Kritik: "Hostel"

Horrorfilm für Rucksacktouristen: Ami, stay home

Titelbild - amazon
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Eli Roth hat mit "Hostel" einen wenig originellen, aber sehr effektiven Horrorfilm abgeliefert, der dem slowakischen Tourismus mehr schaden dürfte als der Kalte Krieg.

Fast jede Generation hat ihre eigenen raubeinigen Kult-Horrorfilme: die 30er hatten “Freaks”, die 70er das “Texas Chainsaw Massacre”, die 90er das „Schweigen der Lämmer“ und das junge Jahrtausend Eli Roths „Hostel“.

Mördergrube Osteuropa – leichte Mädchen und Leichensäcke

Zwei junge Amerikaner und ein partysüchtiger Isländer hören in Amsterdam von einer legendären Jugendherberge voll williger slowakischer Mädchen. Das wollen die drei Amigos sich nicht entgehen lassen und machen sich auf, per Zug durch halb Europa zu reisen wobei sie einen niederländischen Geschäftsmann mit merkwürdigen Essmanieren kennen lernen, ehe sie in besagtem „Hostel“ eintreffen. Die leichten Mädchen stehen bereit, und nach einigen Runden versetztem Alkohol fallen die Helden erst in seligen Schlaf, dann einer Bande Menschenhändler in die Hände. Die osteuropäischen Entrepeneurs bieten einer wohlhabenden Kundschaft den Kitzel, ungestraft Menschen zu Tode foltern zu dürfen – ein Angebot, das Kunden von Japan bis Amerika anlockt.

Sadismus für Alle

Nachdem Oli und Josh den Skalpellen und Bohrern zum Opfer gefallen sind, gerät endlich auch Paxton auf der Suche nach seinen Freunden in die Folterkammer. Knapp kann er seinen (deutschen) Besitzer dank Verlust zweier Finger austricksen und sich durch das labyrinthische System nach Draußen schleichen, als die Schreie einer Gefolterten ihn doch zum Helden werden lassen: schwer verletzt kann er eine junge Asiatin retten und ihren (amerikanischen) Quälgeist entleiben. Auf der Flucht aus dem gesetzlosen Land stößt Josh dann wieder auf den Niederländer, der seinen Freund auf dem Gewissen hat – und ersticht ihn auf der Bahnhofstoilette von Wien, ehe er endgültig aus dem korrupten, barbarischen, mörderischen Europa fliehen kann.

Rassismus in Reinkultur

Das alte Europa kommt denkbar schlecht weg bei Roth und seinen Mitstreitern. Verkommen, verwinkelt und barbarisch erscheinen die Städte wie auch ihre Bewohner. Das ganze Land, ja der gesamte Kontinent scheint im Bunde mit den menschenverachtenden Folterern zu stehen, als wäre die einzig florierende Industrie der Menschenhandel. Die fiktionale Fremdenfeindlichkeit Europas erscheint fast als Spiegelung der Vorurteile der Filmemacher – obgleich diese beim Dreh in Tschechien viel Spaß gehabt zu haben scheinen.

Originell wie ein Besuch beim Metzger

Auch Eli Roths Erstling „Cabin Fever“ behandelte eine Gruppe junger Studenten, die im amerikanischen Hinterland auf missgünstige Eingeborene trafen. Im Vergleich zu „Hostel“ ist sein Vorgänger aber origineller und witziger, wenn auch nicht so nervenzerfetzend. In „Cabin Fever“ war der Hauptgegner eine Seuche, der die Helden sich erwehren mussten, die Feinde in „Hostel“ sind aus Fleisch und sehr viel Blut. Dadurch ist der Film effektiver, auch wenn man jede Originalität vermisst. Die einzige Überraschung besteht darin, dass der deutlich als Autorenstellvertreter aufgebaute Josh recht grausam stirbt, danach folgt der Film der Laufbahn einer Kugel. Ein ursprünglich geplantes Ende, in dem Paxton die Tochter des Niederländers entführt, wurde Testvorführungen zugunsten der banalen Racheszene aufgegeben – schade.

Simpel, kindisch – aber höllisch effektiv

Nichtsdestotrotz funktioniert „Hostel“ ausgezeichnet, ebenso wie jedes Märchen funktioniert. Ein Land voller Verräter, ein Keller voller Mörder, zivilisierte Männer, unter deren Oberfläche Barbarei und Perversion hausen. Gespannt erwartet man die unausweichliche und unvermeidbare Folterung der sympathischen Figuren, die auch visuell genüsslich zelebriert wird. Klugerweise verzichtet Roth weitgehend auf grobmotorische Instrumente, Skalpelle und Bohrmaschinen sind als Alltagsgeräte weitaus wirkungsvoller. Das Durchtrennen der Achillessehnen des todgeweihten Josh ist ein besonders schlimmer Moment, schrecklicher als jede Enthauptung.

The Good, the Bad and the Ugly

Die platte Teilung in eine „gute“ zivilisierte Welt (Amerika und Nordeuropa) und eine „böse“ sadistische (der ganze Rest) tragen zur Unausweichlichkeit des Schicksals bei. Dass damit uralte Vorurteile wieder aus der Gruselkiste geholt und zementiert werden ist ein etwas bitterer Nebeneffekt, und dass Roth sich zwar bei den Isländern für seinen trinkwütigen Wikinger entschuldigte, nicht aber für die Darstellung der Slowakei als ein mittelalterliches Nirwana für Perverse, ist mehr als nur ein bisschen heuchlerisch.

Hostel (USA 2005)

Regie: Eli Roth

Buch: Eli Roth

Darsteller: Jay Hernandez, Derek Richardson, Eythor Gudjonnson

Stephan Greitemeier, Stephan Greitemeier

Stephan Greitemeier - Geboren am 19.08. 1978 in Essen. Schulzeit in Gelsenkirchen, Wehrdienst beim Wachbatallion BMVg in Siegburg und Bonn. Praktikum bei den ...

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