
- Kristof Magnusson: Das war ich nicht - Antje Kunstmann Verlag
Kristof Magnusson – diesen Namen sollte man sich merken. Er schrieb einen der witzigsten, unterhaltsamsten, klügsten und lesenswertesten Romane des Bücher-Jahrgangs 2010, obwohl er – genau wie Alina Bronsky, Michael Köhlmeier, Mariana Leky, Olga Martynova und Doron Rabinovici – den Deutschen Buchpreis nicht bekam und "nur" auf der Longliststand. Literaturjuroren entscheiden eben manchmal nach anderen Kriterien als die Leser. Worum es geht:
Ein Investmentbanker in Chicago
Jasper, Henry, Meike. Drei singuläre Personen, drei Singles, drei Dickköpfe. Der Deutsche Jasper Lüdemann arbeitet als gestresster Investmentbanker in Chicago, nicht etwa im Händlersaal, nein, er ist im Back Office und hat dort einen eigenen Computerplatz, den er mit einer königsblauen Schalke-Fahne ausstaffiert hat. Eines Tages kommt er ganz entspannt und bester Laune von einem Schulungsaufenthalt in London zurück und sieht von weitem einen Krawattenmann zusammen mit seinem Chef Alex neben seinem Arbeitsplatz stehen. Panik. "Ich war gefeuert. Wusste zwar nicht warum, doch es war eindeutig. Der Krawattenmann richtete meinen Computer für den Neuen ein."
Eine Übersetzerin in Hamburg
Meike ist eine Übersetzerin, die zunehmend "Heimweh nach einem Ort, von dem ich nicht wusste, wo er war", empfindet. Deshalb flieht sie aus der engen Welt ihrer Hamburger "Pärchenfreunde" und aus der gemeinsamen Wohnung mit Freund Arthur aufs Land, genauer gesagt, in die Region, aus der die Produkte "aus der Region" kommen. Jetzt wartet sie auf das neue Manuskript des amerikanischen Bestsellerautors Henry LaMarck, das schon vor Wochen hätte eintreffen sollen. Meike wartet ungeduldig, denn sie ist pleite. Schließlich verkauft sie ein Gemälde, das sie zu ihrem dreißigsten Geburtstag bekommen hat und macht sich eigenmächtig auf den Weg nach Chicago, um nachzusehen, warum Henry LaMarck sein Buch nicht fertigschreibt. "Wenn Weggehen nicht funktioniert hatte, wird hoffentlich etwas anderes funktionieren: Weiter weg gehen."
Schreibblockade eines Schriftstellers
In der Tat hat der erfolgreiche Schriftsteller Henry LaMarck ein gewaltiges Problem: eine Schreibblockade plagt den Sechzigjährigen. Deshalb flieht er von seiner eigenen Geburtstagsparty und vergräbt sich in einem Hotel. Zufällig läuft ihm Jasper über den Weg – er verliebt sich in ihn. Jasper wiederum lernt Meike kennen, und schon ist das Trio der vermeintlich Gescheiterten komplett, es beginnt ein Reigen, der sich zum Wettlauf steigert und mit Liebe endet. Ganz nebenbei lernen wir einiges über das Handwerk des Investment Bankings – wie schnell ist man doch ruiniert, als Bank, als Mensch! – und können herzlich lachen über die Kapriolen und unvermutete Schicksalsverkettung der drei Sinnsucher Jasper, Henry und Meike.
Kirchenmusiker, Leipziger Literaturabsolvent, Komödienschreiber – Kristof Magnusson
Der junge Berliner Schriftsteller Kristof Magnusson, gebürtiger Hamburger, ausgebildeter Kirchenmusiker und Absolvent des Deutschen Literaturinstituts Leipzig, verdient sich seinen Lebensunterhalt unter anderem als Übersetzer aus dem Isländischen. Sein Name wurde einer breiteren Öffentlichkeit durch die erfolgreiche Komödie "Männerhort" bekannt. Für den Debütroman "Zuhause" erhielt er den Rauriser Literaturpreis.
Kristof Magnusson unbedingt lesen: "Das war ich nicht"
Wer etwas richtig Frisches, Komisches und Intelligentes lesen möchte und sich noch nicht eingerichtet hat in der Schöner-Wohnen-Welt mit Weinklimaschrank (oder seinem perfekt geordneten Leben für ein Weilchen entfliehen möchte), sollte sich mit Kristof Magnussons Roman ins Wochenende, in öde Feiertage oder auf eine Ferieninsel zurückziehen.
Kristof Magnusson: Das war ich nicht. Roman. Verlag Antje Kunstmann 2010. Gebunden. 288 Seiten. 19,90 Euro
