Kritik an Ratingagenturen - notwendig oder politisch motiviert?

Sind Ratingagenturen Schuld an der Euro-Krise? - Angela Parszyk  / pixelio.de
Sind Ratingagenturen Schuld an der Euro-Krise? - Angela Parszyk / pixelio.de
Ob die Politik tatsächlich die Macht der Ratingagenturen beschränken sollte, oder nur einen Sündenbock für eigene Verfehlungen braucht.

Die Euro-Krise erreicht einen neuen Höhepunkt. Die Ratingagentur Moody's stuft Irland auf "Ramschniveau" herab, unter Fachleuten auch als Ba1 bekannt. Das heißt nichts anderes, als dass die Agentur dem Staat die Fähigkeit abspricht, einen Kredit in einem vereinbarten Zeitraum zurückzuzahlen. Warum das so schlimm ist? Die Bewertung setzt eine Art Kettenreaktion in Gang, die die ohnehin schon angeschlagene Volkswirtschaft Irlands noch weiter schädigen wird. Kein privater Investor wird daraufhin noch sein Geld nach Irland fließen lassen, weswegen auch der Regierung das Kapital fehlen wird, um die so dringend benötigte antizyklische Konjunkturpolitik zu betreiben. Vielmehr müssen sich die Iren ausschließlich an einen harten Sparplan halten, dessen Erfolg in den Sternen steht.

"Die drei Großen" unter Dauerfeuer

Wegen diesen gravierenden Auswirkungen vergeht kaum ein Tag, an dem die einflussreichsten Ratingagenturen Moody's, Standard&Poor's und Fitch nicht von irgendeiner Seite kritisiert werden. Besonders aus der Politik schlagen Wellen der Empörung hoch. Auf der "Mission Euro-Rettung" seien die Agenturen nur kontraproduktiv und machten erste Erfolge sofort wieder zunichte. So stieß die Herabstufung Irlands auf EU-weites Unverständnis, da die ersten Maßnahmen zur Schuldenbekämpfung bereits Früchte getragen hatten.

Die EU-Justizkommissarin Viviane Reding ging sogar soweit, von den USA, in denen die drei Großen ansässig sind, eine Zerschlagung der Agenturen zu fordern. Ein solches Kartell dürfe nicht den Euro kaputtmachen und über das Schicksal ganzer Volkswirtschaften entscheiden, so Reding zur Welt. Als Alternative schlägt sie die Gründung von europäischen und asiatischen Ratingagenturen an, die als Gegengewicht zur amerikanischen Übermacht fungieren sollen.

Auch Bundespräsident Cristian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerten bereits Kritik. Sie sind der Meinung, dass sich die Agenturen seit ihrem Versagen in der Finanzkrise nicht ausreichend verbessert hätten und man sich von ihnen nicht die Urteilskraft rauben lassen dürfe.

Der Bote wird zum Sündenbock

Bei näherer Betrachtung mutet diese mediale Hetzjagd wie der antike Brauch an, den Überbringer einer Hiobsbotschaft zu töten. Der Bote selbst konnte natürlich nichts für die schlechte Nachricht, aber das pure Ausprechen der Fakten wurde ihm zur Last gelegt. Die Politik scheint zu vergessen, dass die Ratingagenturen nicht willkürlich irgendwelche Buchstabenkombinationen mit Staaten in Verbindung bringen und damit mutwillig die Volkswirtschaft torpedieren, sondern lediglich die Sachlage möglichst objektiv analysieren. Anders gesagt: Die Ratings legen nur in wissenschaftlich fundierter Form dar, was viele Experten und Investoren schon lange wissen oder wenigstens ahnen.

Natürlich könnte man jetzt auf moralischer Ebene an die Führungsgremien der Agenturen apellieren, ihre Ergebnisse, wie zum Beispiel die EZB oder der IWF, möglichst geheim zu halten und nur intern weiterzugeben, um die beschriebene Kettenreaktion nicht in Gang zu setzten. Aber auch hier steckt man in einem Dilemma. Wie der Finanzberater der örtlichen Sparkasse ist jede Ratingagentur nicht nur moralisch, sondern auch gesetzlich verpflichtet, ihre Kunden, also die Anleger, vor drohender Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers zu warnen.

Noch vor wenigen Jahren bewerteten die selben Agenturen Unternehmen und Banken mit Bestnoten, bis die Blase platzte und die Welt in die Finanzkrise stürzte. Heute versuchen sie ihre Fehler von damals nicht zu wiederholen und werden dafür zu Prügelknaben der Politik.

Quellen:

Jan Lückhof, Jan Lückhof

Jan Lückhof - Mein Name ist Jan Lückhof und ich komme ursprünglich aus dem wunderschönen Ruhrgebiet. Dort bin ich auch zur Schule ...

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