Kriterien für einen guten Tierarzt

Für den Hund nur das Beste. - Denise Fritsch
Für den Hund nur das Beste. - Denise Fritsch
Tierhalter wollen nur das Beste für Ihr Tier. Dazu gehört auch ein Tierarzt, der um das Wohl des Tieres bemüht ist.

Spätestens nach der Lektüre von "Hunde würden länger leben, wenn ...", einem Buch über Missstände in vielen Tierarztpraxen, werden Tierhalter ihren Tierarzt mit anderen Augen betrachten. Die Autorin Jutta Ziegler berichtet von Tierärzten, deren einzige Motivation die Vermehrung ihres Vermögens zu sein scheint. Sie berichtet außerdem von "Mitläufern", die nicht in der Lage sind, von der Schulmedizin abzuweichen, um nach alternativen medizinischen Maßnahmen zu suchen, um ein krankes Tier zu heilen. Doch es gibt auch die anderen, nämlich die Tierärzte, die sich um das Wohl ihres haarigen Patienten bemühen und nichts unversucht lassen, ihm zu helfen. Die folgenden Kriterien helfen, einen guten Tierarzt auszuwählen.

Der Umgang mit dem Tier

Vor einer Untersuchung sollte der Tierarzt Kontakt mit dem Tier aufnehmen. Er sollte mit ihm sprechen, es berühren, ihm ein Leckerli anbieten. Dabei sollten seine Bewegungen ruhig und bedacht sein. Auf diese Weise kann sich das Tier selbst beruhigen und Vertrauen aufbauen. Ist ein Tierarzt hingegen oft gestresst und lässt er sich nicht auf das Tier ein, ist ein Tierarztwechsel zu empfehlen. Da sich Tiere ohnehin nicht wohl fühlen, wenn sie sich in einer Praxis aufhalten, sollten sie nicht noch von einem überreizten Tierarzt behandelt werden. Die Anspannung des Mediziners überträgt sich auf das Tier und führt bei diesem zu einem erhöhten Stresspegel.

Während der Untersuchung sollte sich der Tierarzt vollkommen auf das Tier konzentrieren und nicht nebenbei mit seinem Personal über unrelevante Dinge plaudern oder zwischendurch noch einen anderen Patienten behandeln.

Sind Fragen erlaubt?

Tierärzte sind keine Götter in Weiß - und so sollten sie sich auch nicht fühlen. Ein Tierhalter hat das Recht, über die Krankheit seines Tieres umfassend informiert zu werden und nicht durch kurze und ungenaue Bemerkungen abgewiesen zu werden. Wenn der Tierarzt bereit ist, den Tierhalter aufzuklären, schafft dies Vertrauen. Zudem kann sich ein informierter Tierhalter besser um sein Tier kümmern.

Behandelt der Tierarzt nur die Symptome oder sucht er auch nach den Ursachen?

Nicht wenige Tierärzte machen sich nicht einmal die Mühe, herauszufinden, woran ein Patient leidet. Manchen fehlt dazu die Zeit, weil das Wartezimmer gefüllt ist, andere haben kein Interesse daran, weil sich mit einem gesunden Tier kein Geld mehr verdienen lässt. Ein Beispiel: Ein Tierhalter kommt in die Praxis, weil sich der Hund seit einiger Zeit täglich am gesamten Körper kratzt. Um den Juckreiz zu stillen, greifen einige Tierärzte in diesem Fall sofort zur Spritze. Klingt das Mittel im Körper ab, beginnt das Kratzen erneut - und wieder spritzt der Tierarzt das juckreizstillende Mittel. Auf diese Weise verdient er bei jedem Besuch Geld. Ein guter Tierarzt hingegen spritzt erst einmal gar nichts, sondern versucht zu ergründen, woher der Juckreiz stammt.

Interessiert den Tierarzt die Krankengeschichte?

Wenn ein neuer Tierarzt aufgesucht wird, sollte dieser nach den bisherigen Erkrankungen fragen. Die Vorgeschichte eines Hundes sollte dann in der Patientenakte festgehalten und nach jedem Besuch aktualisiert werden. Außerdem sollte der Arzt die Akte bei jeder Behandlung parat haben, damit er feststellen kann, ob Krankheitsverläufe zusammenhängen oder nicht. Auch für die Gabe von Medikamenten ist ein Blick in die Patientenakte Pflicht.

Wie werden die Medikamente verordnet?

Jedes Tier sollte bei einem Tierarzt als Individuum behandelt werden. Das bedeutet auch, dass sich der Tierarzt vor der Gabe eines neuen Medikaments darüber informiert, ob es bekannte Allergien gibt oder ob es bereits in der Vergangenheit Hinweise gegeben hat, dass das Tier ein Medikament nicht verträgt. Entweder kann er diese Information in der Patientenakte nachlesen oder den Tierhalter fragen. Zudem sollte der Tierarzt genau beschreiben, wie ein Medikament einzunehmen ist und welche möglichen Nebenwirkungen auftreten können.

