Krise und Untergang der römischen Republik

Cover Christ, Krise und Untergang...  - WBG
Cover Christ, Krise und Untergang... - WBG
Rezension zu Karl Christ, Krise und Untergang der römischen Republik, Darmstadt: WBG (6.Aufl.) 2008. ISBN 9783534200412

Das mittlerweile in der sechsten Auflage erschienene Buch des Althistorikers Karl Christ widmet sich der krisenhaften Spätphase der Römischen Republik und fragt nach den strukturellen Ursachen ihres Scheiterns. Die Fülle an Detailkenntnissen und die über Jahrzehnte fortlaufende Aktualisierung des Forschungsstandes haben dem Buch zu Recht den Ruf eines unentbehrlichen Standardwerks eingebracht.

Ältere Deutungen der späten Republik

Christ kritisiert ältere Deutungen der späten Republik (278- 31 v.Chr.), die ihre krisenhaften Auflösungserscheinungen und ihr Ende mit dem Revolutionsbegriff belegen. Die großen Althistoriker des 19. Jahrhunderts begrüßten den Niedergang der Republik im Bürgerkrieg (49- 48 v.Chr.) gar als welthistorische Notwendigkeit. Nach Ranke, Burckhardt und Droysen bereitete der Übergang zum Kaiserreich dem abendländischen Christentum den Weg. Nach Theodor Mommsen rettete Caesars Usurpation das Römische Reich aus den Fängen der kleingeistigen Senatsaristokratie. Als Zeit revolutionärer Umwälzungen haben auch marxistische Historiker die späte Republik verstanden. Dabei missverstehen sie allerdings, so Christ, die Kämpfe zwischen Optimaten und Popularen als Klassenkämpfe. Gemeinsam sei den älteren Deutungsangeboten, dass sie Krise und Untergang der Römischen Republik vor dem Hintergrund späterer Entwicklungen analysieren und daher längerfristige strukturelle Ursachen übersehen. Diese erkennt Christ primär in der Unfähigkeit, die politische Verfassung dem wirtschaftlichen Wandel und der territorialen Expansion anzupassen. So gerechtfertigt die Kritik des Autors an der älteren Historiographie ist, trägt sie letztlich „Eulen nach Athen“, denn die besprochenen „Klassiker“ spiegeln schon seit Jahrzehnten nicht mehr den althistorischen Forschungsstand wieder.

Expansion und Krise der Römischen Republik

Auf den ersten Blick bietet Christs Buch einen strukturgeschichtlichen Ansatz zur Erklärung von Krise und Untergang der Römischen Republik. Tatsächlich verweisen die Kapitel über die Anfänge der territorialen Expansion, den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel im Inneren, die Bundesgenossenfrage und die Heeresreform auf grundlegende Problemkomplexe bei der Entwicklung Roms vom Stadtstaat zur Weltreich. Das militärische Agieren Roms in fast allen Teilen der bekannten Welt verlieh den mit einem imperium ausgestatteten Heerführern eine Machtfülle, die die traditionelle Senatsherrschaft auf Dauer unterhöhlen musste. Die Ausbreitung der großbetrieblichen Villenwirtschaft und die Ausdehnung der Staatsbürgerschaft auf die Bundesgenossen vergrößerten die städtischen Unterschichten (plebs), welche einen leicht politisch zu mobilisierenden Unruheherd darstellten. Obwohl Christ die Reformversuche der Gracchen sehr skeptisch beurteilt, verdeutlichte ihr Scheitern, dass grundlegende Veränderungen mit der Senatsaristokratie nicht zu machen waren. Stattdessen verschärften sich die Konflikte zwischen Optimaten und Popularen – eine Situation, in der konkurrierende Heerführer wie Marius und Sulla, Pompeius und Caesar das Reich in Bürgerkriege stürzen konnten. Mit der Begründung des Principats durch Augustus entglitt dem Senat endgültig die Führungsrolle in der römischen Politik.

Fazit

Christs strukturgeschichtlicher Ansatz tritt im Verlauf des Buches immer wieder hinter lange ereignisgeschichtliche Passagen zurück. Mit Caesars Gallischem Krieg und dem Bürgerkrieg treten dann endgültig politische und militärische Winkelzüge in den Mittelpunkt der Darstellung. Sozial-, wirtschafts- und kulturgeschichtliche Fragen kommen nun, im Gegensatz zur ersten Hälfte des Buches, kaum noch vor.

Thomas Gräfe - Studium Geschichte, Englisch und Sozialwissenschaften in Bielefeld und Brighton (1997- 2003) Beruf im ...

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