhard J. Rekel Wissenswertes über Bohnen, deren Röstung, die äthiopische Kaffeezeremonie und orientalische Einflüsse in Wien. Am Rande erfährt der Leser zum Beispiel auch, dass man das Glas Wasser, das zu einem Kaffee gereicht wird, vor dem Genuss des aufputschenden Getränks trinkt und nicht danach. Rekels Liebe und Leidenschaft für Kaffee ziehen sich durch den ganzen Roman, seine Figuren hat er nach historischen Wiener Kaffeehäusern benannt.

Kaffeetrinken

Der gebürtige Grazer Gerhard J. Rekel entdeckte bereits mit zwölf Jahren die Leidenschaft am Spiel mit Worten und Geschichten, besuchte die Filmakademie, schreibt heute Hörspiele, Drehbücher und Theaterstücke, die bereits mehrfach ausgezeichnet wurden. Beim Schreiben lernte er die Qualitäten von Kaffee zu schätzen, bis er mit Magenverstimmungen zu kämpfen hatte. Daraufhin beschäftigte er sich mit der Wirkung des Türkentranks, war überrascht von der historischen Rolle des orientalischen Elixiers und fand schließlich für sich jene Bohnenmischung, die Kopf, Seele und Magen beflügelt.

Melange

Der Duft des Kaffees ist der bislang einzige Kriminalroman, in dem sich alles um Kaffee dreht. „Nicht ich wollte zum Thema, sondern Thema und Inhalt wollten zu mir. Irgendwann beginnt man sich für einen Stoff zu interessieren, und plötzlich springt er einen von allen Seiten an. Bei Kaffee natürlich besonders“, erinnert sich der passionierte Kaffeetrinker Rekel. Fünf Jahre recherchierte er für seinen Kriminalroman, traf sich mit den besten Kaffee-Spezialisten Europas und durchstöberte unzählige Kaffeearchive und Museen in verschiedenen Ländern. „Schreiben ist für mich eine ‚Melange’ aus Gelebtem, Erdachtem, Erhofftem, Befürchtetem und Recherchiertem. Auf die (Bohnen) Mischung kommt es für mich an.“

Gerhard J. Rekel: Der Duft des Kaffees. Die Geschichte einer Verschwörung. dtv 2005. Klappenbroschur, 256 Seiten. Euro 14,00. Ab Ende März 2008 auch als dtv-Taschenbuch erhältlich, Euro 7,95.

Weitere Krimitipps: Tödliche SMS; Mord im Kurpark; Geheimes Venedig; Der letzte Engel springt.

Ilona Mayer-Zach, Sabine Windsor

Ilona Mayer-Zach - Geboren in Graz, Wahlwienerin. Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften; Medienkundlicher ...

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