Ein Beispiel, was passieren kann, wenn ein Tierarzt nicht in die Krankenakte schaut, ist folgendes: Ein Hund hat eine Allergie gegen verschiedene Fleischsorten. Das ist die Vorerkrankung, die normalerweise im Computer des Arztes gespeichert sein sollte. Eines Tages hat der Hund starke Bauchschmerzen und der Arzt stellt fest, dass es sich um eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse handelt. Der Hund erhält daraufhin ein marktübliches Medikament, in dem als Geschmacksverstärker Fleisch und tierische Nebenprodukte enthalten sind. Infolgedessen juckt sich der Hund tagelang. Erst bei dem darauffolgenden Tierarztbesuch fällt dem Arzt nach einem Blick in die Patientendatei auf, dass der Hund diese Tabletten aufgrund seiner Allergie nicht verträgt.

Offenheit des Tierarztes gegenüber der Alternativmedizin

Es muss nicht immer die Schulmedizin sein, die hilft. Ein guter Tierarzt zieht bei harmloseren Erkrankungen auch alternative Heilmethoden wie homöopathische Medikamente in Betracht, anstatt die Augen verdrehen, wenn der Tierhalter danach fragt.

Überweisungen zu Spezialisten

Überweist ein Tierarzt einen Patienten zu einem Spezialisten, ist dies ein gutes Zeichen. Es zeigt ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein, da der Tierarzt sich eingesteht, dass ein anderer Arzt mehr dazu beitragen kann, dass eine Krankheit einen positiven Ausgang nimmt.

Die Praxis: Wie gut ist sie technisch ausgestattet? Wie sauber ist sie?

Die Sauberkeit spielt in einer Tierarztpraxis eine große Rolle. Sowohl das Wartezimmer als auch die Behandlungsräume müssen sauber sein. Der Behandlungstisch sollte nach jedem Patienten desinfiziert werden. Die Kleidung des Tierarztes und der Tierarzthelferinnen ist ein guter Indikator, um die Sauberkeit in einer Praxis beurteilen zu können.

Zur technischen Grundausstattung eines Tierarztes sollte ein Röntgengerät, ein Ultraschallgerät sowie ein kleines Labor für Schnelltests gehören. Besonders im Notfall kann diese Grundausstattung lebensrettend sein.

Ratenzahlung möglich?

Es kommt leider gar nicht so selten vor, dass Tierärzte Patienten abweisen, weil die Tierhalter die Kosten nicht sofort aufbringen können. Da Tierärzte selbstständig arbeiten und Angestellte bezahlen müssen, ist es nur verständlich, wenn sie darauf achten, dass sie für ihre Leistung auch bezahlt werden. Dennoch sollte ein Tierarzt in begründeten Ausnahmefällen bereit sein, auch für kleinere Beiträge eine Ratenzahlung zu vereinbaren.

Vergleichsplattform: Bewertete Tierärzte im Internet

Nicht nur Humanmediziner werden im Internet bewertet: neuerdings ist es auch Tierhaltern möglich, ihren Tierarzt öffentlich zu bewerten, beispielsweise bei der Plattform "Mein guter Tierarzt". Diese ist ein Bewertungsportal, in dem Tierhalter ihre Erfahrungen mit einem Tierarzt mitteilen können. Auf diese Weise wird es anderen Tierhaltern, die auf der Suche nach einem neuen Tierarzt sind, erleichtert, sich einen ersten Eindruck von diesem verschaffen. Jedoch ist eine solche Plattform noch kein Maßstab dafür, ob ein Tierarzt gut oder schlecht ist. Insbesondere dann, wenn ein Tierarzt von nur einem einzigen Nutzer bewertet worden ist, sollte sich ein Tierhalter ein eigenes Bild machen. Bewertungen sind subjektiv und können aus verschiedenen Gründen abgegeben worden sein. Wenn mehrere Tierhalter allerdings zu demselben Urteil kommen, kann dieses durchaus als Kriterium für oder gegen die Wahl eines Tierarztes gewertet werden.

Quellen:

Eigene Erfahrungen;

Jutta Ziegler: Hunde würden länger leben, wenn ... Schwarzbuch Tierarzt. BoD-Verlag, 2011, ISBN: 978-3-8423-2460-3, 17,80 Euro.

Denise Fritsch - Jahrgang 1982, Studium der Politikwissenschaften, Sinologie, Germanistik und Soziologie in Bochum, Shanghai und Hagen. Denise Fritsch lebt ...

rss