Kritik zu Isabella Renitente - Der Chaoskater

Ein verrückter Kater bringt Schwung ins Leben einer Rechtsanwältin

Buchdeckel Isabella Renitente: Der Chaoskater - August von Goethe Literaturverlag
Buchdeckel Isabella Renitente: Der Chaoskater - August von Goethe Literaturverlag
Katzenfreunde werden die Geschichten der Autorin rund um das Leben mit ihrem frechen Stubentiger lieben. Pointiert und witzig geschrieben mit reichlich Selbstironie.

Sie sind ein großer Fan von Garfield? Sie fanden Schmitz Katze gut? Sie haben sich auch ganz intensiv mit dem Buch „Was Deine Katze wirklich denkt“ von Robert Gernhardt auseinandergesetzt? Sie sind also ein echter Katzenliebhaber, vielleicht auch mit einem Hang zum Philosophieren? Dann sollten Sie als Nächstes unbedingt Isabella Renitente kennen lernen.

Rechtsanwältin, Katzenliebhaberin und satirische Autorin

Isabella Renitente ist Rechtsanwältin und lebt in einem kleinen Ort nördlich von Hannover. Sie ist nicht nur ein großer Katzenfan und Versorger von Vierbeinern aus ihrer Nachbarschaft, sondern auch Eigentümerin eines verrückten Stubentigers mit Namen „Sir Henry“, der ihr Leben seit einiger Zeit bereichert, aber auch gehörig durcheinander bringt. Sein Frauchen hat sich darum die Mühe gemacht, ihre Erlebnisse mit dem vierpfotigen, englischen sowie adeligen Kurzhaarkater an ihrer Seite aufzuschreiben. Heraus gekommen ist ihr Buch „Der Chaoskater – Von Katzen, Hunden und anderen Katastrophen“, das im Frühjahr 2009 im August von Goethe Literaturverlag erschienen ist. Ein Buch voller Anekdoten über das Leben einer besser verdienenden, anspruchsvollen und gebildeten Katzenmama mit ihrem zwar blaublütigen, aber sich ganz und gar nicht höfisch benehmenden vierbeinigen Hausgenossen. Pointensicher, frech und kurzweilig mit einer Prise schwarzen Humors verfasst.

Eine Anwältin wird zum Ebay-Maniac, sehr zur Freude der Nachbarn

Das Buch beginnt, anders als zunächst erwartet, nicht sofort mit der Geschichte, wie Ich-Erzählerin Isabella, Rechtsanwältin und überzeugte Skeptikern, zu ihrem Kater kommt. Stattdessen wird der Leser zunächst einmal in ihr Misstrauen gegenüber Ebay eingeweiht, was sich vor allem darin begründet, dass sie die Auktionsplattform im Netz lange Zeit nur durch die für sie völlig überzogene Werbung aus dem TV kennt. Als sie sich dann doch einmal dazu hinreißen lässt, sich bei Ebay unter dem „Decknamen“ Tiramisu anzumelden und dort einen Jugendstilnachttopf entdeckt, der sie magisch in ihren Bann zieht, ist ihre Abneigung gegen das Auktionshaus in Windeseile verflogen und in der Folgezeit entwickelt sie sich zu einem wahren Ebay-Maniac, sehr zur Freude ihrer vergnügt zum Fenster herausschauenden Nachbarn. Die verfolgen die abendlichen Ebay-Ekzesse der Rechtsanwältin in deren Kanzlei mit wachsender Begeisterung und einer immer häufigeren Verlagerung der abendlichen Fernsehpause hin zum Fensterbrett.

Statt Ebay bringt ein Kater bald Wirbel in das Leben von Isabella

Erst, als Isabella schon gar nicht mehr weiß, wo sie noch hin soll mit den bei Ebay ersteigerten unzähligen Jugendstilvasen, -nachttöpfen und –fingerhüten bringt ihr jährlicher Griechenlandurlaub sie durch die Bekanntschaft mit einem kleinen roten Kater dazu, sich auch selbst eine Katze anschaffen zu wollen. Bislang existierte für sie nur der so genannte „Teilzeitkater“, eine streunende Katze aus ihrer Nachbarschaft, die sich zumeist an den Wochenenden selbst bei Isabella zum Fressen und zum Kuscheln einlud. Dieser schwarz-weiße Stubentiger muss nun einem zunächst von Frauchen eigentlich gar nicht in die engere Wahl genommenen, aber letztlich doch an Kindes statt adoptierten jüngeren Artgenossen gleicher Fellfärbung weichen. Dem tollpatschigen, jedoch äußerst liebenswerten „Chaoskater“ Sir Henry, der, anders als sie, sein Frauchen schon beim ersten Anblick ins Herz geschlossen hatte. Der kleine Kater bringt die Rechtsanwältin fortan privat wie beruflich in immer neue turbulente und ungeahnt komische Situationen, die zum Schmunzeln und nicht selten auch zum schallenden Lachen anregen. Vor allem, wenn die Autorin die Welt aus Sir Hernrys Sicht der Dinge beschreibt, bleibt kein Auge trocken.

Die Geschichten um Chaoskater Sir Henry verlangen nach baldiger Fortsetzung

Isabella Renitente hat ihrem „Chaoskater“ mit dem Buch ein würdiges Denkmal gesetzt, das sich problemlos auf weitere Vertreter seiner Art übertragen lassen dürfte. Ähnlich, wie Ralf Schmitz' Buch "Schmitz Katze" ist auch "Der Chaoskater" eine Liebeserklärung an den Eigensinn und die Selbstbestimmtheit der in Deutschland so beliebten Vierbeiner. Die kleinen Geschichten rund um eine zeitweilig überforderte Katzenmama und ihren ebenso häufig gewitzten und einfallsreichen Kater sind nicht nur für Katzenliebhaber eine leichte und kurzweilige Freizeit- und Urlaubslektüre. Man darf gespannt sein, ob es in absehbarer Zeit noch weitere Geschichten rund um das Leben mit dem kleinen Blaublüter von der Autorin zu lesen geben wird.

Isabella Renitente: Der Chaoskater – Geschichten von Katzen, Hunden und anderen Katastrophen: August von Goethe Literaturverlag Frankfurt am Main 2009, Taschenbuch, 288 Seiten, Euro 15,90

Stephanie Riechelmann, Stephanie Riechelmann

Stephanie Riechelmann - Hallo liebe Leser! Willkommen in meinem Profil! Ein paar Dinge über mich: Ich bin studierte Sozialwissenschaftlerin, 36 Jahre ...

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