Schon beim Öffnen des Briefkasten rutschen trotz des Schildes „Bitte keine Werbung einwerfen“ bunte Prospekte mit Angeboten heraus. Entlang der Straßen strahlen fröhliche Gesichter auf unübersehbaren Plakaten um die Wette und in Cafés stapeln sie sich überall – Werbeflyer, Werbepostkarten, Werbebroschüren, Werbeprospekte, Werbehefte und Werbe-Visitenkarten. Um Konsumenten wird heiß geworben. Bei der Flut an Werbung fühlen sich diese jedoch häufig überfordert, genervt oder gar belästigt. Werbekritik – sprich Kritik an der Werbung – wurde zunehmend geübt, so dass sich dieser Begriff etablierte.

Welche Kritik wird an Werbung geübt?

Kritisiert wird an Werbung:

  • die völlige Durchdringung des öffentlichen Raums
  • die Umweltverschmutzung und die unnötige Verschwendung von Ressourcen
  • die Beeinträchtigung des Kaufverhaltens
  • die Veränderung des Landschafts- oder Stadtbildes
  • die unterbewusste Beeinflussung des Verbrauchers
  • der Verlust an Privatsphäre und Vertrauen

Werbung beeinflusst uns täglich

Vor allem der letzte Punkt wird von Werbekritikern als bedrohlich empfunden, da dies bedeutet, dass wir uns Werbung nicht entziehen können und sie sogar in unseren privaten Bereich eindringt. Der Einfluss von Werbung ist kein geringer. Werbung setzt Maßstäbe und kreiert für uns Lebensvorstellungen. Täglich wird der Nutzer von Medien wie Fernsehen oder Internet mit Bildern von schönen, schlanken, jungen und sportlichen Menschen in der Werbung konfrontiert. Nicht selten setzt durch die tägliche Bombardierung eine unbewusste Beeinflussung ein, die gerade für Kinder und Teenager, die in ihren Lebensstrukturen noch nicht gefestigt sind, gefährlich sein kann.

Wer übt Werbekritik?

Der Protest der Werbekritiker richtet sich gegen die Flut an Werbung. Auch Privatpersonen möchten davor bewahrt werden. Darum befestigen sie Aufkleber an ihre Briefkästen mit „Bitte keine Werbung einwerfen“. Robinsonlisten und Spamfilter sollen den vermeintlichen Kunden ebenso vor übermäßiger Werbung bewahren. Beim Fernsehen ist die Fernbedienung als Instrument des Wegschaltens von Werbung nicht mehr wegzudenken. Mit den negativen Folgen von Werbung setzen sich Verbraucherschutzverbände, Soziologen, Konsumkritiker und andere Kritiker auseinander. Sie wollen breite Bevölkerungsschichten für das Thema Werbekritik sensibilisieren.

Unerwünschte Werbung in E-Mails

Besonders lästig sind für den Verbraucher E-Mails, die unerwünschte Werbung enthalten. „95 Prozent aller verschickten Mails sind Spam, wie der Branchenverband Bitkom ... unter Berufung auf eine Umfrage der europäischen Agentur für Internetsicherheit (Enisa) berichtete.“ In dem Artikel von teletarif.de wird zudem berichtet, dass die meisten Spam-Mails aus den USA, China und Russland kommen. Bitkom-Präsidiumsmitglied Dieter Kempf findet die Verschärfung von Gesetzen zwar notwendig, glaubt jedoch, dass sie kaum durchzusetzen sind, da die Versender im Ausland tätig sind. Etwa eine Million Euro zahlt jeder dritte der großen Mailanbieter im Jahr, um Spam-Mails abzuwehren.

Werbekritik notwendig?

Dieses Beispiel zeigt, welche Kosten bei der Bekämpfung von unerwünschter Werbung entstehen können und beweist, dass Werbekritik durchaus ihre Berechtigung hat. Dennoch sollte Werbung nicht pauschal dämonisiert werden, denn generell spricht nichts dagegen, dass jemand für sein Produkt oder seine Angelegenheit wirbt. Schließlich sind auch Werbekritiker darauf angewiesen, ihre Sache zu bewerben, um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf ihre Angelegenheit zu richten. Wo fängt also „gute“ Werbung an und hört „schlechte“ Werbung auf? Letztendlich müssen sich diese Frage die Verbraucher selbst beantworten.