Drogentrips sind ein durchaus beliebtes Thema in Filmen. Was läge da näher, als einen durch den Verzehr bestimmter Pilze verursachten Horror-Trip cineastisch aufzubereiten? Leider kann der irische Regisseur Paddy Breathnachs mit dieser potenziell spannenden Vorlage wenig anfangen und liefert einen bestenfalls durchschnittlichen Slasher ab, der einzig mit dem Handlungsort Irland etwas Abwechslung liefert.
Amerikanische Pilzköpfe
Fünf junge US-Amerikaner reisen mit dem Zweck nach Irland, durch den Verzehr halluzinogener Pilze beim Zelten einen Trip zu erleben. Tara (Lindsey Haun) hegt darüber hinaus die vage Hoffnung, Pilzexperten Jakes (Jack Huston) Herz zu gewinnen.
Doch gleich am ersten Tag begeht Tara einen verhängnisvollen Fehler, indem sie versehentlich einen giftigen Pilz verspeist. Dank Jakes rascher Hilfe überlebt sie den fatalen Irrtum, scheint aber plötzlich über die Begabung zu verfügen, Ereignisse zu sehen, noch ehe sie eintreffen. Noch verstörender ist der Inhalt ihrer hellseherischen Fähigkeiten: Sie sieht ihre Freunde einen nach dem anderen sterben …
Schwache Charakterisierung
Wie leider in vielen Horrorfilmen üblich, mangelt es an einer halbwegs überzeugenden Charakterisierung. Die Protagonisten werden von Beginn weg kategorisiert – das Mauerblümchen, die Zicke, der Schürzenjäger – und erfahren keinerlei Weiterentwicklung. Dadurch erwecken sie weder Interesse, noch gar Mitleid seitens des Zusehers. In nicht wenigen Szenen nerven die Figuren.
Gute Kameraführung
Einer der wenigen Pluspunkte des Filmes betrifft die Kameraführung, Visuell hat „Shrooms“ tatsächlich etwas zu bieten. Zwar regieren die aus vielen anderen Genre-Filmen der letzten Jahre bekannten blauen bzw. grauen Farbtöne, doch verleiht dies den einzelnen Szenen oftmals dichte Atmosphäre und böte den nötigen Hintergrund für gruseliges Treiben.
Horrorgenre-typische Zutaten
Aber die durchwegs kompetente Optik kann über die inhaltlichen Mängel nicht hinwegtäuschen. Brav werden sämtliche Register der dramaturgischen Klischee-Orgel gezogen. Das beginnt bereits mit der Fahrt in den Wald, bei der ein Wildtier gegen den Wagen läuft, schwer verletzt neben dem Pfad liegen bleibt und vom Steroide schluckenden Muskelprotz von seinem Leiden erlöst wird.
In der gleichen Szene tauchen auch die inzwischen fast schon obligatorischen Hinterwäldler auf, die den Jugendlichen einen Schreck einjagen.
Spannungsarm
Echte Spannung kommt an keiner Stelle auf, was zum Teil an den „Schock-Szenen“ liegt, die in Taras Visionen vorweggenommen und somit entschärft werden. Zudem führt „Shrooms“ zwar bei der Frage nach dem Killer, der sein Unwesen treibt, bewusst in die Irre, vermag aber mit dem abschließenden Plot-Twist kaum zu überzeugen. Zu sehr an den Haaren herbeigezogen und völlig unvorbereitet erscheint dieser.
Wer wenigstens auf blutige Splatter-Effekte hofft, wird gleichfalls enttäuscht und ist mit „Hostel“ oder „Saw“ besser bedient.
Genre-Einerlei im Stile von „Wrong Turn“
Schlussendlich erweist sich „Shrooms“ als bestenfalls leidlich überzeugender Horrorfilm, der in bekannten Gefilden der amerikanischen Konkurrenz wildert.
Schade, dass die Chance verpasst wurde, einen eigenständigen, ungewöhnlichen Horror-Thriller zu produzieren, der sich vom Genre-Einerlei abhebt.
Originaltitel: Shrooms
Regie: Paddy Breathnach
Produktionsland und –jahr: Irland, 2006
Filmlänge: 86 Minuten
Verleih: Ascot Elite
